Frauenfußball-Kreisliga Osterholz/Verden

SG Beckedorf/Ritterhude: „Das Beste, das passieren konnte“

Etwas ungewöhnlich mutet die Spielgemeinschaft der SG Beckedorf/Ritterhude an, liegen die beiden Klubs doch in verschiedenen Gemeinden und die Spielstätten sind immerhin 13 Kilometer voneinander entfernt.
15.04.2020, 09:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Reiner Tienken
SG Beckedorf/Ritterhude: „Das Beste, das passieren konnte“

Klarer Fall von: gesucht und gefunden. Seit dieser Saison machen die Fußball-Frauen der TuSG Ritterhude und des SV Grün-Weiß Beckedorf gemeinsame Sache. Das Team, hier mit Trainer Ralf Haase (rechts), führt als SG Beckedorf/Ritterhude die Kreisliga Osterholz/Verden an.

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Beckedorf/Ritterhude. Etwas ungewöhnlich mutet die Spielgemeinschaft der SG Beckedorf/Ritterhude an, liegen die beiden Klubs doch in verschiedenen Gemeinden und die Spielstätten sind immerhin 13 Kilometer voneinander entfernt. Gelohnt hat sich die Kooperation aber allemal: Die SG Beckedorf/Ritterhude um die Trainer Ralf Haase, Sergej Masterkov und Torben Schnirring führt die Tabelle der Frauenfußball-Kreisliga Osterholz/Verden an. Die zum Saisonbeginn gebildete Zusammenarbeit der Vereine SV Grün-Weiß Beckedorf und TuSG Ritterhude trägt damit bereits auf Anhieb Früchte.

Der SV Grün-Weiß Beckedorf sammelte bereits Erfahrungen mit einer Kooperation, bei der der Partnerverein nicht gleich um die Ecke lag. Vor Jahren wurde mit dem 1.FC Osterholz-Scharmbeck eine SG eingegangen. Die SG Beckedorf/Ritterhude eröffnet beiden Klubs nun die Chance, handlungsfähig zu sein. Mit jeweils zirka 14 Spielerinnen wären die Grün-Weißen (Beckedorf) und Blau-Weißen (Ritterhude) kaum in der Staffel konkurrenzfähig gewesen. Die drei Trainer, die sich seit vielen Jahren dem Mädchen- und Frauenfußball verschrieben haben, müssen sich aktuell um Personalsorgen keine großen Sorgen machen. Inzwischen ist der Kader auf 19 Spielerinnen geschrumpft, aber noch ausreichend besetzt.

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Ganz so überraschend kommt der Höhenflug der Mannschaft nicht daher. Der SV Grün-Weiß Beckedorf (Tabellenvierter) und die TuSG Ritterhude (Rangsechster) landeten bereits in der Vorsaison 18/19 oberhalb der Kellerplätze. „Wir haben uns über das erste Gegentor geärgert, das wir bekommen haben“, wurmt Trainer Ralf Haase der Einschlag im SG-Gehäuse beim 3:1-Sieg in Neu St. Jürgen immer noch. Die SG Beckedorf/Ritterhude (22 Punkte) und der FC Hansa Schwanewede (20) liefern sich ein Duell um den Titel, das aufgrund der Saisonunterbrechung derzeit ausgesetzt ist. Ralf Haase ist zufrieden mit dem bisher Erreichten, denkt aber auch über vergebene Möglichkeiten nach. Denn die Mannschaft habe ihr Potenzial noch nicht gänzlich ausgeschöpft, auch deshalb, „weil die Leute nicht mehr alles opfern“, so Haase.

Das Trainergespann funkt auf einer Wellenlänge. Ralf Haase, Sergej Masterkov und Torben Schnirring hauchten der neuformierten SG Beckedorf/Ritterhude neues Leben ein. „Wir haben dieselbe Idee, wie wir Fußball spielen wollen. Menschlich und fußballerisch passt es“, lobt Torben Schnirring die fruchtbare Zusammenarbeit unter den drei Übungsleitern. „Durch Ralf Haase haben wir ein gewisses Querdenken drin. Er bringt andere Standpunkte mit rein. Das sorgt für frischen Wind“, erklärt Sergej Masterkov. Torben Schnirring ist überzeugt davon, dass jede Menge Leistungsvermögen im Team steckt. „Es sind Spielerinnen dabei, die könnten deutlich höher spielen“, meint der SG-Trainer.

Nina Abend (Beckedorf) und Tina Gärtner (Ritterhude) tragen im Wechsel die Kapitänsbinde des Titelkandidaten. Die beiden Spielführerinnen sind felsenfest der Meinung, dass mit der Kooperation eine vorzügliche Lösung gefunden wurde. „Es hat auf Anhieb ganz gut gepasst. Damit haben wir so schnell nicht gerechnet“, bestätigt Tina Gärtner. Anpassungsprobleme blieben aus. „Im Nachhinein denke ich, dass es das Beste war, das uns zu dem Zeitpunkt passieren konnte. Schon beim ersten Treffen zwischen Trainern und Kapitäninnen war mir persönlich klar, dass wir uns sehr sympathisch sind und auch sportlich dieselben Einstellungen und Ziele verfolgen“, betont Nina Abend.

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Nur zwei Gegentore kassierte der Tabellenführer bis zur Saisonunterbrechung in der Frauenfußball-Kreisliga Osterholz/Verden, so wenige, wie kein anderes Team vorweisen kann. Merle Wiechers hielt ihren Kasten in sechs der acht Begegnungen sauber. Ob die 20-jährige SG-Stammtorhüterin bei einer etwaigen Fortsetzung der Saison weiter zur Verfügung steht, ist indes fraglich. Die Torhüterin hat einen längerfristigen Südafrika-Aufenthalt geplant.

Das Intermezzo am Kap der Guten Hoffnung steht durch die Corona-Pandemie nun jedoch auf der Kippe. Selbst ohne Merle Wiechers räumen die Übungsleiter ihrem Team bei einer Fortsetzung der Meisterschaft sehr gute Titelchancen ein. „Wir haben es komplett in der eigenen Hand“, strahlt Torben Schnirring viel Zuversicht aus.

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Zur Sache

Warum es nichts mit dem ATSV wurde

Während der Sommerpause bahnte sich im Frauenbereich eine Spielgemeinschaft zwischen dem ATSV Scharmbeckstotel und der TuSG Ritterhude an. „Das hörte sich ganz gut an“, war Trainer Ralf Haase von dem Vorschlag der Kooperation zunächst begeistert. Die Idee kam vom ATSV. „Wir hatten zu Beginn der Sommerpause einen großen Kader mit zirka 28 Spielerinnen. Für uns zu viel für eine Mannschaft, aber leider zu wenig für zwei Mannschaften“, merkt Pascal Blaak (ATSV Scharmbeckstotel) an. Seitens des NFV wurde das Ansinnen mit einem Handicap versehen. „Wir sollten eine Liste erstellen mit Namen von Spielerinnen, die in der SG spielen sollten. Diese durfte dann nachträglich nicht mehr geändert und auch nicht getauscht werden“, führte Pascal Blaak aus. Auf den letzten Drücker machte der ATSV Scharmbeckstotel daher noch einen Rückzieher. Dies alles, nachdem bereits ein erstes Training in Ritterhude stattgefunden hatte und TuSG-Trainer Ralf Haase schon einen Trainingsplan aufgestellt hatte und Testspiele vereinbart worden waren. „Ich habe erst gedacht, das ist ein schlechter Scherz“, so Ralf Haase nach dem Korb des ATSV Scharmbeckstotel. Mit der Übereinkunft mit dem SV Grün-Weiß Beckedorf fand die TuSG Ritterhude doch noch ihr Glück.

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