Tennis im Landkreis Osterholz

Übergangssaison sorgt für Skepsis

Mit einem Fünf-Punkte-Plan hat der Tennisverband Niedersachsen-Bremen für den Somme einen Spielbetrieb in Aussicht gestellt. Die Umsetzung betrachten die Vereine aus dem Landkreis Osterholz aber skeptisch.
27.05.2020, 09:40
Lesedauer: 6 Min
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Von Tobias Dohr und Dennis Schott
Übergangssaison sorgt für Skepsis

Dörte Kleinert und ihre Teamkolleginnen von den Damen 30 des TC Osterholz-Scharmbeck werden auf den Punktspielbetrieb diesen Sommer verzichten – und sind damit in guter Gesellschaft.

Tobias Dohr

Landkreis Osterholz. Die gute Nachricht vorweg: Es geht weiter. Im Tennisverband Niedersachsen-Bremen (TNB) wird es auch in diesem Sommer Punktspiele für Damen, Herren, Altersklassen und Jugend geben. Dies hat das Präsidium gemeinsam mit dem Verbandsbeirat und unter Einbeziehung der Sportwarte der zwölf Regionen im TNB einstimmig beschlossen. Die Frage ist nur, wie die hygienischen Vorkehrungen für den Spielbetrieb umgesetzt werden können. Vor allem die Ansetzung der Doppel stellt sich in diesem Zusammenhang als problematisch dar.

In seinem vorgestellten Fünf-Punkte-Plan erklärte der TNB: „Für die Doppel wird eine Situationsanalyse bis spätestens zum 7. Juni durchgeführt. Dann wird final entschieden, ob mit oder ohne Doppel in die Saison gestartet wird.“ Und weiter: „Nach derzeitigem Stand werden die Punktspiele voraussichtlich ohne Doppel gespielt. Sollte im Laufe der Saison die Abstandsregel geändert oder aufgehoben werden, werden Doppel in Abstimmung mit den Sportwarten der Regionen und durch Beschluss des Präsidiums zugelassen.“

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In jedem Fall aber soll die Punktspielserie als Übergangssaison ohne Auf- und Absteiger gewertet werden. Der TNB wäre damit der erste Verband, der während der Corona-Pandemie im Amateurbereich einen Spielbetrieb ermöglicht. Aber ist es eine gute Entscheidung, die Saison fortzuführen?

Grundsätzlich ja, sagt Lennart Riemann. „Wir trainieren inzwischen ja schon unter bestimmten Vorkehrungen wieder, also kann man das auch für den Spielbetrieb gewährleisten. Da gibt es ja kaum einen Unterschied“, meint der Sportwart des TC Falkenberg, um sein „aber“ anzuschließen. Etwas problematisch findet er es, dass die Sommersaison als Übergangssaison ohne Auf- und Absteiger gewertet werden soll. Ob die Doppel ausgetragen werden dürfen, ist fraglich. Und den Spieltag in gemeinsamer Runde ausklingen lassen, wie sonst üblich, wäre auch nicht mehr möglich. Der Tennis, wie er ihn vor der Corona-Pandemie kennengelernt hatte, war eben ein anderer.

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Lennart Riemann schreckt deshalb die Vorstellung, die Sommersaison ohne Doppel austragen zu müssen, etwas ab. Überhaupt bliebe etwas der Mannschaftsgeist auf der Strecke, wenn nur die Einzel nach wie vor Gültigkeit für die Rangliste haben, aber letztlich egal ist, wie das Spiel ausgeht. Man bliebe ja sowieso in der jeweiligen Klasse. Darüber hinaus hat er ein weiteres Problem ausgemacht: „Man weiß nicht genau, auf was für einen Gegner man sich einstellen soll“, so Riemann und nennt das Beispiel Nordhorn und fragt: „Sollen wir 200 Kilometer weit fahren, um dann festzustellen, dass nicht die erste Mannschaft antritt, sondern die zweite oder dritte?“ Hätte der Verband die Maßnahmen für Auswärtsfahrten gelockert, so dürfen die Spieler nun doch in einem Auto fahren, wären die Falkenberger ohnehin zu keiner Reise angetreten. „Das wäre für uns nicht infrage gekommen“, betont der TCF-Sportwart. Er kann auch noch nicht absehen, in welchem Maß sich die Mannschaften des TC Falkenberg an der Übergangssaison beteiligen werden. Nicht alle werden die Veränderungen mittragen, sodass eine Teilnahme „in reduzierter Form“ erfolgen könnte.

Wie unsicher die Teams zum Teil sind, zeigt das Beispiel der Damen 30 des TC Osterholz-Scharmbeck. Das Team um Mannschaftsführerin Sandra Meyerdierks war eigentlich übereingekommen, zu ihrer Saison in der Oberliga anzutreten – nur um diesen Entschluss dann am Montagabend doch noch kurzfristig zu kippen. Die „Sharks“, wie sich das TCO-Team seit vielen Jahren nennt, hätte weite Auswärtsfahrten vor sich gehabt. In ihrer kleinen Vierer-Oberliga hätten die Osterholz-Scharmbeckerinnen in gleicher Besetzung Hin- und Rückspiele austragen müssen, was die Möglichkeit, personell durchzutauschen, komplett einschränken würde.

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„Alles, was es irgendwie im Sommer ausmacht, wäre dann nicht mehr gegeben“, sagt Sandra Meyerdierks. Im schlimmsten Fall hätten die Spielerinnen mit verschiedenen Autos nach Osnabrück und Göttingen fahren müssen. „Um ein Einzel zu spielen und dann ungeduscht und hungrig direkt nach dem Spiel wieder alleine im Auto nach Hause zu fahren?“ fragt Meyerdierks stellvertretend für ihre Teamkolleginnen. Nein, das sei am Ende keine wirkliche Option gewesen. Erst Recht nicht, da die Spiele ja auch ohne sportliche Relevanz über die Bühne gehen. Deshalb wollen sich die „Sharks“ nun um ein oder zwei Freundschaftsspiele kümmern, um den Sommer nicht zu lang werden zu lassen.

Genau das haben sie sich auch bei den Herren 40 der TuSG Ritterhude überlegt. Denn auch das Bezirksliga-Team um Nils Hüneke hat für die Übergangssaison in diesem Sommer zurückgezogen. Auch bei den Ritterhudern war es am Ende das Fahrargument, dass zu schwer wog. Für ein Einzel zu Punktspielen nach Friesoythe und Südbrookmerland zu gondeln, eventuell in getrennten Autos – das wollten sich die TuSG-Herren nicht antun. „Man weiß ja auch überhaupt nicht, was in zwei Wochen ist. Vielleicht dürfen dann Doppel gespielt werden, vielleicht ist dann aber auch das gemeinsame Fahren eben ausdrücklich verboten“, weiß Nils Hüneke, wie unmöglich eine verlässliche Planung derzeit ist. Und selbst wenn Fahrgemeinschaften erlaubt wären: „So richtig reizvoll finde ich die Vorstellung nicht, wenn sich vier verschwitzte Männer direkt nach dem Einzel ins Auto setzen und dann zwei Stunden nach Hause fahren.“

Von den acht zum Spielbetrieb gemeldeten TuSG-Teams haben sich laut Hüneke schon fünf vom Sommer-Spielbetrieb abgemeldet. Die Damen 40, in der auch Hünekes Frau Britta spielt, werde wohl antreten. „Die haben aber auch insgesamt nur zwei Auswärtsspiele, eines davon beim TSV Lesum“, begründet Nils Hüneke. Doch auch hier liegt der Fehler im Detail. Denn wenn aus der dortigen Bezirksklasse drei Teams kurzfristig zurückziehen, werden die Ligen am Ende neu sortiert – was wiederum zu komplett anderen Auswärtsfahrten führen könnte.

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Etwas anders sieht die Lage im Jugendbetrieb aus, der größtenteils erst nach den Sommerferien startet und bei dem es in der Regel nicht so weite Fahrten gibt. Allerdings müssen sich auch die Jugendteams bereits jetzt entscheiden, ob sie ab August spielen wollen oder nicht, um kostenfrei abmelden zu können. „Das Problem in der jetzigen Situation ist eben auch, dass es keinen landkreisorganisierten Spielbetrieb gibt, sondern dass das alles vom Landesverband gemacht wird“, erklärt Hüneke.

So wird es wohl in noch einigen anderen Vereinen im Landkreis Osterholz dasselbe Bild geben wie in Ritterhude: Die Mehrzahl der Teams wird auf die Sommersaison verzichten. Wie beispielsweise beim SV Vorwärts Buschhausen, wo Stand Dienstag bereits sieben von neun Mannschaften ihre Abmeldung vollzogen hatten. Und auch die verblieben zwei Teams sind noch nicht endgültig überzeugt von ihrem Antreten. Der Verband muss am Ende womöglich sämtliche Ligen neu sortieren oder einige sogar ganz rausnehmen, weil nur noch zwei Teams über bleiben. Es bleibt also eine vielschichtige Angelegenheit und die Hoffnung, dass im Tennis ab Mitte Juni ein halbwegs geregelter Spielbetrieb stattfinden wird, scheint sich mehr und mehr zu zerschlagen.

Info

Zur Sache

Der Fünf-Punkte-Plan des TNB

1. Die Punktspielserie 2020 wird als Übergangssaison gewertet. Es wird keine Auf- und Absteiger geben. Nur wenn im Sommer 2021 in der nächsthöheren Spielklasse ein Staffelplatz frei ist und die geografischen Umstände passen, ist ein Aufstieg möglich. Die erspielten Ergebnisse werden aber uneingeschränkt für die Ranglisten und Leistungsklassen gewertet.

2. Mannschaften können sich bis zum 1. Juni 2020 ohne Ordnungsgeld vom Punktspielbetrieb abmelden. Wenn eine Mannschaft danach zurückzieht, werden 50% des regulär festgelegten Ordnungsgeldes erhoben. Die Mannschaften behalten auch bei einem Rückzug ihren Platz in der aktuellen Spielklasse. Die Höhe der Mannschaftsmeldegebühren bleiben zu 100 Prozent bestehen. Das Ziel ist, die derzeitigen Staffeln und den Spielplan zu erhalten. Anpassungen erfolgen, wenn in einer Staffel weniger als vier Mannschaften starten.

3. Für die Doppel wird eine Situationsanalyse bis spätestens zum 7. Juni durchgeführt. Dann wird final entschieden, ob mit oder ohne Doppel in die Saison gestartet wird. Nach derzeitigem Stand werden die Punktspiele voraussichtlich ohne Doppel gespielt. Sollte im Laufe der Saison die Abstandsregel geändert oder aufgehoben werden, werden Doppel in Abstimmung mit den Sportwarten der Regionen und durch Beschluss des Präsidiums zugelassen.

4. Namentliche Nachmeldungen sind bis 5. Juni 2020 möglich. Es ist kein Wechsel möglich.

5. Es wird ein spezielles Hygienekonzept ausgearbeitet, welches vor Ort eingehalten werden muss. Der TNB wird es laufend an die Vorgaben der Landesregierung anpassen und an die Vereine kommunizieren. Auch die Wettspielordnung des TNB wird partiell angepasst, um eine ordnungsgemäße Durchführung der Übergangssaison zu gewährleisten.

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