Tischtennis-Kreisvorsitzender Rolf Grotheer: „Diese Gefahr besteht vermutlich“

Rolf Grotheer ist nicht nur seit 2010 Vorsitzender des Tischtennis-Kreisverbandes, sondern steht seit 18 Jahren auch dem TV Falkenberg vor. Im Interview spricht er über die aktuelle Situation im Tischtennis.
11.12.2020, 09:54
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Frank Mühlmann

Herr Grotheer, die Tischtennis-Saison 20/21 wurde bereits nach wenigen Wochen unterbrochen. Wie war Ende Oktober Ihre spontane Reaktion, und wie sehen Sie diese Entscheidung mit einem gewissen zeitlichen Abstand?

Rolf Grotheer: Die Unterbrechung war auf jeden Fall richtig, weil die Infektionszahlen immer schlimmer wurden und schließlich sogar aktuell trotz des leichten Lockdowns noch steigen. Ich stehe hinter den Maßnahmen und denke auch, dass es der richtige Weg wäre, sie weiter zu verschärfen. Es ist selbstverständlich, dass sich deshalb auch der Sport weiterhin massiv einschränken muss.

Hätte der Verband die Punktspielserie angesichts der einigermaßen absehbaren Corona-Entwicklung in der kalten Jahreszeit überhaupt beginnen sollen?

Ich finde schon und habe den Start der Saison daher auch befürwortet. Das lag auch daran, dass Tischtennis meiner Meinung nach genauso wie Tennis eine Individualsportart ist, bei der man prinzipiell weit genug vom Gegner entfernt agiert. Unter Gesichtspunkten der Abstandshaltung besitzt Tischtennis entsprechende Vorteile gegenüber anderen Sportarten. Näher kam man sich letztlich lediglich nach dem Match beim Abklatschen mit den Ellenbogen.

Wie gefällt Ihnen das aktuelle Spielsystem, und ist es nur eine Übergangslösung oder gar ein Modell für die Zukunft?

Als Modell für die Zukunft sehe ich das momentane System keineswegs. Ich würde es sehr begrüßen, das Doppel wieder ins Punktspiel zu integrieren. Ich kenne beispielsweise viele Akteure, für die das Doppel das Schönste am gesamten Sport bedeutet. Das zeigt sich auch bei Veranstaltungen wie den Kreismeisterschaften, bei denen sich manche Teilnehmer nur für die Doppelkonkurrenz anmelden und dabei mehr Spaß als im Einzel empfinden. Beim Punktspiel ist es zudem gerade in den höheren Klassen wichtig, durch das Doppel erst mal auf Betriebstemperatur zu kommen, bevor die Einzel beginnen.

Lesen Sie auch

Bereits ab der kommenden Saison spielen die Herren ab der Oberliga aufwärts nur noch in Viererteams anstatt zu sechst. Was halten Sie von einer möglichen Umsetzung auch im Breitensport?

Wir diskutieren dieses Thema im Kreisvorstand schon seit längerer Zeit. Prinzipiell würde ich persönlich auch Viererteams im Herrenbereich bevorzugen. Das wäre nicht nur umweltfreundlicher, da die Auswärtsmannschaften mit lediglich einem Auto anreisen könnten, sondern auch kleinere Vereine hätten den Vorteil, fortan wieder ein Team zu melden. Es gibt halt immer mehr Klubs, die Probleme haben, eine Mannschaft vollzubekommen. Andererseits sehe ich auch Vereine wie Ritterhude, die als mitgliederstarke Sparte mit einer kleinen Halle, Schwierigkeiten bei der Punktspielorganisation und den Hallenzeiten bekommen könnten. Denn bei einer entsprechenden Umstellung von Sechser- auf Viererteams hätte jeder Verein etwa durchschnittlich 30 bis 50 Prozent mehr Herrenmannschaften.

Nicht wenige Spielerinnen und Spieler fühlten sich zuletzt während der Wettkämpfe unwohl, da in vielen Hallen und Vereinen die Hygienekonzepte bestenfalls halbherzig umgesetzt wurden. Wie könnte der Kreisverband bei Wiederbeginn zu einer verbesserten Situation beitragen?

Jede Sparte war in der Pflicht, einen Hygienebeauftragten zu ernennen. Die Umsetzung des Hygienekonzeptes steigt und fällt meiner Meinung nach mit dem Ehrgeiz der verantwortlichen und handelnden Person. Manche waren richtigerweise eher pingelig, andere haben sich vermutlich um nichts gekümmert. Prinzipiell gelten auch nicht die Vorgaben des Verbandes, sondern die der jeweiligen Gemeinde, die bei Nichtbeachtung auch die Halle schließen würde. Wir als Kreisverband vertraten bislang immer den Standpunkt, uns nicht in die Konzepte der einzelnen Vereine einzumischen. Sollten wir allerdings zukünftig Beschwerden von Gästeteams erhalten, würden wir selbstverständlich auch reagieren.

Wann rechnen Sie mit einer Saisonfortsetzung, und wie sollte diese Ihrer Meinung nach aussehen?

Ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, dass wir vor Februar oder März mit der Serie fortfahren. Ich wäre dann dafür, lediglich die restlichen Spiele der Hinserie auszutragen und anschließend abzubrechen. Das wäre zum Beispiel auch wertungstechnisch eine fairere Lösung im Vergleich zum Vorjahr. Es gibt aber auch Stimmen, die besagen, dass die Saison möglicherweise bis in den Juni hinein verlängert und in diesem Fall die ganze Serie „durchgeprügelt“ werden könnte. Diese Variante halte ich allerdings ohne einen für alle verfügbaren Impfstoff für problematisch.

Lesen Sie auch

Wäre es Ihrer Ansicht nach dann aber sinnvoll, auf potenzielle Infektionsherde wie gemeinsame Fahrten zu Auswärtsspielen oder das Duschen zunächst zu verzichten?

Definitiv! Aufs Duschen sollte bei Wiederaufnahme der Saison auf jeden Fall verzichtet werden. Bezüglich der Fahrten weiß ich jedoch nicht, ob man vorschreiben kann, dass nur noch maximal zwei Personen zusammen im Auto unterwegs sind. Sinnvoll wäre diese Maßnahme sicherlich. Zumal die Spieler im Wagen wohl selten eine Maske tragen, was entsprechend gefährlich wäre.

Befürchten Sie, dass so manche Tischtennisakteure im Zuge der langen Pause den Schläger an den Nagel hängen?

Gerade bei älteren Spielern, die sich manchmal in die Halle gequält haben und nach Punktspielen Probleme mit ihrem Körper besaßen, besteht diese Gefahr vermutlich. Nun spüren diese Leute eventuell, wie gut ihnen die Pause tat und fragen sich womöglich, warum sie sich das trotzdem noch länger antun sollten. Auf der anderen Seite hoffe ich aber auch auf eine weitaus größere Fraktion, die sich derzeit sehnlichst wünschen würde, wieder in die Halle zurückzukehren und dort ihre Kumpels zu treffen. Diese Gruppe könnte wiederum in der Zukunft bewusster zum Training gehen und es hoffentlich intensiver genießen.

Die Corona-Krise bedeutet also zweifellos auch eine Zäsur. Kann diese abschließend auch eine Chance für eine Sportart wie Tischtennis sein?

Wir müssen sicher versuchen, die Jugend mehr für unseren Sport zu begeistern und dabei generell größere Unterstützung zu leisten. Einen ersten Schritt erhoffen wir uns durch die Wiedereinführung der Kaderlehrgänge, für die wir als Kreisverband schon länger kämpfen. Nach unseren Vorstellungen könnten diese demnächst an Wochenenden mit Übernachtung in Seebergen stattfinden und für unsere größten Talente ein großes Highlight darstellen.

Das Gespräch führte Frank Mühlmann.

Info

Zur Person

Rolf Grotheer (71)

ist nicht nur seit 2010 Vorsitzender des Tischtennis-Kreisverbandes, sondern führt seit 18 Jahren auch die Geschicke des TV Falkenberg. Der Werder-Fan ist auch selbst noch aktiv an der Platte.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+