Fussball-Kreisliga Osterholz

Weitere Stimmen zum bevorstehenden Saison-Abbruch: Von „nachvollziehbar“ bis „nicht optimal“

Es gibt auch in der höchsten Osterholzer Fußball-Spielklasse sehr unterschiedliche Ansichten, wie eine aktuelle Umfrage unter den Trainern ergeben hat. Hier geht es zu Teil 2.
04.06.2020, 08:28
Lesedauer: 5 Min
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Von Timo Flathmann, Reiner Tienken und Karsten Hollmann
Weitere Stimmen zum bevorstehenden Saison-Abbruch: Von „nachvollziehbar“ bis „nicht optimal“

Bis zur coronabedingten Pause hatte der 1. FC Osterholz-Scharmbeck, hier mit Christof Podstawski (links), lediglich zwei Punkte eingefahren. Wird der Saisonabbruch beschlossen, würde der Kreisligist aber die die Klasse halten.

Tobias Dohr

Dass die laufende Fußballsaison 2019/2020 abgebrochen werden wird, steht für die allermeisten Amateurkicker so gut wie fest. Der Empfehlung des niedersächsischen Fußballverbands, die Saison abzubrechen und ohne Absteiger zu werten, dürfte am außerordentlichen Verbandstag am 27. Juni mit großer Wahrscheinlichkeit von den Mitgliedern abgesegnet werden. Für die Kreisliga Osterholz wären die Auswirkungen, was die Sollstärke der Liga angeht, weniger dramatisch als für andere Spielklassen. Dennoch gibt es auch in der höchsten Osterholzer Spielklasse sehr unterschiedliche Ansichten, wie auch der zweite Teil unserer Umfrage unter den Trainern und Kapitänen ergeben hat.

Maik Machnacz (TuSG Ritterhude II): „Da wir uns im Mittelfeld der Tabelle befinden, ist ein Abbruch der Saison für mich okay. Ich freue mich für den SV Löhnhorst. Wer eine solch tolle Saison spielt, der muss auch aufsteigen. Dass der SV Nordsode und der 1. FC Osterholz-Scharmbeck nun mit so wenigen Punkten die Klasse halten, ist sicherlich eine Grauzone. Aber niemand kann sagen, ob diese beiden Teams das Ruder nicht in der Rückrunde auch noch aus eigener Kraft herumgerissen hätten. Deshalb empfinde ich die Lösung mit einem Aufsteiger und keinem Absteiger als fair. Für uns gilt aber etwas anderes als zum Beispiel in der Oberliga. Anders als in der Oberliga haben wir schließlich nur 15 Teams in der Liga. Die Oberliga hat jetzt schon 18 Mannschaften und wird nun noch einmal zusätzlich aufgestockt. Bei sehr vielen Absteigern in der nächsten Saison wird es auch der FC Hagen/Uthlede schwer haben.“

Halil Ölge (SV Barisspor): „In sportlicher Hinsicht halte ich einen Saisonabbruch für nicht optimal. Die Profis dürfen ja auch wieder spielen, auch wenn diese natürlich mit einem Hygienekonzept anders auf das Corona-Virus getestet werden. Was die Bundesliga-Spieler aber beim Torjubel gerade teilweise so veranstalten, ist schon komisch. Aus meiner Sicht hätten wir unsere Saison auch noch im Juli weiterspielen können. Wenn man sich dann aber schon für einen Saisonabbruch entscheidet, muss es neben einem Aufsteiger auch einen Absteiger geben. Sonst ist es nicht fair. Ich sehe auch große Probleme für die nächste Saison mit mehr Mannschaften in der Kreisliga auf uns zukommen. Weil das Wetter es meist vorher nicht zulässt, fangen wir immer erst im März wieder an zu spielen. Dann sind englische Wochen vorprogrammiert. Das ist aber für mein Team sehr schwierig, weil wir über viele Schichtarbeiter verfügen, die unter der Woche nicht mal eben so frei bekommen.“

Lorenz Gehrmann (VSK Osterholz-Scharmbeck II): „Ich finde es gut, dass die Saison abgebrochen werden soll, damit die neue Spielzeit am besten noch im Sommer ganz normal beginnen kann. Wenn wir diese Saison noch irgendwann weiterspielen würden, kämen wir mit dem Rhythmus schließlich total durcheinander. Im Falle der Fortsetzung dieser Serie könnten wir erst im Winter mit der neuen Saison anfangen. Dann würden wir ja im darauffolgenden Winter schon fertig sein und hätten bis zum Sommer keine Spiele mehr. Um dies zu vermeiden, könnten wir dann zwar auch nur alle zwei Wochen spielen. Aber das würde die Leute auch nicht glücklich machen. Ich kann aber gut verstehen, wenn eine Mannschaft von oben, wie der SV Löhnhorst, die Saison gerne regulär zu Ende gebracht hätte. Die Hauptsache ist aber, dass es irgendwann mit der neuen Spielzeit wieder losgeht. Ich freue mich schon darauf, die Trainerkollegen und die Jungs der anderen Mannschaften endlich wiederzusehen.“

Kai Schnur (TSV Dannenberg): „Das ist für viele zwar ein ungewöhnliches Szenario, schlussendlich aber wohl die fairste Geschichte für alle Beteiligten. Wenn man sich das aber beispielsweise mit unserer Bezirksliga und ganzen sechs Aufsteigern anschaut, ist das natürlich ganz schön aufgebläht. Das ist dann schon eine enge Kiste für die Liga, da wird es ein Hauen und Stechen geben. Es wird dann dort ja auch mehr Absteiger geben, und das wird hart. Andererseits haben es die Mannschaften, die oben stehen, dann auch verdient, aufzusteigen. Es stellt sich nur die Frage, wo will man anfangen und wo aufhören? Theoretisch hätte man ja auch alles anhand der Quotientenregelung ausrechnen können, aber das wiederum ist auch eine Hin- und Herspielerei, wenn der eine schon gegen ganz andere Mannschaften gespielt hat und dem anderen noch Spiele fehlen. Von daher ist das jetzt so die wohl einzige vernünftige Sache. Wie will man das auch handeln, es ist einfach schwierig.“

Jan-Henrik Gantzkow (Kapitän, FC Hambergen II): „Für die Verantwortlichen ist es total schwierig, eine für alle Mannschaften akzeptable Lösung zu finden. Man weiß ja auch jetzt noch nicht, ob sich die Situation noch einmal ändern wird, ob zum Beispiel eine zweite Welle kommen wird. Generell ist es gerade für die Mannschaften, die um den Aufstieg gespielt haben schade, dass sie es nicht sportlich zu Ende bringen konnten, denke aber, dass die Quotientenregelung das fairste ist, was man in dieser Situation machen kann. Auch wenn wir im Mittelfeld stehen und es für uns eigentlich um nichts mehr ging, hätte auch ich gerne weitergespielt. Aber wenn das nicht geht, dann ist das so. Und schade finde ich auch, dass die letzte Saison von unserem Trainer Gero Thiel so enden muss. Das ist kein schöner Abschluss.“

Jürgen Schnackenberg (SV Nordsode): „Ich denke, wenn man abbricht, ist es die beste Lösung. Die sportlich fairste wäre natürlich, die Saison zu Ende zu spielen. Da stellt sich jedoch die Frage: Wann? Von daher ist die Lösung okay, auch mit der Aufstiegsregelung. Für Löhnhorst wäre es bitter, jetzt nicht aufzusteigen. Die oberen Ligen werden natürlich voll und auch viele Absteiger haben. Die Mannschaft trifft sich, um was zu machen, richtiges Training ist das aber auch nicht. Das machen sie zwei drei Mal pro Woche in Eigenregie unter der Leitung von Kapitän Paskal Monsees. Da ich ja auch nur bis Saisonende zugesagt habe, würde es dann auch mehr Sinn machen, wenn mein Nachfolger Marco Miesner dann die Trainingseinheiten übernimmt. Der Saisonabschluss mit einer Feier fehlt mir aber, und generell würde ich auch so gerne mal wieder ein Spiel sehen, ich bin gerne mal nach Bornreihe oder Karlshöfen gefahren und habe mir natürlich auch andere Spiele angesehen. Das fehlt leider gerade.“

Rolf Bauer (1. FC Osterholz-Scharmbeck): „Ich finde es gut, wie der NFV es jetzt vorhat. Natürlich stehen wir unten, da können wir von Glück reden, dass wir jetzt nicht absteigen. Andererseits wäre ja die erste Mannschaft vom VSK Osterholz-Scharmbeck aus der Bezirksliga abgestiegen und dann auch automatisch die Zweite aus der Kreisliga, und dann wären wir vielleicht drin geblieben. Mit Löhnhorst und Worpswede steigen aber die beiden besten Mannschaften der Liga auf. Das ist vollkommen in Ordnung. Unglücklich war, dass der NFV erst sagte, dass sie die Saison zu Ende spielen wollen. Es weiß ja kein Mensch, wann es weitergeht. Es ist jetzt auch nicht wirklich sinnvoll, zu trainieren, weil eben keiner sagen kann, wann es wieder losgeht. Klar, man kann Torschuss und Passspiel machen, aber man kommt umgezogen, geht ungeduscht, darf nach dem Training nicht mal ein Bier zusammen trinken. Das ist keine Kameradschaft mehr. Der Fußball ist zurzeit generell echt Nebensache, da viele erst mal schauen müssen, ihren Job nicht zu verlieren.“

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