Vorschlag des NFV

Reaktionen aus dem Landkreis Osterholz: Viel Skepsis, aber auch Zuspruch

Das Meinungsbild der ab der Bezirksliga spielenden Teams aus dem Landkreis Osterholz bezüglich des Vorschlags des NFV zum Einfrieren der Fußball-Saison hat ein sehr differenziertes Meinungsbild ergeben.
22.04.2020, 09:54
Lesedauer: 6 Min
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Von Thomas Müller, Dennis Schott und Tobias Dohr
Reaktionen aus dem Landkreis Osterholz: Viel Skepsis, aber auch Zuspruch

Soll die Fußball-Saison ab Mitte August fortgesetzt werden? Der Vorschlag des NFV wird von den Teams aus dem Landkreis Osterholz überwiegend skeptisch aufgefasst.

Björn Hake

Landkreis Osterholz. Wenn es nach den Überlegungen des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) geht, dann soll die aktuell unterbrochene Saison aller Männer-, Frauen- und Jugendligen zwischen dem 15. August und 1. September fortgesetzt werden. So lautet zumindest der am Freitagabend einstimmig beschlossene Vorschlag des NFV-Vorstands. Seit Sonnabend befindet sich der Verband mit seinen 33 Fußballkreisen im regen Austausch. „Bis Mitte dieser Woche werden wir in den Kreisen ein Meinungsbildung mit unseren Vereinen durchführen. Dieses Meinungsbildung bildet die Basis für die finale Diskussion und Beschlussfassung des Verbandsvorstandes“, erklärte NFV-Präsident Günter Distelrath. Das Meinungsbild der ab der Bezirksliga spielenden Teams aus dem Landkreis Osterholz sieht dabei wie folgt aus.

Oliver Schilling (Trainer des VSK Osterholz-Scharmbeck): Ich halte den Vorschlag für nicht umsetzbar. Wir haben noch insgesamt 14 Spiele, wielange soll die Saison dann gehen. Bis November? Und wann soll die neue Saison starten? Das wird nicht funktionieren. Ich finde, andere Verbände haben das schlauer gelöst. Zum Beispiel der Volleyball-Verband. Da dürfen die Teams, die noch die Chance haben aufzusteigen, das auch tun. Und die Teams, die sich noch retten können, können für die Liga melden, in der sie aktuell sind. Wo ist das Problem, das auch auf den Fußball zu übertragen? Denn wir dürfen eines auch nicht vergessen: Fußball ist nur unser Hobby, für die Mannschaften wird es aber zu einer echten Belastung, wenn es so kommen sollte wie geplant.

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Yannick Sachau (Abteilungsleiter und Torwart des FC Hansa Schwanewede): Eines vorweg:Niemals wird man in dieser Situation alle Beteiligten zufriedenstellen können, dafür sind die Interessen einfach zu unterschiedlich. Trotzdem glaube ich, ist der Schritt nicht klug. Zunächst bin ich irritiert, dass man jetzt schon entscheidet, den Spielbetrieb bis dahin auszusetzen, wo die nächste Saison eigentlich schon beginnen soll. Selbstverständlich muss man auch für den schlimmsten Fall planen, aber aus meiner Sicht besteht (noch) kein Anlass zu derartigem Pessimismus. Die Lage ändert sich sehr schnell, sodass durchaus auch eine Verbesserung verbunden mit entsprechenden Lockerungen möglich erscheint. Dieser Option fehlt außerdem aus meiner Sicht der nötige Weitblick: Bisher hieß es, die Saison 2020/21 müsste notfalls ausfallen. Hier bedarf es natürlich vorab einer klaren Definition der Bedingungen, damit wir nicht im Herbst und Winter vor genau derselben Diskussion stehen wie aktuell. Bis wann müsste die derzeitige Spielzeit spätestens abgeschlossen sein, um eine neue Saison zu starten? Soll es dann dazwischen eine Pause geben oder einen direkten Übergang in die nächste Saison? Gibt es zwischendurch auch noch Relegationsspiele? Wie verhält es sich mit Wechselfristen? Was passiert, wenn wir tatsächlich einen Ausfall der kommenden Saison und damit ein fast spielfreies Frühjahr haben? Wie ist die Regelung mit möglichen anderen Vorgehensweisen anderer Landesverbände in Einklang zu bringen? Wie sieht es mit U19-Spielern aus, die ab Sommer in den Herrenbereich wechseln (würden)? Alles Fragen, die derzeit noch ungeklärt sind. Und all diese Fragen hätten sich bei einem Abbruch der Saison nicht gestellt. Man kann also nicht einfach verleugnen, dass die Annullierung auch Vorteile gehabt hätte.

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Malte Jaskosch (Trainer des SV Komet Pennigbüttel): Die Situation ist einfach sehr schwierig. Auf der einen Seite ist das spätere Fortsetzen der aktuellen Saison sicherlich sportlich am gerechtesten. Auf der anderen Seite wirft es viele Fragen auf. Was ist mit den Spielern, die zum Herbst woanders zum Studieren hingehen? Was ist mit Jugendspielern, die dann ab Herbst plötzlich einsetzbar wären. Die Kader werden zum Teil sehr verändert aussehen. Am Ende ist klar, dass man nicht allen gerecht werden kann. Ich persönlich fände es am besten, die Saison zu annullieren und neu zu starten. Aber das trifft einige Teams richtig hart. Der SV Löhnhorst spielt beispielsweise in der Kreisliga eine überragende Saison, das wäre dann alles umsonst. Und am Ende wissen wir ja nicht mal, ob es am 1. September wirklich weitergehen kann. Wir als Verein werden deshalb jegliche Entscheidung akzeptieren und bestmöglich damit umgehen. Denn machen wir uns nichts vor: Wir sind Fußball-Amateure aus der Bezirksliga. Wir müssen und werden es so nehmen, wie es kommt.

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Carsten Werde (Trainer des FC Hagen/Uthlede): Wir haben uns mit dem Vereinsvorstand zusammengesetzt und sind einstimmig zu der Meinung gekommen, den Vorschlag vom NFV zu unterstützen. Wir sind ganz klar für eine Fortsetzung der aktuellen Spielzeit und auch der Pokalrunde zu einem späteren Zeitpunkt. Das entscheidende Argument dabei ist, dass wir unbedingt einen sportlichen Entscheid haben wollen, und keinen, der am Grünen Tisch gefällt wird. Zudem ist es unserer Ansicht nach ein sehr ziehendes Argument, dass wir ja noch gar nicht wissen, ob wir denn wirklich am 1. September wieder spielen können. Und eine solche Entscheidung macht für die Verbände sicher auch vor dem Hintergrund Sinn, dass viele Vereine bereits Klagen angedroht haben, falls eine Entscheidung zu ihren Ungunsten gefällt wird – was vor allem ja bei Saisonabbrüchen passieren würde.

Wir können deshalb den Vorschlag des Verbandes komplett nachvollziehen und würde diesen Weg voll mitgehen. Allerdings ist der Föderalismus in diesem Zusammenhang schon etwas ärgerlich. Man fragt sich schon, warum es da nicht eine einheitliche Vorgabe von oben nach unten gibt. Es erschließt sich mir in keinster Weise, wieso in Niedersachsen eine andere Vorgehensweise gewählt werden könnte als in Nordrhein-Westfalen. Da müsste man unbedingt eine einheitliche Lösung anstreben.

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Nils Gresens (Spielertrainer beim Landesligisten SV Blau-Weiß Bornreihe im Gespann mit Frank Meyer): Ich wäre für einen klaren Cut. Ich habe mit Frank gesprochen. Wir beide sehen den Ansatz des NFV kritisch, die Saison zu unterbrechen und im September fortzusetzen. Das größte Problem sind die Wechselfristen für Spieler. Wegen unserer Nähe zu Bremen müssen beide Bundesländer nach dem gleichen Modell arbeiten. Aber so? Wie will man da neue Spieler holen oder welche abgeben? Auch an den beruflichen Fragen der Spieler muss man eine Lösung festmachen. Und in Bornreihe haben wir ja auch einige Studenten, für die beginnt im September das Wintersemester. Sind die dann alle noch da, wenn wieder gespielt wird? Ich befürchte, dass uns da der komplette Kader auseinanderbrechen würde. Ich wäre dafür, die Saison lieber jetzt zu beenden und neu zu starten, wenn es wieder möglich ist. Ich würde auch lieber mit Bornreihe die Saison fair zu Ende spielen. Nicht, dass es hinterher heißt: Corona hat uns vor dem Abstieg gerettet! Nein, wir brauchen eine ganzheitliche Lösung. Ohne Absteiger. Und der oder die Aufsteiger könnten per Quotient ermittelt werden, auch wenn die Ligen dann größer würden. Oder man plant gleich eine neue Liga ein. Dafür wäre doch genug Zeit. Nein, das NFV-Modell wirft viel zu viele Fragen auf.

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Eric Schürhaus (Trainer des FC Hambergen): Grundsätzlich wäre ich ja für eine faire Entscheidung, indem der Spielbetrieb zu Ende gebracht wird. Die Lage ist super schwierig. Eine faire Lösung für alle wird es nicht geben können. Wenn sie sich beim NFV endgültig entscheiden, muss ihnen auch klar sein, dass es Folgeprozesse geben kann. Außerdem müsste alles auf einem außerordentlichen Verbandstag beschlossen werden. Ich finde, dass das nur unnötig Zeit kostet. Über die ganzen Details möchte ich mir nicht den Kopf zerbrechen. Ich könnte mir eine Lösung mit verkürzter Spielzeit vorstellen. Das ginge auch für uns in Hambergen, wo noch zwölf Spiele ausstehen. Wenn man Englische Wochen annimmt und dann auf zweimal 30 oder 35 Minuten verkürzt, wären die Mannschaften auch nicht überspielt und könnten unter der Woche auch rechtzeitig wieder nach Hause fahren. Die Frage ist natürlich, wie wir das mit den Schiri-Ansetzungen hinkriegen. Zur Not gibt es dann mal keine Gespanne. Aber die Ausschreibung müsste natürlich geändert werden.

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Bastian Haskamp (Trainer der TuSG Ritterhude): Wenn wir ab spätestens September die Saison zu Ende spielen können, wäre das die fairste Lösung. Mir tut es nur leid für die, die den Verein wechseln wollten. Ich glaube nicht, dass das klappen kann. Wechselfrist ist bis Ende Juni. Für welchen Verein spielen sie dann, wenn es im September mit der Saison weitergeht? Aber den Vorschlag des NFV halte ich grundsätzlich für die fairste Lösung. Und wenn die Saison tatsächlich abgebrochen werden sollte, sollte sie mit einem Quotienten gewertet werden – mit Auf- und Absteigern. Die Spiele bislang können ja nicht ignoriert werden.

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