Vor zwei Jahren flog die Entsorgungsfirma Organo Fluid in die Luft Staatsanwalt ermittelt noch immer

Landkreis Osterholz. Die Explosion war kilometerweit zu hören. Ein Mann kam ums Leben, rund 40 Wohnhäuser wurden zum Teil schwer beschädigt.
08.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Grunewald

Landkreis Osterholz. Die Explosion war kilometerweit zu hören. Ein Mann kam ums Leben, rund 40 Wohnhäuser wurden zum Teil schwer beschädigt. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren flog die Entsorgungsfirma für Chemieabfälle, Organo Fluid, in Ritterhude in die Luft. Jetzt besuchte Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) das ehemalige Firmengelände an der Kiepelbergstraße.

Die folgenschwere Explosion muss nach den Worten von Kottwitz Warnung und Mahnung vor den Risiken industrieller Großanlagen sein und zu mehr Sicherheit und Schutz für Mensch und Umwelt führen. Eine Koordinierungsgruppe der niedersächsischen Landesregierung aus Vertretern der Ministerien für Inneres, Soziales und Umwelt habe im vergangenen Jahr die Akten und Berichte der Behörden intensiv ausgewertet und wichtige Informationen an die Staatsanwaltschaft weiter geleitet. Mittlerweile, so Kottwitz, liege ein Zwischenbericht über Maßnahmen vor, die eine strengere Überwachung potenziell gefahrenträchtiger Industrieanlagen ermöglichen. Zugleich sollen die Hürden für eine Genehmigung erhöht werden. Zur besseren Gefahrenabwehr will die Landesregierung in Hannover nach den Worten von Kottwitz ein 13-Punkte-Programm realisieren und unter anderem die Überwachung der Industrie-Emissions-Richtlinie intensivieren.

Anlässlich des zweiten Jahrestages des Explosionsunglücks reiste die Staatssekretärin nach Ritterhude, um mit Bürgermeisterin Susanne Geils, Landrat Bernd Lütjen und betroffenen Anwohnern den aktuellen Sachstand der Ermittlungen und Sanierungsarbeiten zu erörtern. Das inzwischen vollständig von Gebäuden und Rohrleitungen befreite und mit einem hohen Zaun gesicherte Gelände möchte die Gemeinde Ritterhude zur Wohnbebauung nutzen. Allerdings nur, so Almut Kottwitz während ihrer Stippvisite, wenn der Industrielackhersteller Bergolin seine Niederlassung an der Kiepelbergstraße vollständig aufgegeben hat. Das Hauptwerk befindet sich seit einigen Jahren im Industriegebiet Heilshorn.

Die Nachbarn, mit denen Almut Kottwitz sprach, hatten Ritterhudes Politiker wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, die von der Fabrik ausging. Zu Recht, wie sich am Abend des 9. September 2014 herausstellte. Vor der Explosion hatte es aus Sicht der obersten Genehmigungsbehörde keine Hinweise auf Verstöße gegen die Auflagen bei der Entsorgung der hoch entzündlichen Stoffe gegeben. Gleichwohl durchsuchte die Oldenburger Kriminalpolizei Räume und Wohnungen sowie Büros des Gewerbeaufsichtsamtes Cuxhaven. Dabei wurden Unterlagen, Fotos und elektronische Daten sichergestellt. Seitdem stehen die Geschäftsleitung von Organo Fluid sowie ein Mitarbeiter des Gewerbeamtes in Cuxhaven im Verdacht der Bestechung und Bestechlichkeit. Die Staatsanwaltschaft Verden erweiterte deshalb ihre Ermittlungen, der Ermittlungsrichter erließ Durchsuchungsbeschlüsse für Objekte in Cuxhaven, Neuenkirchen, Ritterhude und Osterholz-Scharmbeck. Dennoch ist offen, ob und wann die Staatsanwaltschaft Klage erhebt. Noch immer sei unklar, welche konkreten Fehler und Versäumnisse die Behörden auf Landes- und kommunaler Ebene zu verantworten hätten, heißt es in einer Pressemitteilung des umweltpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer. „Dass die Staatsanwaltschaft auch wegen unerlaubten Betreibens einer Anlage ermittelt, deutet darauf hin, dass noch manch böse Überraschung zu erwarten ist“, unterstreicht Bäumer.

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