Einzelhandelskonzept Drogeriemarkt als Neuzugang willkommen

Die DM-Fachmarktkette kann weiter planen. Die Neufassung des Einzelhandelskonzepts stieß im Planungsausschuss aber nicht nur auf Zustimmung
01.12.2022, 05:00
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Von Michael Schön

Osterholz-Scharmbeck. Der Ansiedlung des DM-Drogeriemarktes im Einkaufszentrum Buschhausen steht jetzt nicht mehr viel im Wege. Der städtische Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung votierte am Dienstag nach 90-minütiger Aussprache mit einer Mehrheit von 7:4 Stimmen für ein Einzelhandelskonzept, dessen nun modifizierte Fassung es dem Karlsruher Konzern grundsätzlich erlauben würde, in direkter Nachbarschaft des Möbelhauses Meyerhoff eine weitere Filiale zu eröffnen.

650 Quadratmeter Verkaufsfläche

Wie berichtet, gibt es Pläne der deutschlandweit größten Drogeriefachmarktkette, die 650 Quadratmeter Verkaufsfläche zu übernehmen, die nach dem Auszug des Medimax-Elektrofachhandels zwischenzeitlich leer stand, um dann als Corona-Impfstation zu dienen. An diesem Mittwoch wurden die letzten Spritzen verabreicht. Besonders die Grünen haben weiterhin Probleme damit, dass an der in Rede stehenden Stelle Buschhausens Badesalz, Backwaren und Bartpflegemittel veräußert werden.  Ute Gartmann regt es auf, dass „über alle Bedenken hinweg“, die im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung vorgetragen wurden, den „Gewinnern der Pandemie“ Türen und Tore geöffnet würden. Die Mitinhaberin der Buchhandlung Schatulle in der Scharmbecker Bahnhofstraße sieht wie ihre Fraktionskollegin Anja Heuser Gefahren für Handel und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt heraufziehen, wenn der Neuzugang in Buschhausen freie Bahn erhält.  Während die Mitglieder der Mehrheitsfraktion SPD und die Christdemokraten die Änderungen begrüßten, warteten auch Wilfried Pallasch (Bürgerfraktion) und Herbert Behrens (Die Linke)  mit Kritik am neu gefassten Einzelhandelskonzept auf oder hatten zumindest Fragen und Anregungen. Behrens fand, dass der von der Verwaltung präsentierte Entwurf sich eigentlich auf ein „Gefälligkeitsgutachten“ stütze, mit dem offenbar das Ziel verfolgt worden sei, dem Buschhausener Einkaufspark solvente Mieter zuzuführen.

Das mit der Verträglichkeitsprüfung beauftragte Beraterbüro „Stadt und Handel“ kommt zu dem Schluss, dass auch „unter Berücksichtigung der am Standort Meyerhoff bestehenden Einzelhandelsagglomeration“ keine „gravierenden, negativen städtebaulichen Auswirkungen auf den zentralen Versorgungsbereich Innenstadt zu erwarten sind“, wenn sich in Buschhausen ein „nicht großflächiger“ Drogeriefachmarkt etabliert. Begründet wird das auch mit der nicht geringen Entfernung zur Stadtmitte. Dort gibt es mit Rossmann bereits einen Drogeriefachmarkt.  Die Konstellation mit einem zweiten in Osterholz-Scharmbeck, so die Gutachter, sei aber „tragfähig“.

Stadtplaner Stefan Kamischow hatte eingangs noch einmal die „Leitplanken“  des „Masterplans“ aus dem Jahre 2010 in Erinnerung gerufen. Der damals festgeschriebene Ansatz – Aufgabenteilung zwischen Innenstadt, Pumpelberg und Meyerhoff – habe sich bewährt. Dem „zentralen Versorgungsbereich Innenstadt “  seien Spielräume geblieben, um seinen Einzelhandel weiterzuentwickeln. Und gleichzeitig hätte auf den anderen Einzelhandelsschwerpunkten, den "Sonderstandorten" Pumpelberg und Meyerhoff, das innerstädtische Angebot auf „großflächigen Angebotsformen“ ergänzt werden können. Fazit: „Zusammen machen die drei Einzelhandelsschwerpunkte die gesamtörtliche und regionale Versorgungsfunktion des Mittelzentrums Osterholz-Scharmbeck aus.“

Regelmäßige Prüfung gefordert

Brunhilde Rühl (CDU) stimmte der Empfehlung ebenfalls zu, forderte aber für die Zukunft eine engmaschigere Überprüfung. Die Konzepte wirkten wie ein „Korsett, das auch uns einengt“.  Manche Regulierungen  („Was hier verkauft wird, darf andernorts nicht angeboten werden“) seien  nach zwölf Jahren „aus der Zeit gefallen“.

Die SPD-Fraktion befürwortete den Entwurf aus dem Rathaus auch mit dem Hinweis auf einen möglichen Domino-Effekt für den Fall eines längeren Leerstands im Buschhausener Einkaufszentrum. „Meyerhoff zieht Möbelkäufer aus ganz Nordwestdeutschland an und ist damit eine attraktive Visitenkarte für unsere Stadt. Da liegt es in unserer Verantwortung, etwas zu tun“, argumentierte Werner Schauer.

Anja Heuser gab ihm in diesem Punkt recht, wandte aber ein, dass sich mit dem in Rede stehenden Marktsegment auch Meyerhoff keinen Gefallen tun würde. Gartenmöbel würden besser passen.

Bangen um Frequenzbringer

Mehrfach wurde in der Sitzung des Fachausschusses auch Bezug auf Hinweise genommen, dass der Baumarkt-Riese Toom den Mietvertrag für seine Filiale auf dem Pumpelberg nicht verlängern möchte. Das schürt wiederum Befürchtungen, nach denen Rossmann seinen Standort im Haus am Markt verlassen könnte, um sich in einer neuen Mitte – Meyerhoff im Westen, Innenstadt im Osten – zu positionieren. "Dann wäre er in der Innenstadt als Frequenzbringer raus", fürchtet Schauer.

Wilfried Pallasch fand, dass die Diskussion um den Drogeriemarkt in Buschhausen eigentlich müßig sei. "Die Kunden in der Stadt haben doch schon längst entschieden, wo sie einkaufen." Und  im dortigen Einkaufspark, nämlich bei Famila, gäbe es doch schon alles, was an Drogerieartikeln gewünscht werde. 

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