Henry Brünjes geehrt Ein Leben für die Sicherheit

In den ersten Nachkriegsjahrzehnten waren die Freiwilligen Feuerwehren nicht sehr gut ausgerüstet. Henry Brünjes hielt das nicht davon ab, sich in Freißenbüttel enorm zu engagieren. Dafür wurde er geehrt.
27.09.2022, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christa Neckermann

Freißenbüttel. Als Henry Brünjes 1964 als 16-Jähriger in die Freiwillige Feuerwehr Freißenbüttel eintrat, bestand die Einsatzkleidung noch aus einem Kittel, einem schwarzen Stahlhelm, oft aus alten Militär-Beständen, einem Lederkoppel und – Gummistiefeln aus privatem Bestand. „Wir hatten überhaupt nur acht Helme, aber wir waren ja damals auch nur acht Mann in der Feuerwehr“, erinnert sich Brünjes. Der Freißenbütteler hat sein Leben der Sicherheit gewidmet. Anlässlich der Jahreshauptversammlung am 9. September war es Freißenbüttels Ortsbrandmeister Friedhelm Hamann daher eine ganz besondere Freude, Henry Brünjes mit der Ernennung zum Ehren-Ortsbrandmeister der Stadt Osterholz-Scharmbeck überraschen zu können.

Die schwierigen Bedingungen der Nachkriegsära bremsten den Eifer der freiwilligen Brandbekämpfer nicht. Auch nicht die Tragkraftspritze mit Volkswagen-Motor, mit der damals die Brandorte angefahren wurden, oder die noch ziemlich behelfsmäßigen Feldwege im ruhigen Örtchen Freißenbüttel. „Manche Straßen waren nur im Sommer gut zu befahren, wenn es trocken war. Im Winter oder nach schweren Regenfällen verwandelten sich diese Feldwege oft in regelrechte Schlammpfade“, erzählt Brünjes. Die Mittel für die Feuerwehr brachte die Ortschaft damals selbst auf. Der Ortsbürgermeister hatte einen Kassenwart, der das Steueraufkommen, das die Ortschaft durch die Ziegelei, den Bahnhof, die Gaststätte Meier und den landwirtschaftlichen Betrieben erwirtschaftete, eigenständig verteilte, darunter auch für die nötigen Ausgaben bei der Feuerwehr. Die Tragkraftspritze war eine Spende Theodor Jorbergs, eines Repräsentanten der Firma 4711 aus Köln, der in der Gegend um Freißenbüttel eine Jagdhütte besaß, deren Zerstörung die Freißenbütteler Brandschützer einst bei einem Waldbrand verhindert  hatten.

Gerätehaus "angepasst"

  Anfang der 70-er Jahre erhielt die Gemeinde Freißenbüttel Gelder aus der Gebietsreform. „Davon wurde dann ein neues Fahrzeug angeschafft – ein Opel „Blitz“, bei dem wir dann feststellten, dass das Fahrzeug mit seinem Aufbau nicht in unser Gerätehaus passte. Also haben wir in einer nächtlichen Aktion den Boden des Gerätehauses so weit abgesenkt, dass das Fahrzeug durch die Tür passte“, verrät Brünjes mit einem Lachen.

Allzu viele Brandeinsätze gab es in den ersten Jahren seiner Dienstzeit nicht, erinnert sich Brünjes. „Die Leute wussten noch, wie man Feuer macht – und wieder löscht“, sagt er schmunzelnd. Allerdings erlebte Henry Brünjes in seiner langen Dienstzeit auch, wie 1974 ein großer Hof niederbrannte. Besonders tragisch war es, dass auch Tiere dem Großbrand zum Opfer fielen, denn damals wurden die Rinder noch im Stall angekettet. "Für diese Einsätze hatten wir noch keine Atemschutzgeräte, wir konnten uns also nicht zu den Tieren vorarbeiten und sie retten."

Ställe in Flammen

Gleich zweimal, 1979 und 2002, wurde auf einem anderen Hof ein großer Stall Opfer der Flammen. Dort konnten wenigstens die Tiere lebend geborgen werden.

1976 wurde Henry Brünjes zum stellvertretenden Ortsbrandmeister in Freißenbüttel gewählt- Er bekleidete diesen Posten bis ins Jahr 2000. In dieser Zeit war er maßgeblich an der Planung und dem Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses beteiligt. Bereits seit 1974 hatte Brünjes gleichzeitig auch die Position des Schriftführers inne und war als Gruppenführer Mitglied der Wettkampfgruppe.

Im Jahr 2000 wurde Henry Brünjes zum Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Freißenbüttel gewählt und behielt diese Position, bis er im Jahr 2010, als er die Altersgrenze erreichte, aus dem Einsatzdienst ausscheiden musste. In seine Dienstzeit fiel die Anschaffung des neuen Tragkraftspritzenfahrzeugs mit Wassertank (TSF-W).

Seinen ersten Feuerwehr-Grundlehrgang absolvierte Henry Brünjes zuerst noch bei Trina Heilshorn, dem späteren „Lindenhof“ in Pennigbüttel, denn die Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) gab es erst ab 1978. 1982 folgte der Sprechfunk-Lehrgang, 1983 schloss sich der Lehrgang für Atemschutzgeräteträger an, 1989 folgte der Maschinisten-Lehrgang. Nach seiner Wahl zum stellvertretenden Ortsbrandmeister absolvierte Brünjes in der Landesfeuerwehrschule Loy die Lehrgänge zum Truppführer, Gruppenführer und Zugführer. 1994 folgte der Lehrgang „Leiter einer Feuerwehr“.

1977 wurde Henry Brünjes zum Löschmeister, 1978 zum Oberlöschmeister, 1980 zum Hauptlöschmeister und 2000 zum Brandmeister befördert. Für seine Verdienste um das Feuerwehrwesen wurde Brünjes zudem mit dem Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbandes in Silber und dem Ehrenzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes ausgezeichnet.

Wettbewerbe auf dem eigenen Hof

„Henry Brünjes hat sich Zeit seines Lebens für die Belange der Feuerwehr Freißenbüttel eingesetzt, oft hat er auch für die Stadtpokal-Wettbewerbe seinen eigenen Hof zur Verfügung gestellt, zudem führt er seit 2017 die Altersabteilung unserer Wehr und sorgt mit gemeinsamen Treffen, etwa anlässlich von Geburtstagen oder auch bei Ausflügen, dafür, dass die gute Kameradschaft unter den Feuerwehrkameraden bestehen bleibt“, lobte Hamann. Die Ernennung zum Ehren-Ortsbrandmeister sei erst jetzt durch eine Änderung der Richtlinien über Ehrungen möglich gewesen, so Hamann weiter.

Darüber hinaus konnte Ortsbrandmeister Hamann Frank Roskosch für zehnjährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr ehren, den Ersten Hauptfeuerwehrmann Ralf Behrens und den Hauptfeuerwehrmann Sven Seedorf für 25-jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr Freißenbüttel.

In der Altersabteilung wurden Alfred Seedorf für 60-jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr ausgezeichnet, ebenso wie Günter Seedorf, der ebenfalls seit 60 Jahren der Feuerwehr Freißenbüttel angehört.

Weiterhin konnte Friedhelm Hamann den Feuerwehrmann-Anwärter Andreas Busch zum Feuerwehrmann befördern, den Oberfeuerwehrmann Frank Roskosch zum Hauptfeuerwehrmann und den Hauptfeuerwehrmann Sven Seedorf zum Ersten Hauptfeuerwehrmann.

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