Jugendhilfewerkstatt Keine neue Bleibe am Binnenfeld

Der Landkreis Osterholz sucht weiterhin eine Bleibe für die Jugendhilfewerkstatt. Aber auch das Angebot von Unternehmer Frank Grotheer trifft bei der Kreisverwaltung Osterholz auf wenig Gegenliebe.
23.09.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Keine neue Bleibe am Binnenfeld
Von Christian Valek

Osterholz-Scharmbeck. Die Osterholzer Kreisverwaltung sucht weiterhin nach einer Bleibe für die Jugendhilfewerkstatt. Nachdem Pläne geplatzt sind, die Einrichtung im ehemaligen ATU-Gebäude unterzubringen, ruhte die Suche scheinbar. Hinter den Kulissen aber geht sie „intensiv“ weiter, wie Landkreis-Sprecher Sven Sonström betont. Es finden Besichtigungen statt.

FCO-Umzug geplatzt

Im Juli platzten die Träume der Fußballer vom 1. FC Osterholz-Scharmbeck (FCO): Viele an der Sandbeckstraße hatten sich schon darauf gefreut, in Kürze auch das obere Stockwerk des Vereinsdomizils, in dem zurzeit die Jugendhilfewerkstatt des Landkreises untergebracht ist, nutzen zu können. Bei der 60-Jahr-Feier des FCO im Juli sollte das Ereignis groß gefeiert werden (wir berichteten). Daraus wurde nichts. Der Umzug der Jugendhilfe-Einrichtung scheiterte an den hohen Umbaukosten, wie der Landkreis mitteilen ließ. Der FCO bleibt weiter im Keller.

Nun regt sich etwas in der Sache. „Das Jugendamt hat bereits mehrere Immobilien besichtigt und beobachtet weiterhin aktiv und sehr intensiv den Immobilienmarkt“, teilt der Sprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage der Redaktion mit. „Bisher war allerdings keine geeignete, gut erreichbare Immobilie dabei“, erläutert Sven Sonström. Immerhin sei zu berücksichtigen, dass entsprechende Räume für verschiedene Handwerksbereiche, also Gewerke wie beispielsweise Hauswirtschaft und Holzbearbeitung, sowie Unterrichtsräume, Sanitäranlagen und Büroräume vorhanden sein müssten. Wahlweise könnte dieser Platz auch durch entsprechende Umbauten geschaffen werden.

"Ortsübliche Miete"

„Nur so können die jungen Menschen dort unter anderem die Möglichkeit der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss mit vielen praktischen Anteilen erhalten.“ Der Landkreis stehe für dieses „wichtige Projekt natürlich bereit“, einen ortsüblichen Mietpreis für eine entsprechende Gewerbeimmobilie zu entrichten, so der Behördensprecher weiter.

Jetzt bringt sich der Unternehmer Frank Grotheer ins Gespräch. Er bietet seine leer stehende Immobilie an der Pennigbütteler Straße an. Das ehemalige Firmenverwaltungsgebäude habe eine Fläche von gut 350 Quadratmeter. Dort gebe es ausreichend Platz für Büros, Schulungsräume und Sanitäranlagen. „Nach der Sanierung, beziehungsweise dem Umbau des Gebäudes, wird ein Neubau-Zustand erreicht.“ 

Um eine Werkstatt unterzubringen, würde er eine 150 bis 200 Quadratmeter große Hallenkonstruktion errichten lassen. Sogar eine Bushaltestelle befinde sich vor der Haustür, hebt Grotheer im Gespräch mit der Redaktion hervor. Er würde der Investor sein, der Landkreis könne die Immobilie anmieten, schlägt der Unternehmer vor. Auch ein Verkauf sei seinerseits denkbar. „Ich glaube, das wäre ein prima Standort für die Jugendhilfewerkstatt.“

Umgestaltung abgeschlossen

Die Jugendhilfewerkstatt wäre der letzte Baustein, der die Umgestaltung des ehemaligen Firmengeländes komplett machen würde. Zurzeit befinden sich auf dem 3770 Quadratmeter großen Grundstück unter anderem das sogenannte Postenportal (wir berichteten) und eine Treppenbaufirma. Ein Teil des Geländes wird von Weser-Ems-Bus genutzt. Um den ehemaligen Parkplatz bebauen zu können, wurde ein neues Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht, das eine neue Gewerbeansiedlung möglich machen soll (wir berichteten). 

Immobilie bekannt

Der Osterholzer Kreisverwaltung sind Grotheers Verwaltungsgebäude und zugehöriges Nutzungsangebot bekannt, wie Landkreis-Sprecher Sven Sonström auf Anfrage mitteilt. „Die Angebote für bisherige Immobilien – unter anderem auch das ATU-Gebäude – haben gezeigt, dass bei erforderlichen hohen Planungs- und Investitionskosten für Umbauten eine deutlich erhöhte Miete gezahlt werden muss.“ So gesehen, sei der Landkreis zunächst "auf der Suche nach geeigneteren, möglichst zeitnah zur Verfügung stehenden Immobilien".

Wer Hinweise oder ein konkretes Angebot für entsprechende Räume hat, könne sich gerne per E-Mail an jugendamt@landkreis-osterholz.de wenden, um sein Angebot zu melden, so Sonström.

Zur Sache

Geländeentwicklung vor dem Abschluss

Nachdem über die vergangenen zehn Jahre hinweg die Pläne gescheitert waren, das Gelände an der Pennigbütteler Straße für den Einzelhandel zu entwickeln (wir berichteten), stellte Immobilien- und Grundstücksbesitzer Frank Grotheer im Mai 2020 den Antrag, das Areal in ein gewerblich zu nutzendes Baugebiet umzuwandeln. Nach Beratungen im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung sowie im Verwaltungsausschuss wurde dem Vorhaben im Juli 2020 grünes Licht gegeben. Der zugehörige Bebauungsplan sollte geändert werden. Die Mitglieder des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung haben sich in der Sitzung am 6. September 2022 einstimmig für den Entwurf des Bebauungsplans "Am Binnenfeld" ausgesprochen. Auch der nicht-öffentliche Verwaltungsausschuss der Stadt hat den B-Plan in seiner Sitzung am 8. September 2022 durchgewunken. Nun sollte der Stadtrat am gestrigen Donnerstag dem Vorhaben zustimmen. Gegen den Beschluss der Satzung waren keine Einwände zu erwarten.

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