Urteil am Amtsgericht Buße und Reue nach Trunkenheitsfahrt

Nach einem Verkehrsunfall mit zwei Verletzten hat das Amtsgericht Osterholz-Scharmbeck jetzt über den Verursacher zu urteilen gehabt. Der Autofahrer hatte zum Unfallzeitpunkt 2,1 Promille im Blut.
19.05.2022, 18:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust

Osterholz-Scharmbeck. Am ersten Wochenende im September 2021 machte sich ein heute 48-Jähriger Basdahler Familienvater auf nach Osterholz-Scharmbeck. Nach eigenen Angaben feierte er dort mit Freunden. Er habe wegen seiner schwer erkrankten Frau und wegen Corona Abstand gewinnen wollen, sagte er im Prozess, der jetzt gegen ihn vor dem Amtsgericht geführt wurde. Denn auf der Rückfahrt nach Basdahl hatte der Mann reichlich Alkohol im Blut, sodass er in Pennigbüttel Unter den Linden die Kontrolle über sein Auto verlor. Er rauschte in den Gegenverkehr und stieß mit einem Auto zusammen, in dem zwei junge Frauen saßen. Deshalb hatte er sich jetzt wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten.

„Der Tatvorwurf wird eingeräumt. Der Alkoholkonsum wird nicht in Abrede gestellt“, sagte der Verteidiger des Angeklagten, Guido Wurtz. Immerhin betrug der in den Morgenstunden gemessene Blutalkoholgehalt gut 2,1 Promille. Allerdings gab der Anwalt zu bedenken, dass seinem Mandanten gerade „eine schlechte Diagnose“ zur Erkrankung seiner Frau mitgeteilt worden sei. Dass der Unfall passiert sei, „das geht natürlich gar nicht“. Dass die beiden jungen Frauen verletzt worden seien, sei schlimm. „Wie er auf deren Fahrbahn gekommen ist, das weiß er nur schemenhaft“, so der Rechtsanwalt.

Um Entschuldigung gebeten

Der Basdahler selbst zeigte sich zerknirscht. Die Erkrankung seiner Frau sei zu viel für ihn gewesen. „Darum war ich zu der Feier hin. Das war eine egoistische Dummheit. Ich wollte niemand verletzen.“ Die beiden Frauen waren als Zeuginnen geladen. Aber weil der Angeklagte geständig war, brauchten sie nicht gehört zu werden. Darum betraten sie nur kurz den Saal 5. Dabei entschuldigte sich der 48-Jährige für die zugefügten Schmerzen. „Das war ein egoistisches Verhalten. Das war dumm. Es tut mir wirklich leid.“ Die eine Frau hatte seinerzeit unter anderem eine Schulterprellung und Hautabschürfungen davongetragen, die zweite unter anderem eine Gehirnerschütterung, eine Schulterprellung und Frakturen.

Laut dem Unfallfahrer ist der materielle Schaden inzwischen von seiner Versicherung beglichen worden. Diese habe ihn aber umgekehrt in Regress genommen und 5000 Euro verlangt. Vor der Festsetzung der Strafe widmete sich das Gericht jetzt ausführlich der persönlichen Lebenssituation des Basdahlers. Demnach ist er vierfacher Familienvater und kümmert sich um Ehefrau und Kinder. Angst habe er, dass ihm von seinem Arbeitgeber eine Kündigung drohe. Aus beruflichen Gründen sei er auf den Führerschein angewiesen.

Führerschein eingezogen

Auch derzeit nicht Auto fahren zu können, erschwere die Lebenssituation, sagte er. „Das ist schon eine Herausforderung.“ Aber bis jetzt bekomme er das Ganze wegen der Unterstützung durch Eltern und Schwiegereltern „ganz gut gedeichselt“. Sein Führerschein als Dokumentation der Fahrerlaubnis war im September 2021 sofort eingezogen worden.

Ihm sei bewusst gewesen, dass er im alkoholisierten Zustand nicht ins Auto hätte steigen dürfen, hielt die  Staatsanwältin dem Angeklagten vor. Auch seien die Verletzungen keine Kleinigkeiten. Zugute hielt sie ihm, dass er sich bei den beiden Frauen entschuldigt habe. Die Staatsanwältin beantragte eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 15 Euro, 600 Euro, und eine Sperre für den Führerschein von drei Monaten.

Für Milde plädiert

Verteidiger Wurtz verwies darauf, dass sein Mandant „um eine MPU mit dem ganzen Programm nicht herumkommt“. Er plädierte für eine Mindeststrafe. Dabei brachte der Rechtsanwalt noch einmal die besonderen Lebensumstände des 48-Jährigen ins Spiel. Bei den Tagessätzen sei „Augenmaß“ zu bewahren. Nicht mehr als 40 Tagessätze zu zehn Euro, 400 Euro, hielt Wurtz für ausreichend. „Seine Geldknappheit hat ihn schon massiv getroffen“, betonte er.

Strafrichterin Johanna Kopischke folgte indes der Staatsanwältin: Sie verurteilte den Basdahler wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe zu 40 Tagessätzen zu 15 Euro. Dazu kommt eine Sperre für den Führerschein von drei Monaten. Die Frist wird zwar angerechnet, aber der Führerschein kann erst dann wieder ausgestellt werden, wenn er neu beantragt wird. Dazu muss zunächst eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) erfolgreich absolviert werden.

„Ihr Geständnis spricht für Sie. Auch gibt es im Bundeszentralregister keine Voreintragungen“, sagte die Richterin. Die Verletzungen seien nicht unerheblich gewesen. Andererseits seien die beiden Frauen dann doch noch „glücklich davon gekommen“. Anwalt Wurtz und sein Mandant nahmen das Urteil an.

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