Osterholzer Vogelmuseum Künstlerin wird eins mit ihren Objekten

Als ein Tribut an die wahren Weltenbummler versteht die Künstlerin Sultan Adler ihre Werke über den König der Lüfte. Ihre Leidenschaft für die Greifvögel geht so weit, dass sie dafür ihren Namen änderte.
11.07.2022, 17:10
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Christa Neckermann

Osterholz-Scharmbeck. „Adler haben mich immer schon fasziniert“, bekennt Sultan Adler, die eigentlich als Sultan Acer in Bremen geboren wurde. Ihre Liebe zu den Königen der Lüfte könnte auch damit zu tun gehabt haben, dass sie als Kind von ihrem Vater immer ein schimmerndes Eine-Mark-Stück mit dem Bundesadler auf der Rückseite als Taschengeld bekam, von dem sie sich dann leckere Süßigkeiten kaufen konnte.

„Mein Vater war mein erster Förderer“, erzählt die Künstlerin. Gezeichnet habe sie schon als Kind gerne, und das auch recht gut. „Also hat mein Vater immer dafür gesorgt, dass ich gutes Zeichenmaterial bekam und Zeichenunterricht nehmen konnte“. Später setzte Acar ihre Studien an der Hochschule für Künste in Ottersberg fort, nahm an einem Austauschprogramm an der Akademie der schönen Künste in Wien teil und legte dann an der Hochschule für Künste in Bremen bei Professor Rolf Thiele ihre Diplomprüfung mit Auszeichnung ab. Ein Jahr lang blieb sie dann noch als Meisterschülerin an der Hochschule für Künste in Bremen, um dann 2013 zum Master-Studium an die Kunsthochschule Weißensee nach Berlin zu wechseln.

Bezug zur türkischen Tradition

„Ich habe dann den Künstlernamen Adler gewählt, denn diese Greife spielen auch in der türkischen Kunst eine wichtige Rolle", berichtet sie. "Als König der Lüfte und Symbol göttlicher Majestät stellt er ein wichtiges Sinnbild in der Darstellung des Kampfes zwischen Gut und Böse dar“.

Lesen Sie auch

Bei ihren Recherchen blieb es nicht aus, dass sich Sultan Adler nicht nur mit der Anatomie der von ihr bewunderten Vögel und deren Flugverhalten auseinandersetzte, sondern ihr auch philosophisch klar wurde, dass Vögel die einzig wahren Weltenbummler seien. Frei von Einschränkungen und Kontrollen ziehen sie über den gesamten Erdball dahin und lassen sich nieder, wo es ihnen angenehm ist. Diese Erkenntnis spiegelt sich im Titel der Ausstellung, die jetzt im Vogelmuseum auf dem Gelände der Museumsanlage eröffnet wurde: „Global Home“ – das weltumfassende Zuhause der Vögel – wider.

In der Ausstellung zeigt Sultan Adler verschiedene Greifvögel wie Falken, Bussarde oder Adler in ganz unterschiedlichen Situationen: Ausladend, den Kopf voran im Sturzflug, mit gestreckten Füßen knapp vor der Beute abbremsend oder ruhig auf der Hand des Falkners. Dabei bannt Sultan Adler den Blick des Betrachters allein auf die Vögel, denn die Hintergründe sind so gehalten, dass sie nicht vom Hauptmotiv, dem Vogel, ablenken.

Falknerei als Volkssport

In seiner Einführung in die Ausstellung erzählte Geschäftsführer Norbert Nowka, selbst seit Jahrzehnten ein engagierter Falkner, anschaulich von den Greifvögeln, die Sultan Adler hier auf die Leinwand gebannt hatte. Auf einem der Bilder ist ein weißer Falke zu sehen, von denen Nowka berichtete, dass besonders das Königshaus von Dubai eine besondere Vorliebe für diese eigentlich im hohen Norden lebenden Tiere habe. In der Hitze der Wüste lebten diese Vögel allerdings nicht allzu lange.

Lesen Sie auch

Die Falknerei dagegen gehöre in den arabischen Ländern zu den Volkssportarten. „Wie hier die Kinder nach der Schule den Fußball rausholen und kicken gehen, nehmen dort die Jugendlichen ihren Vogel und gehen auf die Jagd, oder testen, welcher Vogel am schnellsten fliegt“.

Schon am Morgen hatte auf der Museumsanlage im Rahmen des Internationalen Frauentags eine sehr gut besuchte Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Osterholz-Scharmbeck, Karin Wilke, stattgefunden. Der Veranstaltung mit dem Titel „Mehr Stolz, ihr Frauen“, die eigentlich bereits im März hätte stattfinden sollen, war ein gemeinsames Frühstück vorausgegangen. Dann zog das „Hedwig Dohm Trio mit Historikerin Nikola Müller, Kulturwissenschaftlerin Isabel Rohner und Schauspieler Gerd Buurmann mit einer "Femmage" an Hedwig Dohm, einer der ersten feministischen Theoretikerinnen, das Publikum in seinen Bann. Dohms Markenzeichen waren Witz und Ironie, ihre brillanten Texte sind wie für die Bühne gemacht und sorgten daher für viel Erheiterung.

Info

Die Arbeiten von Sultan Adler sind noch bis Ende Oktober im Vogelmuseum auf der Museumsanlage an der Bördestraße 42 in Osterholz-Scharmbeck jeweils dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 04791/ 131 05 zu sehen. Die jeweils gültigen Corona-Bestimmungen sind zu beachten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+