Besuch in Worpswede zum 60. Geburtstag Stephan Weil würdigt Wert der SOS-Kinderdörfer

Der SOS-Kinderdorf-Verein wird 60. Aus diesem Anlass besuchte Ministerpräsident Weil am Donnerstag das einzige niedersächsische Kinderdorf in Worpswede. Und lobte die dort geleistete Arbeit.
12.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Sabine von der Decken

„Wir sind meilenweit von einer Gesellschaft entfernt, die SOS-Kinderdörfer nicht braucht“, erklärte Ministerpräsident Stephan Weil gestern in Worpswede. Der niedersächsische Ministerpräsident nahm den 60. Geburtstag des von Hermann Gmeiner gegründeten SOS-Kinderdorf-Vereins zum Anlass, um die Einrichtung in Weyerdeelen, einem Ortsteil des Künstlerdorfes, zu besuchen und damit der in den SOS-Kinderdörfern geleisteten Arbeit seine Reverenz zu erweisen. Die Worpsweder Einrichtung ist die einzige in Niedersachsen. Bundesweit gibt es nur 16 SOS-Kinderdörfer.

Stephan Weil eröffnete damit als Schirmherr die Kinderdorfwoche, in der bis Ende Juli an weiteren Orten in Deutschland viele Veranstaltungen und Jubiläumsfeiern auf öffentlichen Plätzen stattfinden werden. Im Worpsweder Kinderdorf gibt es noch einen weiteren Grund zum Feiern. Die Einrichtung wurde vor genau 50 Jahren eingeweiht. Das soll am 11. Juli gefeiert werden – unter anderem mit einem aufwendigen Tanzprojekt.

Während eines Rundgangs informierte sich Weil über das besondere Konzept, das Gmeiners Ideen entsprungen ist und über dessen spezielle Umsetzung im Worpsweder SOS- Kinderdorf. Das Worpsweder Kinderdorf, in dem Kinder zwischen zwei und 18 Jahren leben, zählt zu den Einrichtungen der ersten Stunde. Gmeiners Wunsch, Kindern in Not ein liebevolles Zuhause zu geben, hat an Aktualität nach sechs Jahrzehnten, die seit Gründung der SOS-Kindörfer vergangen sind, nichts verloren.

Das machte auch Stephan Weil während eines Rundgangs deutlich, bei dem er von Einrichtungsleiter Joachim Schuch, Birgit Lambertz, Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, und Nino Bautz, ehemaliger SOS-Kinderdorfbewohner, begleitet wurde. Schuch informierte während des Rundgangs über die Anlage, über die Pläne zu Erweiterungsvorhaben und berichtete über ein neues Konzept, das eine stärkere Einbeziehung der Eltern vorsehe. In einem Gespräch mit Kinderdorfmutter Julia Blotevogel verlieh der Ministerpräsident seiner Wertschätzung für das besondere Engagement der im Kinderdorf arbeitenden Menschen Ausdruck.

Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung der Institution. Eine Antwort auf Veränderungen in der Struktur der Gesellschaft könne nur mit differenzierten Unterstützungsangeboten gegeben werden, für die der Staat allein nicht sorgen könne. Für solche Angebote im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe lieferten SOS-Kinderdörfer und SOS-Kinderdorf-Verein gute Beispiele. Weil betonte, er sei dankbar für eine starke, leistungsfähige Organisation, die ihre Aufgaben mit Hingabe leiste.

Mit „guter Geist“ umschrieb er die im Worpsweder Kinderdorf herrschende Atmosphäre. In dieser Einschätzung bestätigte ihn Nino Bautz, der von 1989 bis 2004 im Kinderdorf Worpswede gelebt hat. Vor allem für den Besuch eines „Ehemaligentreffens“ war Bautz, der mittlerweile in Leipzig lebt, wieder einmal nach Worpswede gekommen.

Mit der Kinderdorfwoche beabsichtige der Verein, langjährigen Spendern und ehrenamtlichen Mitarbeitern einen besonderen Dank auszusprechen, machte Birgit Lambertz deutlich. Die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf unterstrich die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, wies aber zugleich auf die eng gesteckten finanziellen Grenzen der staatlichen Unterstützung hin. „Dank der Spenden“, so Lambertz, „muss man sich nicht aufs Versorgen beschränken.“

Das SOS-Kinderdorf ist auch für viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein Zuhause geworden. Auch an dieser Stelle würden Verpflichtungen erfüllt, die der Staat allein nicht übernehmen könne. „Wir sind da auf Organisationen wie SOS-Kinderdorf angewiesen“, so der Ministerpräsident. Birgit Lambertz bezeichnete diese Aufgabe als eine der besonders wichtigen für die nächsten Jahre. Seit dem vergangenen Jahr schafft der Verein neue Angebote, um für den verstärkten Zuzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge gerüstet zu sein.

Mit einem bunten und vielfältigen Programm feiert das SOS-Kinderdorf Worpswede am Sonnabend, 11. Juli, zum 50. Jubiläum ein großes Kinder- und Familienfest. Im Mittelpunkt steht ein aufwendiges Projekt: In Kooperation mit dem Lernhaus am Campus in Osterholz-Scharmbeck plant das Kinder- und Jugendbüro der Worpsweder Einrichtung eine gemeinschaftliche Tanzaufführung.

"Home Sweet Home"

Dafür proben die Kinder und Jugendlichen mit ihren Betreuern, Dorfmüttern und Dorfvätern aus dem SOS-Kinderdorf einen „Community Dance“. Auch der Worpsweder SOS-Kinderdorf-Leiter Joachim Schuch lässt sich die Probestunden nicht entgehen. Mit Hilfe von zwei professionellen Tänzern proben etwa 80 Kinder und Erwachsene aus dem SOS-Kinderdorf Worpswede sowie einige Schüler des Lernhauses Campus regelmäßig gemeinsam den Tanz, der den Titel „Home Sweet Home“ trägt. Ziel des Tanzprojektes ist nicht nur die Premiere zum Jubiläum vor großem Publikum. Wichtiger noch sei der positive Effekt, der sich aus der Stärkung des Miteinanders zwischen den Kindern und allen Teilnehmern in der Gemeinschaft ergibt.

Lernen und die Bereitschaft zu fördern, die Fähigkeiten jedes Menschen in der Gruppe ernst zu nehmen, sind wichtige Kerngedanken des Projektes. Daher auch der Name „Community Dance“.

Das SOS-Kinderdorf, heißt es in einer Pressemitteilung zum Jubiläum, könne sich stark mit dem Kerngedanken von „Community Dance“ identifizieren, denn aus diesem Gedanken heraus sei das Konzept der Kinderdörfer entstanden. Hermann Gmeiner habe für die damaligen Waisenkinder eine Gemeinschaft schaffen wollen, die dem Leben in der ursprünglichen Familie in nichts nachstünde. Eine liebevolle und stärkende Gemeinschaft und das Familiengefühl stünden immer im Vordergrund.

Auch der Name des Tanzes „Home Sweet Home“ ist kein Zufall: Viele Rhythmen und Tanzschritte basieren auf Bewegungen aus dem Alltag und wurden für den Tanz gemeinsam mit allen Teilnehmern neu interpretiert.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+