Gerichtsstreit endet mit Rehabilitierung und Entschädigung der fristlos entlassenen Geschäftsführerin Stiftung muss für Karen Hammer zahlen

Worpswede. Wer in diesen Tagen die Homepage der Kulturstiftung Landkreis Osterholz aufruft, wird sich nicht wenig wundern, mit welch vergleichsweise charmanten Floskeln der Verein plötzlich die Trennung von seiner langjährigen Geschäftsführerin Karen Hammer zu verbrämen versucht. „Im Einvernehmen“, heißt es nunmehr, habe man sich dazu entschieden, zukünftig getrennte Wege zu gehen.
04.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Michael Schön

Wer in diesen Tagen die Homepage der Kulturstiftung Landkreis Osterholz aufruft, wird sich nicht wenig wundern, mit welch vergleichsweise charmanten Floskeln der Verein plötzlich die Trennung von seiner langjährigen Geschäftsführerin Karen Hammer zu verbrämen versucht. „Im Einvernehmen“, heißt es nunmehr, habe man sich dazu entschieden, zukünftig getrennte Wege zu gehen. Im März des vergangenen Jahres klang das noch ganz anders. Da wurde die fristlose Kündigung der Führungskraft mit einem „zerstörten Vertrauensverhältnis“ begründet.

Wer Zeugnissprache zu lesen vermag, kann ermessen, wie die letztere Formulierung gemeinhin interpretiert wurde – und mit welchen Folgen, zumal für eine in der Öffentlichkeit stehende Person wie Karen Hammer. „Ein totaler Overkill. Wer Karen Hammer googelte, bekam an erster Stelle immer diese unsägliche Pressemitteilung der Kulturstiftung zu lesen“, empört sich eine Freundin der geschassten Geschäftsführerin.

Die ist jetzt voll rehabilitiert. Was den acht Herren im Kuratorium als ein hinreichender Grund für eine fristlose Entlassung nebst Hausverbot erschien, hielt der juristischen Überprüfung durch das Arbeitsgericht Verden nicht stand. Es verpflichtete den von seiner Ex-Geschäftsführerin verklagten Verein zu einer Gehaltsnachzahlung und deftiger Abfindung. Das Angebot, ihren alten Arbeitsplatz wieder einzunehmen, schlug die Geschädigte aus. Dazu gesellten sich weitere Auflagen. Unter anderem muss der 55-Jährigen das bisher verweigerte Zeugnis ausgestellt werden. „Die Eckpunkte sind vorgegeben. Karen Hammer darf es sich sogar selbst schreiben, wenn sie darauf Wert legt“, berichtete eine Prozessbeobachterin (Name der Redaktion bekannt).

Im Urlaub Hausverbot bekommen

Das Gericht tat sich schwer, die Rolle zu definieren, die die Geschäftsführerin bei der Stiftung spielte. Unter anderem hatte sie als „Mädchen für alles“ die unter der Trägerschaft der Stiftung stehende Große Kunstschau in Worpswede sowie das Heimatmuseum und das Norddeutsche Vogelmuseum in Osterholz-Scharmbeck bearbeitet. Ihre Aufgaben ruhen jetzt auf mehreren Schultern. Für Ausstellungen etwa wurden neue Kuratorinnen wie Katharina Groth verpflichtet. Die Kulturstiftung finanziert sich durch private und öffentliche Zuwendungen. Auch die Kreissparkasse gehört zu den Geldgebern.

Nach der Belastbarkeit der Gründe für den Rauswurf gefragt, hat die Kulturstiftung bisher stets beredt geschwiegen und sich auf die Verpflichtung zum Schutz persönlicher Daten berufen, was spätestens bei der Verhandlung in Verden als scheinheiliges Manöver entlarvt sein dürfte. Derweil war Karen Hammer nämlich allen möglichen Spekulationen über die Entlassungsgründe ausgesetzt. Wohl nicht ganz zufällig hat sie bisher noch keinen neuen Job übernommen.

Schon die Art und Weise, in der sich die Trennung vollzog, war einigermaßen unerfreulich. Die Kunsthistorikerin, die aus Hamburg stammt und in Ritterhude lebt, wurde von der Kündigung während eines Urlaubs überrascht. Sie erhielt Hausverbot, so dass sie nicht einmal mehr persönliche Gegenstände – wie ein Foto von ihrem Sohn, das den Schreibtisch zierte – aus dem Büro abholen durfte. Wie auch das Gericht fand, keine sonderlich angemessene Behandlung einer langjährigen Mitarbeiterin, die nicht nur Ausstellungen kuratiert hat, sondern auch wichtige Gelder zu sammeln in der Lage war.

Bei vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie jener der „Bausteinverkäufe“ zur Sanierung der Großen Kunstschau und des „Kaffee verrückt“ war sie federführend. Die Bausteine waren zum Stückpreis von 250 Euro zu erwerben und – mit eingravierten Spendernamen – für den Bau eines Brunnens am Hoetger-Ensemble bestimmt. Damit und mit dem Verkauf der Skulptur „Tine“ nahm die Bilanzsummenmillionärin Kulturstiftung allein 2005 nahezu 350 000 Euro ein. Auch die Kontakte zur Philipp F. Reemtsma-Stiftung in Hamburg, von der die Worpsweder Sanierung zu einem großen Teil finanziert wurde, werden Karen Hammer zugeschrieben.

Sie hatte nach Studium der Kunstgeschichte, klassischen Archäologie und Deutschen Volks- und Alterskunde nach eigenen Angaben „in fast allen Hamburger Museen gearbeitet“, als studentische Hilfskraft oder als Volontärin. Als Karen Hammer 1998 ihre Arbeit im Osterholz-Scharmbecker Kreishaus aufnahm, um sich der Verwaltung der Museen, Mühlen und Worpsweder Ausstellungen zu widmen, hatten Landkreis und Kreissparkasse die „Kulturstiftung Landkreis Osterholz“ noch nicht ins Leben gerufen. Das geschah erst im Jahr darauf. Die Aufgabe des Vereins besteht in erster Linie darin, Kunst und Kultur einschließlich der Belange der Heimatpflege im Landkreis Osterholz zu fördern und interessierte Privatpersonen und Unternehmer daran zu beteiligen.

Seit 2007 hat Karen Hammer von der neuen Gechäftsstelle im Hoetger-Bau aus die Verwaltung der Großen Kunstschau geleitet. In diesem Museum zeigt die Stiftung ihre Bestandspräsentationen.

Die Verdienste Karen Hammers finden jetzt auch auf der Website der Kulturstiftung ihre Würdigung: „Wir möchten an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, Frau Dr. Hammer für ihren langjährigen unermüdlichen Einsatz zu danken und wünschen ihr für die Zukunft beruflich weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+