Für Rettung der Bötjerschen Scheune Stiftung Worpswede erhält Denkmalpflegepreis

Die Restaurierung der Bötjerschen Scheune ist jetzt mit dem von der Niedersächsischen Sparkassen-Stiftung ausgelobten Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet worden.
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Von Michael Schön

Die Restaurierung der Bötjerschen Scheune ist jetzt mit dem von der Niedersächsischen Sparkassen-Stiftung ausgelobten Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet worden. Direktor Werner Hampel von der Kreissparkasse Osterholz und Heinrich Schormann, stellvertretender Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, übergaben den Preis während einer Feierstunde an die Stiftung Worpswede.

Die Stiftung Worpswede hat die 1841 errichtete Bötjersche Scheune in einem ziemlich baufälligen Zustand erworben, vor dem völligen Verfall bewahrt und aus einem langen Dornröschenschlaf geweckt. Seit 2012 ist die denkmalgeschützte Durchfahrtsscheune, die vis-à-vis vom Rathaus einen exponierten Platz im historischen Ortskern Worpswedes einnimmt, wieder mit Leben erfüllt. Aus dem ursprünglich zum Ensemble des Bötjerschen Hofs gehörenden bäuerlichen Relikt ist eine zukunftsfähige Kultur- und Begegnungsstätte geworden, die allen Bürgern, den Vereinen und den Verbänden offen steht. Nicht nur Wahrzeichen, sondern auf 270 Quadratmetern auch ein vielseitig – öffentlich wie privat – nutzbares Wohnzimmer Worpswedes. Es gibt dort Tagungen, Ausstellungen und Feste. Auch hat sich die Scheune als ein Konzertsaal erwiesen, der höchsten Ansprüchen gerecht wird, was sie unter anderem bei den Musikabenden des Vereins „Podium“ oder beim Auftritt des weltbekannten Pianisten und Dirigenten Justus Frantz unter Beweis stellte.

Wirtschaftlichkeit gewürdigt

Michael Heinrich Schormann lobte in seiner Laudatio bei der Preisverleihung das „bürgerschaftliche Engagement“ der Stiftung Worpswede. „So konnte der Verlust eines wichtigen Baudenkmals verhindert und darüber hinaus ein vielfältig bespielbarer Veranstaltungsort geschaffen werden.“ Werner Hampel ergänzte: „Die Stiftung Worpswede hat mit der Entwicklung eines tragfähigen Zukunftskonzepts nicht nur dafür gesorgt, dass ein Baudenkmal erhalten bleibt, sondern auch bewiesen, dass Denkmalpflege und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sein müssen.“ Im Namen der preisgekrönten Stiftung dankte Hans Ganten als Vorsitzender des Kuratoriums für die Auszeichnung, die in einer sehr festlichen Atmosphäre vorgenommen wurde.

Die Stiftung ist nicht nur mit der Rettung der Scheune der selbst auferlegten Verpflichtung nachgekommen, einen Beitrag zur Bewahrung des reichen Worpsweder Erbes zu leisten. Sie kümmert sich auch um den Niedersachsenstein, die Marcusheide und den Weyerberg.

Die Niedersächsische Sparkassenstiftung vergab den Preis für Denkmalpflege bereits zum 15. Mal. Er ist mit insgesamt 75 000 Euro dotiert. Mit dem Preis, so die Sparkassenstiftung, solle das private Engagement honoriert werden, das Eigentümer für den Erhalt historischer Baudenkmäler aufbrächten. In diesem Jahr wurden 17 Denkmale mit einem Preis bedacht, weitere zwölf erhielten eine Belobigung. Im Bezirk Lüneburg gibt es neben der Stiftung Worpswede noch zwei weitere Preisträger, das Fachwerkhaus Spiegelberg in Stade und das Langwedeler Häuslingshaus.

Wegen ihres besonderen Charakters – als Einzelbauwerk und auch in ihrer Stellung im Dorf-Ensemble – war die Scheune zwar unter Denkmalschutz gestellt worden, doch das Geld für die Sanierung konnte trotz bester Absichten nicht aufgebracht werden, weder vom Eigentümer noch von der Gemeinde, die schon Kredite benötigte, um ihren Haushalt auszugleichen. Es sei damals abzusehen gewesen, dass auf dem Grundstück in „Dorfgebiets“-Lage eine wirtschaftlich kalkulierte Wohnanlage entstehen würde, die den Charakter der alten Dorfmitte, unmittelbar gegenüber dem Rathaus der Gemeinde, völlig zerstört hätte, erinnerte Hans Ganten an die Situation, die von der gemeinnützigen Einrichtung vorgefunden wurde, als sie sich entschloss, die Metamorphose des Monuments zu einem „Gemeinschaftsprojekt des Dorfes“ (Ganten) zu machen. Nach und nach sei der Kreis der Unterstützer so groß geworden, dass bald, so der Kuratoriumsvorsitzende, „ganz Worpswede darauf wartete, dass mit der Scheune ein neues Dorfgemeinschaftshaus entstehen würde. Genau das ist es inzwischen geworden“. Auch die politische Überzeugungsarbeit verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Gemeinde und die Albert-Reiners-Stiftung gewährten Zuschüsse und halfen bei der Gewinnung weiterer Sponsoren mit. Insgesamt verschlang die Restaurierung der Scheune zusammen mit den nötigen Um- und Erweiterungsbauten für den neuen Verwendungszweck sowie weiterer Arbeiten fast eine halbe Million Euro. Von diesen Kosten konnte weit mehr als die Hälfte mit F

ördergeldern, unter anderem aus einem Topf des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, und weiteren Zuschüssen gedeckt werden. Doch das alles reichte noch lange nicht, um ein Projekt in dieser Größenordnung zu stemmen. Hans Ganten rechnet vor, dass dank der unbezahlt erbrachten Eigenleistungen von Mitgliedern der Stiftung und deren Freunden, Regiearbeiten des Vorstandes und so weiter – insgesa

mt 5000 Arbeitsstunden – mindestens 40 000 Euro eingespart werden konnten. Außerdem kamen durch verschiedene Aktionen des eigens für das Scheunenprojekt gegründeten Freundeskreises – etwa Verkauf von hochwertigen Gebrauchtwaren, Büchermärkte und Kunstversteigerungen – rund 100 000 Euro zusammen.

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