45 Nester sind schon besetzt Für Störche wird Wohnraum knapper

Zur Jahrtausendwende gab es kaum noch Störche im Landkreis Osterholz. Das hat sich geändert. Die 45 Nester, in denen 2020 gebrütet wurde, sind bereits so gut wie besetzt. Und es kommen noch Störche nach.
10.04.2021, 18:00
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Für Störche wird Wohnraum knapper
Von Brigitte Lange

Landkreis Osterholz. Diedrich Seedorf war gerade auf seiner Anlage in Bargten unterwegs, als das Geräusch großer Schwingen die Luft erfüllte. Er sei aus dem Staunen gar nicht mehr raus gekommen, erzählt der Chef des Tiergartens Ludwigslust: „Da waren sicher mehr als 20 Störche; ich konnte sie gar nicht alle so schnell zählen.“

Etwa einen Tag seien sie geblieben. Dann zogen die Störche weiter. „Aber nicht alle“, so Seedorf. Einige hätten die Gunst der Stunde genutzt und noch freie Horste auf der Tiergarten-Anlage bezogen. „Einer hat sich sogar ein Nest in der alten Eiche gebaut.“ Ob das Konstrukt halten und eine Partnerin überzeugen wird, muss sich zeigen. „Der Storch steht bisher allein auf dem Nest“, bemerkt Diedrich Seedorf.

Sieben Nester besetzt

Insgesamt sieben Storchennester seien bei ihm nun besetzt. Eines davon sei in aller Eile an dem Tag, da die Störche in Bargten einfielen, errichtet worden. Die Unterkonstruktion des Horstes hatte Seedorf bereits aus Ästen vorgebaut. Der Bagger musste aber noch das Loch graben und den Mast aufrichten. „Der Bagger war kaum eine Stunde weg, da saß bereits ein Paar auf dem Mast.“ Nur ein einziger Horst sei jetzt noch frei. „Aus irgendeinem Grund ist der bei den Vögeln nicht so beliebt“, sagt Diedrich Seedorf. „Aber bisher sind ja auch nicht alle Störche zurück.“

Das sieht der Nabu-Storchenbeauftragte des Landkreises Osterholz genauso. „Die nächsten Störche, die nun kommen, haben im Sudan und im Tschad überwintert“, berichtet Ortwin Vogel. Die Türkei hätten sie inzwischen zwar passiert, hingen nun aber in Bulgarien und in Rumänien wegen des Wetters fest. Diese Informationen hat der Storchenbeauftragte von einer Internetseite des Nabu, auf der regelmäßig über den Zug einiger besenderter Störche berichtet wird. Als letzte würden die Störche eintrudeln, die noch weiter südlich - etwa in Tansania - den Winter verbringen würden, sagt Ortwin Vogel. Bei beiden Gruppen handele es sich um Ostzieher.

Noch Platz für Ostzieher

„Die Westzieher sind größtenteils schon hier“, erklärt Vogel. Diese Störche hätten die vergangenen Monate in Frankreich und jenseits der Meerenge von Gibraltar in Marokko gelebt. „Die Nester sind bereits mehr oder weniger alle besetzt“, schildert er die Situation im Landkreis. Gemeint sind damit die Nester, die im vorigen Jahr von Störchen besetzt gewesen waren. Es gibt jedoch noch andere Horste im Kreisgebiet. Solche, die bisher von Störchen ignoriert beziehungsweise erst vor Kurzem errichtet oder repariert wurden. Platz für die Ostzieher ist damit vorhanden. Denn viele von ihnen werden feststellen, dass ihr angestammtes Nest bereits von Fremden in Beschlag genommen worden ist. Ortwin Vogel rechnet daher mit dem ein oder anderen Storchenkampf.

Ein toter Storch

In der Gemeinde Worpswede hat ein Storch wahrscheinlich einen solchen Kampf nicht überlebt. Er habe es noch geschafft, zum Nest bei der Mühle Weyermoor zu fliegen und sich auf dessen Rand zu setzen. „Dann ist er runter gefallen“, erzählt Vogel. Zunächst habe das Tier noch gelebt. Die Grundstücksbesitzer riefen daher den Storchenbeauftragten. „Aber als ich ankam, war es tot.“ Er habe den Storch daraufhin zum Veterinäramt des Landkreises gebracht, sagt Vogel. Dessen Mitarbeiter hätten festgestellt, dass er nicht durch eine Kollision mit einem Windrad gestorben sei. Der einzige Hinweis auf eine Verletzung sei Blut am Schnabel gewesen. „Der tote Storch wurde daraufhin zum Laves-Institut nach Hannover geschickt“, so Vogel weiter. „Er könnte schließlich auch an der Geflügelpest gestorben sein.“ Ein Ergebnis aus Hannover liege seines Wissens nach bisher nicht vor. „Bis auf das Windrad, das als Todesursache ausgeschlossen ist, sind daher noch alle anderen Möglichkeiten offen.“

Ebenfalls aus Worpswede erreichte Ortwin Vogel nun eine weitere Nachricht: Beim Reitverein wurde das Bein eines Storches gefunden. Meldung von einem verletzten oder toten Storch habe er aber nicht bekommen. Die beiden Störche, die das Nest beim Reitverein bezogen haben, seien unversehrt. Ortwin Vogel wird nun auch das abgetrennte Bein an die zuständigen Behörden weiterreichen - zwecks Klärung.

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Gefahr für Vögel: Geflügelpest

Seit dem 14. November 2020 gilt im Landkreis Osterholz die Aufstallpflicht für Geflügel aller Art. Grund ist die sogenannte Geflügelpest, die sich mit Zugvögeln entlang von Ost- und Nordseeküste ausgebreitet hat und deren Erreger Hausgeflügel wie etwa Gänse und Enten infizieren kann. Als Hauptüberträger gelten Wasservögel. Tatsächlich können sich aber auch Störche mit dem Virus infizieren, teilt der Landkreis Osterholz auf Nachfrage mit. Dem hiesigen Veterinäramt sei dieses Jahr aber kein Fall von einem Storch gemeldet worden. Da aktuell immer noch positive Geflügelpest-Fälle sowohl bei Wildvögeln als auch in Nutzgeflügelbeständen gemeldet würden, sei zurzeit kein Ende der Aufstallungspflicht in Sicht. Eine entsprechende Aufhebungsentscheidung hänge unter anderem mit dem Vogelzug zusammen. „Insbesondere orientieren sich die Veterinärämter bei dieser Entscheidung an der Risikoanalyse des Friedrich-Löffler-Institutes, das das Geflügelpestgeschehen ständig beobachtet“, teilt Landkreissprecher Jörn Stelljes mit. Noch Ende März schätzte das Institut dieses Risiko als hoch ein.

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