Rotenburger Krankenhaus ist an Forschungsprojekt beteiligt Studie zu Antibiotika

Rotenburg. In der renommierten medizinischen Zeitschrift "Lancet Infectious Diseases", dem nach Angaben des Rotenburger Krankenhauses weltweit wichtigsten Fachblatt über Infektionskrankheiten, sind aktuell die Ergebnisse einer Untersuchung erschienen, an der niedergelassene Mediziner aus dem Landkreis Rotenburg und Ärzte aus dem Diakoniekrankenhaus gemeinsam mitgearbeitet haben. Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes zur Untersuchung der Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika wurde in zwölf europäischen Ländern die internationale Studie durchgeführt, deren deutsches Studienzentrum das Zentrum für Pneumologie des Diakoniekrankenhauses Rotenburg war. Bei der Untersuchung ging es um die Frage, ob Patienten mit einem Infekt der tiefen Atemwege, jedoch ohne Nachweis einer Lungenentzündung, generell von einer Antibiotika-Therapie profitieren. Zu diesem Zwecke wurde eine Placebo-kontrollierte Untersuchung gestartet, an der letztlich 2061 Erwachsene teilgenommen haben.
02.01.2013, 05:00
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Studie zu Antibiotika
Von Uwe Dammann

Rotenburg. In der renommierten medizinischen Zeitschrift "Lancet Infectious Diseases", dem nach Angaben des Rotenburger Krankenhauses weltweit wichtigsten Fachblatt über Infektionskrankheiten, sind aktuell die Ergebnisse einer Untersuchung erschienen, an der niedergelassene Mediziner aus dem Landkreis Rotenburg und Ärzte aus dem Diakoniekrankenhaus gemeinsam mitgearbeitet haben. Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes zur Untersuchung der Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika wurde in zwölf europäischen Ländern die internationale Studie durchgeführt, deren deutsches Studienzentrum das Zentrum für Pneumologie des Diakoniekrankenhauses Rotenburg war. Bei der Untersuchung ging es um die Frage, ob Patienten mit einem Infekt der tiefen Atemwege, jedoch ohne Nachweis einer Lungenentzündung, generell von einer Antibiotika-Therapie profitieren. Zu diesem Zwecke wurde eine Placebo-kontrollierte Untersuchung gestartet, an der letztlich 2061 Erwachsene teilgenommen haben.

"Antibiotika bei Infekten der tiefen Atemwege sind häufig dann notwendig, wenn sich Patienten mit Fieber und eitrigem Auswurf vorstellen. Dies gilt insbesondere, wenn weitere Grunderkrankungen vorliegen", so Professor Dr. med. Tom Schaberg, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie am Diakoniekrankenhaus Rotenburg. Betrachte man jedoch die Verschreibungspraxis in Deutschland und in Europa insgesamt, könne vermutet werden, dass die Gabe von Antibiotika auch bei vielen viralen Atemwegsinfektionen erfolgt, die sich durch Antibiotika nicht behandeln lassen.

Diese Problematik werde innerhalb der Medizin seit Langem kontrovers diskutiert. Obwohl das Problem sehr alt ist und sich die Fragestellung auf breiter Front darstellt, gab es bisher keine wissenschaftlich fundierte Untersuchung, die diese Frage geprüft hat. "In der jetzt nun veröffentlichten Studie konnte eindeutig gezeigt werden, dass Patienten ohne weitere schwere Grunderkrankung, die sich mit einem länger anhaltenden Husten im Rahmen eines Infektes der tiefen Atemwege bei ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt vorstellen und bei denen keine Lungenentzündung vorliegt, nicht von einer antibiotischen Therapie profitieren", fassen Professor Schaberg und Dr. Iris Hering, Leiterin des Studienzentrums im Zentrum für Pneumologie, die Ergebnisse zusammen. Insofern lasse die Untersuchung die klare Schlussfolgerung zu, dass immer dann, wenn bei einem Infekt der tiefen Atemwege kein Verdacht auf eine Lungenentzündung bestehe und die Patienten keine wesentlichen Grunderkrankungen haben, eine antibiotische Therapie nur in Ausnahmefällen notwendig und hilfreich sei.

Iris Hering und Tom Schaberg freuen sich über diese Publikation besonders. Bereits seit mehr als zehn Jahren existiert die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten im Kreis Rotenburg, die bereits eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen und entsprechenden Publikationen möglich gemacht hat. Neben dem in der Zwischenzeit ausgelaufenen EU-geförderten Projekt "Grace" ist dies vor allem das Forschungsprojekt zu Lungenentzündungen mit dem Namen "Capnetz". Hinter diesem Namen verbirgt sich ein primär durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung finanziertes Projekt zur Untersuchung von Patientinnen und Patienten mit Lungenentzündungen.

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