Mangels finanzieller Unterstützung nehmen Lilienthalerinnen auch Bremer Kinder auf Tagesmütter appellieren an Politiker

Lilienthal. Wenn sie sehe, dass Lilienthal als einzige Gemeinde im Landkreis um 4,2 Prozent wachse, bekomme sie Angst, erklärte die Grüne Christina Klene im Sozialausschuss: „Angst, dass wir es nicht schaffen, endlich den Wünschen der Eltern nach Kitaplätzen gerecht zu werden.“ Wie berichtet stehen 19 Kinder auf der Warteliste für einen Krippenplatz, doch in den Krippengruppen der Gemeinde ist derzeit nur ein Platz frei.
12.06.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Wenn sie sehe, dass Lilienthal als einzige Gemeinde im Landkreis um 4,2 Prozent wachse, bekomme sie Angst, erklärte die Grüne Christina Klene im Sozialausschuss: „Angst, dass wir es nicht schaffen, endlich den Wünschen der Eltern nach Kitaplätzen gerecht zu werden.“ Wie berichtet stehen 19 Kinder auf der Warteliste für einen Krippenplatz, doch in den Krippengruppen der Gemeinde ist derzeit nur ein Platz frei.

Die Kinderbetreuung ist ein Dauerbrenner in Lilienthal. Bisher hechelt die Gemeinde der steigenden Nachfrage hinterher. In den vergangenen Jahren gelang es nur auf den letzten Drücker, genug Plätze anzubieten. „Wir haben innerhalb eines Jahres acht neue Gruppen geschaffen“, betonte der Fachbereichsleiter im Rathaus, Andreas Cordes. „Das zeigt, dass die Krippenplätze so dynamisch in Anspruch genommen werden, wie es sich keiner vorstellen konnte.“

Als der Bund den Rechtsanspruch von Eltern auf eine Betreuung ihrer Kleinen in Krippen und Kindergärten im Gesetz verankerte, gingen Experten davon aus, dass rund ein Drittel der Eltern Krippenplätze für ihre Ein- bis Dreijährigen fordern würde. In Lilienthal sind es schon an die 70 Prozent. Es sei eine Frage der Zeit, bis 90 oder 95 Prozent aller Mütter und Väter Anspruch auf einen Krippenplatz erhöben, warnte der SPD-Mann Oliver Blau, der den Vorsitz im Sozialausschuss führt. Der Linke Reinhard Seekamp riet dazu, das Tempo des Baubooms zu drosseln und nicht mehr ein Baugebiet nach dem anderen auszuweisen. Das stieß im Sozialausschuss auf null Resonanz. Schon im Bauausschuss sei er mit seinem Vorstoß abgeblitzt, bedauerte Seekamp. „Da hieß es: Dann wandern die Leute nach Grasberg ab.“

Politik und Verwaltung richteten den Blick nur auf die Baugebiete, monierte die SPD-Frau Britta Weber. „Wir vernachlässigen den Bestand. In Butendiek wird gefühlt alle zwei Monate ein Haus verkauft.“ So zögen noch mehr Familien nach Lilienthal. Zu überlegen sei, ob die Tagespflege eine Lösung sein könne. Eltern klagen seit Jahren darüber, dass sie für Betreuungsplätze bei Tagesmüttern doppelt so viel bezahlen müssen wie für kommunale Kitaplätze.

Für die Tagespflege ist der Landkreis zuständig, wie Cordes betonte. Bisher habe die Gemeinde Kinder, die einen Platz in der Tagespflege hatten, von den Wartelisten für die Kitas gestrichen, doch jetzt hätten Gerichte anders entschieden. Das sei „unglücklich“ für Tagesmütter, weil Eltern ihre Anmeldung für die Tagespflege zurückzögen, wenn sie einen Kitaplatz bekämen.

Die Leiterin einer Tagespflege appellierte an die Politiker, für die finanzielle Gleichstellung mit den Kitas zu sorgen. Dann würden mehr Eltern das Tagesmütter-Angebot nutzen. Der Landkreis zahle zu wenig für das alternative Betreuungsangebot. „Wir nehmen inzwischen Kinder aus Bremen auf“, sagte die Leiterin. Dabei sei der Bedarf in Lilienthal sehr hoch.

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