69. Tarmstedter Ausstellung ist eröffnet Tarmstedt: Ein "gallisches Dorf" gegen den Klimawandel

Die Tarmstedter Ausstellung beweist: Die Wümme-Region ist ein Vorreiter in der Energiewende. Bis Montag kann sich jeder selbst ein Bild davon machen.
07.07.2017, 20:25
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Bravo-Rufe nach der Festrede, das ist ungewöhnlich bei der Eröffnung der Tarmstedter Ausstellung. In den Genuss ­dieser Ehre kam am Freitag die international renommierte Wissenschaftlerin Claudia Kemfert, die in ihrem alles andere als ­trockenen Beitrag skizziert hatte, wie weit Deutschland auf dem Weg in eine gar nicht allzu ferne Zukunft ist, in der die Gesellschaft ohne die Nutzung fossiler ­Brennstoffe auskommt. Besonders gefallen haben ­dürfte den 800 Gästen der Schluss der Rede: „Hier in der Region sieht man eindrucksvoll, wie Energiewende geht.“

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Der Landkreis Rotenburg habe sich schon früh als Hochburg erneuerbarer Energien einen Namen gemacht. Bereits 2013 seien im Landkreis 100 Prozent des verbrauchten Stroms regenerativ erzeugt worden, vor ­allem durch Wind- und Biogasanlagen. Derzeit liege der Selbstversorgungsgrad bei 140 Prozent – diesen Wert sollte Landrat Hermann Luttmann später sogar auf 150 Prozent korrigieren. Kemfert lobte die Tarmstedter Carsharing-Initiative, die mit emissionsfreien Elektro-Autos die Mobilität auf dem Land verbessern wolle. Mit einem dieser Autos sei sie am Morgen zur Ausstellung gefahren worden.

Tarmstedt: das "gallische Dorf" gegen fossile Energien

Als „gallisches Dorf“ stemme sich die Region erfolgreich gegen das Imperum Romanum der fossilen Energien und unnützen Stromleitungen. Der Zaubertrank der Neuzeit werde durch Energiewende-Investitionen gefüllt. „Mögen alle Asterixe und vielleicht auch ein paar ­Obelixe sich standhaft gegen die Gegenbewegung wehren. Wer am Ende siegt und überlebt, ist ja bekannt“, sagte Kemfert.

Ins Gericht ging die Expertin für Energie- und Klimaökonomie dagegen mit den Vertretern der alten Energien und der Bundesregierung, der sie „Reform-Murks“ vorwarf. Die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zur Chefsache erklärte Energiewende sei ins Straucheln geraten. Die Lobbyisten der Vergangenheit hätten erreicht, dass der Zubau von Solarenergie und Biomasse nahezu zum Erliegen gekommen sei. Nun drohe sogar eine Vollbremsung. Dafür verstopfe Strom aus Kohlekraftwerken, der zum Dumpingpreis in die Nachbarländer verkauft werde, die Netze. Ausgerechnet bei der Energiewende würden die enormen Chancen der Digitalisierung nicht ausreichend erkannt, die die schwankende Energieproduktion unkompliziert und flexibel mit dem Bedarf der Industrie verknüpfen könne. Die Kommunen seien die zentralen Akteure zur Umsetzung der Energiewende. „Hier in Tarmstedt kann man es sehr gut anschauen“, sagte Kemfert.

750 Aussteller mit Vorträgen und Showeinlagen

Zuvor hatte Ausstellungs-Geschäftsführer Dirk Gieschen erläutert, warum „Die Chancen des Wandels“ als Motto der 69. Auflage der größten Landwirtschafts- und Verbraucherausstellung des Nordens gewählt ­wurde. Es gehe darum, den Spagat zwischen bewährten Traditionen und neuen Trends zu bewerkstelligen. Stets am Puls der Zeit zu sein und den Wandel auch als Chance zu begreifen, sei ein Merkmal der Ausstellung, ebenso das persönliche Gespräch. „Hier treffen sich die Menschen, reden über die ­großen Themen und finden Lösungswege, wie zum Beispiel die Energiewende vor Ort umgesetzt werden kann“, so Gieschen.

Noch bis zum kommenden Montag präsentieren sich auf der Tarmstedter Ausstellung mehr als 750 Aussteller. Auf dem 180000 Quadratmeter großen Gelände dreht sich alles um Landwirtschaft, Tierzucht und erneuerbare Energien. Hinzu kommen Angebote für Haus, Garten und Freizeit Fachvorträge und Showeinlagen auf dem Tierzuchtgelände. Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 18 Uhr, der Marktplatz täglich sogar bis 23 Uhr.

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