Tarmstedt Tarmstedter verhindern vorläufig Abschiebung eines 20-Jährigen

Tarmstedt. Rund 80 Frauen und Männer haben in der Nacht zu Dienstag die Abschiebung des Sudanesen Ayub Atahir vorläufig verhindert. Die meisten Personen gehörten nicht zum Freundeskreis Asyl in der Samtgemeinde Tarmstedt.
11.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Irene Niehaus

Rund 80 Frauen und Männer haben in der Nacht zu Dienstag die Abschiebung des Sudanesen Ayub Atahir vorläufig verhindert. Die meisten Personen gehörten nicht zum Freundeskreis Asyl in der Samtgemeinde Tarmstedt. Das betonen Barbara Franke-Sierig und Rolf Struckmeyer vom Vorstand. „Das zeigt eindrucksvoll, dass sich auch weite Teile der Bevölkerung gegen die Abschiebungspolitik wenden“, teilen sie mit. Atahir wartete in der Nacht in einem Haus am Wendohweg auf die Abholung. Die vielen Menschen hätten vor dem Aus- und Eingang des Hauses völlig gewaltfrei nur durch passive Anwesenheit den Zugriff der Polizei verhindert, so Franke-Sierig und Struckmeyer.

Der 20-jährige Atahir soll abgeschoben werden (wir berichteten), weil er angeblich bereits in Italien Asyl beantragt hatte. Der Freundeskreis nimmt die Abschiebung zum Anlass, zu betonen, dass er sich für die umgehende Abschaffung von menschenunwürdigen Asylregelungen in Europa und Deutschland einsetze. Er spricht sich ausdrücklich gegen eine Abschiebung von Asylsuchenden auf der Basis des sogenannten Dublin II-Abkommens aus. Die Dublin II-Regelung – Asylverfahren nur in dem Land des ersten Kontaktes mit Europa – sei angesichts der täglichen Massen von Bootsflüchtlingen nach Italien schon seit langer Zeit menschenunwürdig und der Flüchtlingssituation in Italien in keiner Weise angemessen. In der gegenwärtigen politischen Diskussion auf europäischer Ebene werde über eine Verteilung von Asylsuchenden mit Hilfe von Kontingenten nachgedacht. Nach dieser Regelung solle Deutschland weitere Flüchtlinge auch aus Italien aufnehmen. Der Freundeskreis hält deshalb eine Abschiebung nach Italien „für eine sinnlose und menschenverachtende Umherschieberei“, zumal allgemein bekannt sei, dass Italien den Asylsuchenden kein ordentliches, europaweit abgestimmtes Asylverfahren bieten könne.

Der Freundeskreis Asyl bemühe sich in Übereinstimmung mit der Verwaltung der Samtgemeinde, auf ehrenamtlicher Basis Asylsuchende zu integrieren: mit Deutschunterricht, mit der Betreuung in Wohngruppen, mit der Heranführung an hiesige Gewohnheiten und Umgangsweisen.

„Er erhält dabei breite Zustimmung und Unterstützung durch die Bevölkerung, die örtliche Politik und die Verwaltung“, erzählen Rolf Struckmeyer und Barbara Franke-Sierig. Ihr Verein halte die Praxis des Austauschs von hiesigen Asylbewerbern, bei denen schon eine Integration mit Erfolg begonnen worden sei, gegen zu erwartende neue Asylbewerber „für eine grobe Missachtung des vielschichtigen Engagements seiner ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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