Lauf durch Grasberg Tausende unterwegs für Krebskranke

Lilienthal/Grasberg. Wer zwischen Pfingstsonnabend und Pfingstsonntag-Mittag auf Grasberger Straßen unterwegs sein will, sollte gegebenenfalls etwas Geduld mitbringen – für einen guten Zweck.
06.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Tausende unterwegs für Krebskranke
Von Undine Zeidler

Lilienthal/Grasberg. Wer zwischen Pfingstsonnabend, 21 Uhr, und Pfingstsonntag-Mittag auf Grasberger Straßen unterwegs sein will, sollte gegebenenfalls etwas Geduld mitbringen – für einen guten Zweck. Tausende Läufer und Radfahrer werden dann nämlich in der hiesigen Region unterwegs sein. Sie beteiligen sich am Roparun, ein seit 1992 bestehender holländischer Staffellauf zugunsten Krebskranker.

Krebskranke in ihrem Leiden nicht alleine zu lassen – dafür schwitzen seit 1992 alljährlich am Pfingstwochenende Tausende Holländer beim Spendenlauf Roparun. Der führte – daher der Name – anfangs von Paris nach Rotterdam. Inzwischen sind mehr als 9000 Teilnehmer unterwegs: zu Fuß, auf Rädern und in Begleitbussen. Für französische Straßen wurde das zu viel. Seit 2012 bewegt sich der Tross deshalb noch auf einer zweiten Strecke von Hamburg nach Rotterdam. Tarmstedt, Grasberg und Lilienthal liegen in diesem Jahr am Weg. In Grasberg wird ein Kontrollpunkt eingerichtet, in Lilienthal pausiert ein Roparun-Team für ein paar Stunden und wird von Mitgliedern des TV Lilienthal umsorgt.

Am Mittag des 18. Mai starten 275 Teams in Paris und 100 in Hamburg. Zwei Tage haben sie Zeit für die jeweils rund 500 Kilometer bis Rotterdam. Acht Läufer gehören jedem Team an, und jeder von ihnen läuft während der Staffel ungefähr 65 Kilometer – stets von zwei Radfahrern und einem Mannschaftsbus begleitet, so Roparun-Direktor Michael Beenhakker. Wann die Läufer genau Grasberg und Lilienthal passieren, sei bei Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen elf und 18 Kilometern pro Stunde nur grob abzuschätzen. Beenhakker spricht von einem ungefähren Zeitfenster zwischen 21 Uhr am Pfingstsonnabend und 12.30 Uhr am darauf folgenden Sonntag.

Ursprünglich sollte der Roparun direkt durch Lilienthal in Richtung Bremen führen, über die Falkenberger Landstraße und die Hauptstraße. Bei einem Ortstermin allerdings standen die Organisatoren dann plötzlich vor der Straßenbahnbaustelle und mussten umplanen. Der in Lilienthal vorgesehene Checkpoint 3 wurde nach Grasberg auf den Parkplatz neben dem Wörpedorfer Schützenhof verlegt. Von dort führt der Staffellauf nun über Speckmannstraße und Wiesendamm, Heidberger Straße und Timmersloher Straße gen Bremen.

Spenden wichtiger als Sport

An den Plänen der Lilienthaler Helfer ändere das nichts, betont Patrick van Hall vom TV Lilienthal. Die Ostlandhalle wird für einige Stunden zum Läuferquartier. Im November 2012 hatte der TVL eine Email aus Amsterdam erhalten. Die UWW, eine halbstaatliche niederländische Arbeitsvermittlungsagentur, fragte für ihr Team um eine Unterkunft in Lilienthal an. Der Verein und speziell seine Läufer sagten seinerzeit sofort zu, und auch heute unterstreicht van Hall: "Es ist uns eine Ehre zu helfen." Den pflegerischen Mitarbeiter im Klinikum Bremen-Mitte beeindruckt das tausendfache Engagement für Krebskranke, der Läufer van Hall zieht vor der sportlichen und organisatorischen Leistung den Hut.

Ob und wo noch andere Teams in der Region rasten, vermag Roparun-Direktor Beenhakker nicht zu sagen. Das sei jedem selbst überlassen, ebenso, wie das Team seine Kräfte einteile. Viele Läufer tauschen alle fünf Kilometer, die UWW-Läufer wollen sich alle zwei Kilometer abwechseln, weiß Patrick van Hall. Die kurzen Etappen seien aus Läufersicht sehr anspruchsvoll, besonders nachts. Van Hall weiß, wie anstrengend der schnelle Wechsel sowohl motorisch als auch körperlich sein kann.

Der Roparun ist jedoch nur in zweiter Linie eine sportliche Herausforderung. Vor allem soll er Spenden einspielen. Etwa mit der Anmeldegebühr. Pro Team sind das 2825 Euro. Zudem ist jede Mannschaft verpflichtet, 1000 Lose von der Roparun-Lotterie zu je 2,50 Euro zu kaufen und weiterzuverkaufen. Weil die Teilnehmerzahl begrenzt ist, erhielten in diesem Jahr die Teams Vorrang, die 2012 mindestens 7500 Spenden-Euro zusammen bekamen. Gleiches gilt für den Roparun 2014 und scheint die Läuferehre anzuspornen. Seit Jahren steigt die Teilnehmerzahl. Viele Firmenteams seien dabei, erzählt Patrick van Hall.

"Macht doch nächstes Mal mit", warben die Verantwortlichen vom UWW-Team schon bei den Lilienthaler Läufern. Wobei ausländische Teams beim Roparun eher selten starten. Direktor Beenhakker begründet es mit der Sprachbarriere. Bisher gebe es alle Informationen zum Lauf nur auf Holländisch.

Patrick van Hall kann sich noch etwas anderes vorstellen: Die Idee für Deutschland abzugucken. "So etwas bewegt Massen", glaubt er. Solch einen Lauf zugunsten Krebskranker in Deutschland zu organisieren, das könne er sich als eine schöne Aufgabe für einen Ruheständler vorstellen. Der braucht allerdings viele Unterstützer. In Holland helfen alljährlich 400 Freiwillige. Und sie alle werden getragen von einem Gedanken. Michael Beenhakker: "Wir versuchen das Leben der Krebskranken besser zu machen."

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