Historisches Fernrohr in Lilienthal Telescopium ist restlos ausgebucht

Das gewaltige Bauwerk mit dem sieben Meter hohen Turm, der hölzernen Plattform und dem Riesenfernrohr hat das Zeug dazu, Lilienthals Wahrzeichen zu werden.
10.11.2016, 00:00
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Von Michael Wilke

Das gewaltige Bauwerk mit dem sieben Meter hohen Turm, der hölzernen Plattform und dem Riesenfernrohr hat das Zeug dazu, Lilienthals Wahrzeichen zu werden.

„Wir haben über 670 Besucher gehabt und sind für dieses Jahr ausgebucht“, sagt Klaus-Dieter Uhden, der den Bau des rund 600.000 Euro teuren Teleskops ermöglicht hat. Der pensionierte Ingenieur hat sich durch Rückschläge nicht entmutigen lassen und nicht geruht, bis er die Spendensumme beisammen hatte. Nach knapp sieben Monaten ist die Probezeit vorbei, und die Besucher stehen Schlange. Sie kommen aus Bremen, Stade und Buxtehude, aus dem Kreis Osterholz und aus den Nachbarkreisen Rotenburg und Verden. „Meistens sind es Astronomie-Interessierte“, sagt Uhden.

Einfach so besichtigen kann man das imposante Bauwerk mit der um 360 Grad drehbaren Plattform nicht. Man muss sich im Internet anmelden bei der Telescopium Lilienthal Foundation, die eine Stiftung ist und ein gemeinnütziger Verein. Draußen am Tor hängt ein kleiner Kasten mit Faltblättern. „Rumms-bumms ist das Ding leer“, sagt Uhden. „20 bis 30 Flyer sind in einer Woche weg.“ Ständig müssen die Stiftung und ihr Partner, die Astronomische Vereinigung Lilienthal (AVL), nachfüllen.

Zu besichtigen ist das Spiegelteleskop in jeder ersten und letzten Woche des Monats dienstags, donnerstags und freitags von 18 bis 21 Uhr, sonnabends von 13 bis 16 Uhr und von 20 bis 23 Uhr sowie sonntags von 13 bis 16 Uhr. Mehr geht nicht, weil es nicht unendlich viele ehrenamtliche Weltraum-Experten bei der AVL gibt. „Wir bräuchten mehr Leute“, klagt Uhden. „Das bleibt alles an wenigen hängen.“ Der Eintritt kostet elf Euro, für Kinder und Jugendliche bis 14 die Hälfte.

Für das nächste Jahr vergibt die Telescopium-Stiftung noch keine Termine. „2017 gibt es neue Besuchszeiten“, erklärt Uhden. Noch stecken die Ehrenamtlichen mitten in der Planung. „Wir möchten dann auch Schulklassen einbinden“, sagt Uhden. „Das ist eine ganz andere Klientel, die man anders ansprechen muss.“ Personell wird es eng, das weiß der vom Weltraum faszinierte Lilienthaler jetzt schon. Viele Fachleute der Astronomischen Vereinigung sind berufstätig.

Die AVL-Experten führen Sechsergruppen zum über acht Meter hohen Spiegelteleskop, bei jeder Führung sind sie zu dritt. Einer begrüßt die Besucher schräg gegenüber im Borgfelder Landhaus und führt sie eine halbe Stunde lang ins Thema ein. Die beiden anderen erklären den Gästen die Anlage und zeigen wie sie funktioniert. Der Tubus mit dem Teleskop muss mit Kurbelarbeit erst grob und dann fein ausgerichtet werden.

Das acht Meter lange Fernrohr ruht auf einer gabelartigen Holzkonstruktion auf der Besuchergalerie des sieben Meter hohen Turms. Die gesamte Konstruktion lässt sich durch hölzerne Karrenräder auf einem Schienenkreis rund um die Mittelachse des Turms drehen, ein Flaschenzug besorgt die Höhenverstellung des Rohres mit dem großen Hohlspiegel unten und dem Fangspiegel unter dem Okular. Bei klarem Wetter und ruhiger Luft sind nicht nur die Mondkrater, sondern auch die Wolkengürtel auf dem Jupiter mit dem Spiel seiner vier Monde, das Ringsystem des Planeten Saturn oder die Struktur der Sonnenoberfläche zu sehen.

Der Blick auf die Sonne hat Uhden am meisten begeistert. „Durch einen Filter sieht man die Flecken und Protuberanzen, das sind Explosionen am Sonnenrand. Die Sonne sieht man sonst nie so genau. Das ist 'ne tolle Sache.“

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