Unfallstatistik 2020

Weniger Unfälle - aber mehr Todesopfer

Coronabedingt, so die Polizeistatistik, ist die Zahl der Unfälle im Landkreis Osterholz im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Allerdings waren mehr Todesopfer und Schwerverletzte als 2019 zu beklagen.
17.04.2021, 05:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Weniger Unfälle - aber mehr Todesopfer
Von Antje Borstelmann
Weniger Unfälle - aber mehr Todesopfer

Weil sich das Mobilitätsverhalten in Coronazeiten verändert hat, vermeldet die Polizei für das Jahr 2020 deutlich weniger Verkehrsunfälle.

Monika Skolimowska

Landkreis Osterholz. Das gehört zu den positiven Auswirkungen der Pandemie: Die Zahl der Unfälle ist im Landkreis Osterholz in 2020 im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel gesunken. Nach 3017 Unfällen im Jahr 2019 listet die jetzt veröffentliche Unfallstatistik für das vergangene Jahr 2266 Fälle auf. Damit liege man noch über dem Trend im Land: In ganz Niedersachsen sank die Zahl der Unfälle von 218.029 um 15,2 Prozent auf 188.844. Schlussfolgerung der Polizei: „Der Rückgang der Gesamtunfallzahl dürfte in direktem Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen reduzierten Fahrzeugbewegungen stehen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Landkreis Osterholz und Polizeiinspektion Verden/Osterholz.

Allerdings waren die Folgen drastischer als im Vorjahr. Sieben Menschen, und damit vier mehr als 2019, kamen bei Unfällen ums Leben. Diese Unfälle mit schwersten Folgen, darunter auch ein tödlicher Motorradunfall, ereigneten sich alle außerhalb geschlossener Ortschaften. Im Vergleich dazu sank die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer im Land Niedersachsen um fast 15 Prozent; 2020 waren 370 Todesopfer zu beklagen. Kreisweit erlitten 64 Menschen im Straßenverkehr schwere Verletzungen, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr (58). Diese Zahl bewege sich indes um den Mittelwert im Zehnjahresvergleich, heißt es in der Polizeistatistik.

Unfallschwerpunkt Kreisstadt

Unfallschwerpunkt 2020 im Landkreis war die Kreisstadt. Allein 738 aller Kollisionen wurden in Osterholz-Scharmbeck aufgenommen, die Gemeinde Grasberg steht mit 124 Unfällen am Ende dieser Liste.

In der Risikogruppe der „Jungen Fahranfänger und -anfängerinnen“ (18 bis 24 Jahre) registrierte die Polizei im Jahr 2019 noch zehn schwer verletzte oder gar getötete Menschen, diese Zahl ging im vergangenen Jahr auf sechs zurück. Bei den Senioren und Seniorinnen über 64 Jahre stieg der Anteil der Schwerverletzten und Getöteten andererseits auf 15, 2019 waren es noch zwölf. Insgesamt sei in den beiden Gruppen eine zurückgehende Zahl schwerer Unfälle festzustellen. „Trotzdem nehmen wir sie in den Fokus unserer Präventionsangebote und Verkehrskontrollen, um ihre Kompetenzen zu stärken und zu erhalten“, so der Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, Ingo Jans. Auch der Landkreis Osterholz bietet den älteren Führerscheininhabern Unterstützung in Form von Präventionsmaßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel Fahr-Fitness-Checks. Die seien zwar 2020 weniger nachgefragt gewesen als in den Vorjahren, hätten sich aber dennoch mittlerweile gut in der Altersgruppe etabliert, zog der Landkreis ein Fazit.

575 Tempo-Messungen

Schlüsse für die Unfallverhütung ziehen Polizei und Ordnungsbehörden auch stets aus der Analyse der Unfallursachen. Das größte Unfallrisiko besteht laut Statistik beim Wenden oder Rückwärtsfahren (2020: 526 Unfälle). Unangepasstes Fahrverhalten war in 499 Fällen Auslöser für einen Unfall, meistens wurde der Sicherheitsabstand nicht eingehalten (389). 110 Mal waren Unfallbeteiligte zu schnell unterwegs. In diesem Zusammenhang weist die Kreisverwaltung auf 23.695 im Jahr 2020 gemessene Geschwindigkeitsverstöße hin. Bei 575 Messungen wurde festgestellt, dass rund 3,14 Prozent der 954.927 erfassten Fahrzeuge zu schnell waren. Eine diesbezüglich positive Bilanz wurde für den Bereich vor Kitas in Osterholz-Scharmbeck, Schwanewede und Ritterhude gezogen: In der Kreisstadt etwa habe man einen Rückgang der Verstöße gegen Tempo 30 von 5,6 Prozent zu Beginn des Jahres auf 3,6 Prozent Ende 2020 beobachtet, so die Statistiker. In Grasberg sei diese Quote mit 5,3 Prozent nahezu gleich geblieben, in Neu St. Jürgen wurden im Gegensatz dazu im Januar 5,3 Prozent Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt und bei einer Messung im Dezember 10,3 Prozent.

Handynutzung als Unfallursache

Eine Vielzahl von Unfällen führt die Polizei auf Ablenkungen zurück, Stichwort Handynutzung beim Autofahren. Die Anzahl der geahndeten Handyverstöße innerhalb der Polizeiinspektion Verden/Osterholz blieb mit 1194 etwa auf dem Vorjahresniveau von 2019 (1208).

Rückläufig ist der Trend bei Wildunfällen: 490 Zusammenstöße mit Wildtieren wurden 2020 registriert, 24,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Dagegen hat die Zahl der Fälle von Trunkenheit im Straßenverkehr zugenommen: 168 Mal war Alkohol im Spiel, 2019 waren es noch 159 ertappte Alkoholsünder. Die Zahl der anderweitig berauschten Auto- oder Zweiradlenker ist 2020 leicht gesunken. 69 Fahrerinnen und Fahrer standen in einer Polizeikontrolle unter Drogeneinfluss.

Unfallflucht in jedem fünften Fall

2020 sanken die Unfallfluchten um 93 Fälle auf 490 (2019: 597). Das Verhältnis von registrierten Unfällen zu Unfallfluchten ist indes nicht so positiv: im Vergleich zu 2019 eine Zunahme von Fluchten um 1,8 Prozent. In 21,6 Prozent aller gemeldeten Unfälle, also fast jedem fünften Fall im Landkreis, versuchten die Verursacher, sich um die Verantwortung zu drücken. Fast die Hälfte von ihnen wurde allerdings später ermittelt. Die Aufklärungsquote stieg um 4,31 Prozent auf 45,71 Prozent. In den Fällen, bei denen Menschen verletzt wurden, wurden 61,54 Prozent der Unfallfluchten aufgeklärt (2019: 38,3 Prozent).

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+