Noten für Zuverlässigkeit und Sauberkeit in Bus und Bahn gehen nach unten / Allgemeine Zufriedenheit steigt VBN-Kunden sehen Verbesserungsbedarf

Landkreis Osterholz. Im Ausschuss für Verkehr und Ordnungswesen des Landkreises sind jetzt die Ergebnisse des Kundenbarometers für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vorgestellt worden, das im Auftrag des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) erstellt wurde. Im Frühjahr 2010 waren insgesamt 2650 Kunden im VBN-Gebiet telefonisch zu ihrer Zufriedenheit mit dem ÖPNV-Angebot befragt worden, darunter 200 im Landkreis Osterholz. Ergebnis: Die allgemeine Zufriedenheit ist zwar gewachsen, doch gibt es noch etliche Punkte, die als verbesserungswürdig angesehen werden.
17.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Rode

Landkreis Osterholz. Im Ausschuss für Verkehr und Ordnungswesen des Landkreises sind jetzt die Ergebnisse des Kundenbarometers für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vorgestellt worden, das im Auftrag des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) erstellt wurde. Im Frühjahr 2010 waren insgesamt 2650 Kunden im VBN-Gebiet telefonisch zu ihrer Zufriedenheit mit dem ÖPNV-Angebot befragt worden, darunter 200 im Landkreis Osterholz. Ergebnis: Die allgemeine Zufriedenheit ist zwar gewachsen, doch gibt es noch etliche Punkte, die als verbesserungswürdig angesehen werden.

VBN-Geschäftsführer Christof Herr stellte den Kreispolitikern die Ergebnisse der Befragung vor, bei der die Kunden eine Einschätzung spontan aus dem Bauch heraus abgeben sollten. Die Bewertungsskala reichte von eins (vollkommen zufrieden) bis fünf (unzufrieden). "Alles, was bis drei geht, bedeutet, dass die Kunden zufrieden sind. Alles über drei ist als Kritik zu bewerten, es geht in Richtung unzufriedene Kunden", erläuterte der VBN-Geschäftsführer.

Nimmt man diese Einstufung als Grundlage, so sind die Kunden aus dem Landkreis Osterholz mit dem ÖPNV-Angebot allgemein einigermaßen zufrieden. Bei 2,88 lag die Durchschnittsnote, die die Kunden bei ihren Interviews im vergangenen Jahr vergaben. Damit ist die Zufriedenheit im Vergleich zu den Befragungen in den Vorjahren deutlich gestiegen: 1998 lag die Durchschnittsnote bei 3,39, 2006 bei 3,04. Im gesamten VBN-Gebiet gab's die Note 2,75 - was damit zusammenhängt, dass in den Städten das gemeinhin stärker ausgebaute ÖPNV-Angebot besser ankommt. "Die Landkreise holen allerdings auf", berichtete Herr.Das aktuelle VBN-Kundenbarometer hat konkrete Bereiche aufgezeigt, in denen auch nach Einschätzung der Fachleute Verbesserungsbedarf besteht: So haben sich die Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und Sauberkeit in Bussen, Bahnen und Zügen nach Einschätzung der Interviewpartner aus dem Landkreis Osterholz im Vergleich zur Befragung vier Jahre zuvor leicht

verschlechtert - von der Durchschnittsnote 3,06 auf 3,11. Auch in punkto Komfort und Bequemlichkeit ging es bergab - von 2,74 auf 2,96. "Die Fahrzeuge waren im strengen Winter sehr voll. Das hat vielleicht zu dieser Einschätzung geführt. Rein objektiv betrachtet sind mehr moderne Busse im Einsatz als noch 2006", meinte Christof Herr. Gespannt ist man auch darauf, wie sich der Start der modernen Nordwestbahn-Züge in der Region auf die Zufriedenheit der Fahrgäste auswirkt.

Den wohl größten Handlungsbedarf gibt es beim Preis-Leistungsverhältnis und bei der Bewertung des Tarifsystems sowie dem Angebot des Ticketsortiments. Die befragten Kunden des VBN aus dem Landkreis Osterholz gaben bei den ersten beiden Punkten im Schnitt schlechtere Noten als noch 2006 - sie lagen bei 3,61 beziehungsweise 3,43, beim Ticketangebot blieb sie mit 3,06 auf fast dem gleichen Niveau wie vier Jahre zuvor.

Das Resultat hat die Verantwortlichen des VBN nicht wirklich überrascht: Auch bei bundesweiten Umfragen sei es so, dass diese Bereiche regelmäßig am schlechtesten bewertet werden. Was aber nicht heißen soll, dass man nichts zur Verbesserung unternehmen will. So sieht man es unter anderem als eine zentrale Aufgabe an, die Fahrgast-Informationen zu verbessern, Barrieren an Haltestellen und Bahnhöfen abzubauen, die verschiedenen Verkehrsmittel besser miteinander zu verknüpfen und auch weiter in den Fahrzeugpark zu investieren. Auch die Tarife und der Vertrieb gehören zu den zentralen Handlungsfeldern, die man beim Verkehrsverbund ausgemacht hat.

Laut VBN gibt es bereits eine Reihe positiver Beispiele für die Verbesserung des ÖPNV-Angebots im Landkreis Osterholz: Die Einführung der Regio-S-Bahn gehöre trotz aller Schwierigkeiten beim Start dazu, ebenso der gerade begonnene Bau an der Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von Bremen-Borgfeld nach Lilienthal. Eine Angebotsverbesserung hat es auch bei der Buslinie 640 gegeben, auch passiere etwas im Bereich der Haltstellen und Bahnhöfe.

Als Erfolgsgeschichte hat sich die Einführung des Jugendfreizeittickets im Landkreis Osterholz herausgestellt: Von allen Landkreisen im VBN-Gebiet kommen die meisten Dauernutzer aus dem Kreis Osterholz.

Das Qualitätsmanagement der ÖPNV-Unternehmen soll weiter ausgebaut werden: Das Angebot auf einzelnen Linien soll nicht nur getestet werden, sondern die Ergebnisse der Tests sollen in einer Art "Ranking" der Unternehmen veröffentlicht werden. 2013 soll es damit losgehen. Zur Qualitätssteigerung soll auch das Echtzeit-Informationssystem beitragen, das im VBN-Gebiet eingeführt werden soll. An ausgewählten Haltestellen, im Internet, mobil oder per Hotline sollen die Kunden mit einem Blick erfahren, ob Bus oder Bahn pünktlich sind und welche Anschlussmöglichkeiten beim Umsteigen bestehen. An wichtigen Verknüpfungspunkten sollen Anzeigetafeln aufgestellt werden, wie man sie an den Haltestellen in Bremen schon kennt.

Anders als bisher werden dort jedoch nicht nur die Linien der Bremer Straßenbahn aufgeführt, sondern auch die der anderen Bus- und Bahnunternehmen. In der ersten Ausbaustufe werden auch die Elbe-Weser-Verkehrsbetriebe mit den Buslinien 630 und 670 vertreten sein. Eine neue Anzeigetafel soll in Grasberg installiert werden, kündigte Projektleiter Tim Semmelhaack vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen an.

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