Moorhof, Glasmuseum und Eisenbahnfreunde beteiligen sich an der Nacht der Museen / Ideen für neue Aktionen Vergangenheit zum Anfassen

Fackeln beleuchteten die Eichenallee zum historischen Moorhof. Mit lautem Geschrei flogen die Kraniche in ihre Nachtquartiere, hinein in die Moorgebiete, unerreichbar für ihre Feinde. Es war eine besondere Stimmung, die die Besucher des Moorhofes bei der „Nacht der Museen“ empfing. Die hereinbrechende Dunkelheit schien die Gegenwart förmlich mitzunehmen und das Eintauchen in die Geschichte wurde den Besuchern leicht gemacht.
08.10.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriele von Döllen

Fackeln beleuchteten die Eichenallee zum historischen Moorhof. Mit lautem Geschrei flogen die Kraniche in ihre Nachtquartiere, hinein in die Moorgebiete, unerreichbar für ihre Feinde. Es war eine besondere Stimmung, die die Besucher des Moorhofes bei der „Nacht der Museen“ empfing. Die hereinbrechende Dunkelheit schien die Gegenwart förmlich mitzunehmen und das Eintauchen in die Geschichte wurde den Besuchern leicht gemacht.

Wer sich in der langen Nacht der Museen in die Kirchen Gnarrenburgs und Kuhstedts, in das Glasmuseum oder in den Moorhof begab, der brachte Zeit mit. Zeit, um in aller Ruhe zu schauen und sich auf einen Weg in eine andere Zeit zu begeben.

„1828 gehörten 15 Hektar unwirtliche Gegend zu einer Moorstelle. Buchweizen, gepflanzt in die warme Asche des abgebrannten Moores, gehörte zu den Grundnahrungsmitteln“, schilderte Ulrich Hartmann Besuchern des Moorhofes den Beginn der Siedlungen. Die Teilnehmer gaben sich den Bildern hin, die seine Schilderungen erzeugten, den Erinnerungen, die sie wachriefen. Gerade in der kleinen Küche des Moorhofes erkannten viele von ihnen Utensilien wieder. Es war wie eine kleine Entführung in ihre Kinderzeit.

„Der Herd ist noch keine 100 Jahre alt“, erklärte Hartmann. Und auch die siebenjährigen Zwillinge Oliver und Johannes waren begeistert, als sie ein eisernes Waffeleisen in der historischen Küche entdeckten. Gleich forschten sie nach weiteren Gegenständen, deren Zweck sie bereits kannten. „Eine tolle Führung“, meinten Friedrich Pilz und Gisela Mund einhellig.

Auch die Diashow über die Renovierung des Moorhofes kommt bei den Besuchern gut an. Kaum ein Teilnehmer konnte sich vorstellen, wie viel Arbeit und Kosten investiert wurden, um dieses Juwel instand zu setzen und dabei den Charme des Vergangenen zu erhalten. „Das Haus ist so gewachsen. Es stand schon immer hier“, betont Hartmann. Darin sehen die Betreiber des Moorhofes einen klaren Vorteil. Die Allee aus Eichen, die Anordnung der Gebäude, alles ist in der ursprünglichen Form erhalten geblieben.

Bei heißem Apfelsaft wurde noch geklönt, die Zeit spielte an diesem Abend keine Rolle. Die Fahrt durch das neblige Moor zum Glasmuseum hielt die Eindrücke wach, die Vergangenheit war noch immer zu spüren. Während der Moorhof die Besiedlungsgeschichte widerspiegelt, erhielten die Besucher im Glasmuseum einen Einblick in die Industriekultur. Peter Fröhlich war begeistert über die gute Stimmung und die zahlreichen, sehr unterschiedlichen Besuchergruppen. In gemütlicher Atmosphäre informierte Fröhlich über die Glasindustrie, den Grundstein der Besiedlungsgeschichte Gnarrenburgs. „Die Besucher freuten sich, dass wir die Museumsnacht mitgemacht haben“, erzählte er.

Einige Meter entfernt stand im hell beleuchteten Schuppen ein weiterer Zeuge der Vergangenheit. Eine alte Lok mit Waggon, der sich die Bremervörde-Osterholzer Eisenbahnfreunde angenommen haben. In Zusammenarbeit mit dem Glasmuseum haben sich die Eisenbahner entschlossen, ebenfalls zur Nacht der Museen zu öffnen. „Große Erwartungen hatten wir nicht“, sagte Thorsten Adenau, der aus Bruchhausen-Vilsen angereist war, um den Besuchern den Blick in Waggon und Lok zu ermöglichen. Eine Koppelung der Termine mit dem Glasmuseum ergäbe sich fast zwangsläufig, so Adenau. Nur wegen der Glasindustrie sei dieser Bahnhof zu einem der Knotenpunkte des Netzes geworden. Und nun völlig verwaist. „Hier hält nur noch der Moorexpress“, stellte er fest.

Die Eisenbahnfreunde haben sich vorgenommen, etwas zu ändern. Auch der Bahnhof sei ein Stück Vergangenheit, das sie langfristig beleben wollen. Gemeinsam mit dem Glasmuseum könne man eine Atmosphäre schaffen, die eine Vorstellung von den Gründerzeiten ermöglicht. „In den Köpfen ist die Eisenbahn noch da. Viele ältere Besucher erinnerten sich, damit zur Schule gefahren zu sein“, erzählt Adenau. Und schließlich seien die Eisenbahnen eine Domäne für Männer und Jungs.

„Kinder können Waggon und Lok erobern“, zählte er einige Möglichkeiten auf. Man könne aufzeigen, wie die Transportwege zur Zeit der Glashütten waren, welch große Rolle die Eisenbahn dabei spielte. All das liege zurzeit brach und warte nur darauf, wieder zu neuem Leben erweckt zu werden. Das Interesse scheint geweckt.

„Wir sind hochzufrieden. Wir haben mit fast niemandem gerechnet und konnten stattdessen so viele tolle Gespräche führen“, resümierte Adenau. Die Nacht der Museen hat nicht nur die Besucher fasziniert, sondern auch die Eisenbahnfreunde motiviert, hier etwas anzupacken. Gemeinsam mit dem Glasmuseum wird es künftig Veranstaltungstage geben, an denen die Vergangenheit lebendig wird.

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