Bernhard Büsing widmet sich in unterschiedlichen Techniken dem Narciss des römischen Dichters Ovid

Verhängnisvolle Selbstverliebtheit

Worpswede. Narciss ist der schöne und umschwärmte Sohn eines Flussgottes, der alle Verehrer zurückweist. Für seinen Hochmut wird er von der Göttin Nemesis mit unstillbarer Selbstliebe gestraft.
28.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Donata Holz

Narciss ist der schöne und umschwärmte Sohn eines Flussgottes, der alle Verehrer zurückweist. Für seinen Hochmut wird er von der Göttin Nemesis mit unstillbarer Selbstliebe gestraft. Als er in einer Quelle sein Spiegelbild entdeckt und sich verliebt, versucht er sich zu umarmen und ertrinkt dabei. Nach den Erzählungen des Ovid sprießt am Sterbeort des Jünglings eine Narzisse.

Schon seit vielen Jahren regen den Bildhauer und Maler Bernhard Büsing mythologische Geschichten zum künstlerischen Schaffen an. In der Galerie Art 99 zeigt der Künstler jetzt Grafiken, Skulpturen und Malerei zu der Geschichte um Narciss.

In diesen Arbeiten geht es dem Künstler auch darum, das Thema auf gegenwärtige Lebenssituationen zu beziehen. So glaubt er, wie es eine Skulptur deutlich macht, dass „Jeder 3. ein Narcisst“ ist. Davon spricht eine Keramikstele, in der drei Figuren zu einem Körper mit drei Köpfen verschmolzen sind.

In einem Gemälde zeigt Büsing einen jungen Mann, der in einer Großstadtkulisse in einem Boot über einen Fluss fährt und dabei ständig mit seinem Spiegelbild beschäftigt ist. Seine Freundin, die aus einem Fenster auf sich aufmerksam machen will, bleibt unbemerkt.

Von Narciss und Echo erzählt Büsing in einem Bild, mit dem er sich auf einen französischen Maler des 17. Jahrhunderts, Nicolas Poussin, bezieht. Ähnlich wie dieser ordnet er die Figuren an, interpretiert jedoch das Bild mit expressiven Farben und Formen neu. Inhaltlich geht es um die Bergnymphe Echo, die in ihrer Liebe von Narciss abgewiesen wurde und sich schließlich in einen Stein verwandelt. Auch die Göttin Nemesis taucht in vielen der Bilder symbolhaft als geöffnetes Auge auf.Narciss selbst erscheint in immer neuer Gestalt, wofür Büsing unterschiedliche Techniken nutzt. So auch das Aquarell, in dem er ebenso wie in der Ölmalerei mit leuchtenden Farben arbeitet. In einem tiefen Landschaftsraum, in dem aus der Ferne das Auge der Nemesis auf eine Quelle strahlt, hockt der Jüngling, umrissen aus blauen Linien. Neben ihm erhebt sich der Stein der Echo. Büsing überträgt die Geschichte auch ins Weibliche, indem er eine Narcissa schafft.

Vielfältige Drucktechniken

Ins Dreidimensionale holt Büsing die Geschichte wieder, wenn er Narciss auf einer Stele sitzen lässt, die das Wasser symbolisiert, in dem sich die Figur spiegeln kann. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man in einer weiteren Figur unter dem Narcisskopf die Bedeutung des Sockels, der als Spiegelbild aus einem Totenkopf besteht.

Mit dem Spiegelbild setzt sich Büsing in einem Triptychon auseinander, indem er sich selbst mit Hilfe eines Konvexspiegels porträtierte. Die Anregung dazu erhielt er durch ein Bildnis von Parmingianino, einem Maler des 16. Jahrhunderts. So wird das Spiegelbild des Narciss von diesen beiden Selbstporträts flankiert. Hier hat Büsing die Technik des Holzschnittes gewählt und mit zwei Platten gedruckt, was zu einer Differenzierung zwischen feinen und groben Linien führt. Die Vielfalt seiner drucktechnischen Möglichkeiten nutzt der Künstler auch in einer Reihe von farbigen Radierungen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. April in der Galerie Art 99 zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Am zwei Sonntagen, 29. März und 19. April, führt Bernhard Büsing jeweils ab 15 Uhr durch die Ausstellung.

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