Munition und Ablagerungen im Pennigbütteler Moor Verlegung des Mitteldammgrabens verzögert sich

Landkreis Osterholz. Altablagerungen und Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg haben dafür gesorgt, dass sich die geplante Verlegung des Mitteldammgrabens im Pennigbütteler Moor länger als gedacht hinzieht.
07.04.2011, 05:00
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Von Lutz Rode

Landkreis Osterholz. Altablagerungen und Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg haben dafür gesorgt, dass sich die geplante Verlegung des Mitteldammgrabens im Pennigbütteler Moor länger als gedacht hinzieht. Wegen der akuten Probleme konnte die Naturschutzbehörde die Bagger nicht rechtzeitig zum Abschluss der Förderphase für das Naturschutzgroßprojekt Hammeniederung ins Moor schicken. Inzwischen ist die Lage geklärt. Was aktuell noch aussteht, ist die wasserrechtliche Genehmigung für den Bau des neuen Grabens.

Der Mitteldammgraben im nördlichsten Bereich des Naturschutzgroßprojektes Hammeniederung nimmt das Wasser aus den Siedlungsbereichen Pennigbüttels auf. In seinem weiteren Verlauf führt er mitten durchs Naturschutzgebiet, um dann über den Speckgraben in der Beek zu münden.

Die Verlegung des Grabens sehen die Naturschutzfachleute als notwendig an, weil durch ihn die empfindlichen Moorflächen im Schutzgebiet entwässert werden - das Gegenteil von dem, was die Naturschützer erreichen wollen. Nötig ist aus ihrer Sicht die Verlegung aber auch, weil sich dadurch der der Wasserstand im Retentionsraum I über das neu geschaffene Sperrwerk in dem Gebiet besser steuern lässt. Auf diesen Flächen soll bei Bedarf das Wasser gestaut werden, so dass sich dort zum Beispiel Wasservögel in größerer Zahl tummeln können. Zugleich muss gewährleistet sein, dass sich durch die Flutung des Retentionsraumes und dessen Entleerung kein Rückstau bildet.

Bei den Planungen für den neuen Graben machten die Fachleute weniger erfreuliche Entdeckungen: Zunächst fand man eine Reihe von Altablagerungen, die noch aus Zeiten stammen, als man im Moor offenbar größere Mengen Müll entsorgte. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Ablagerungen ungefährlich für die Natur und Umwelt sind. Zusätzlich fand man im Sediment des Mitteldammgrabens Schadstoffe und zudem gab es Hinweise auf Munitionsreste oder gar einen Bombenblindgänger im Boden.

Beides hat vermutlich mit der Tatsache zu tun, dass es während des Zweiten Weltkrieges im Pennigbütteler Moor eine Flakstellung gegeben hat. Die Fachleute vermuten, dass Diesel, der zum Betrieb der Stellung eingesetzt wurde, in den Untergrund gelangt war. Ein eingeschalteter Gutachter riet davon ab, den belasteten Boden abzutragen. Die gefundenen Stoffe - mineralische Kohlenwasserstoffe - seien nicht giftig, und würden sich auf Dauer weiter abbauen.

Die Befürchtung, dass noch Munition im Boden liegt, bewahrheitete sich: Das Ordnungsamt der Kreisstadt schaltete einen Kampfmittelräumdienst ein, der Anfang 2010 das Gebiet unter die Lupe nahm und fündig wurde. Ein Bombenblindgänger wurde bei den Sucharbeiten allerdings nicht entdeckt. "Alle diese Untersuchungen haben Zeit gekostet. Es gab immer wieder Verzögerungen", sagt Johannes Kleine-Büning, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Osterholz. Inzwischen haben die Planer genau festgelegt, wie der neue Graben verlaufen soll. Demnach ist geplant, den Graben an der Westseite des Naturschutzgebietes nach Norden zu führen, unter der Teufelsmoorstraße hindurch. Neu angelegt werden soll ein etwa 250 Meter langer Abschnitt parallel zur Straße, der dann in den Neuen Speckgraben mündet und von da aus dann das Wasser in die Beek leitet

Nach Einwänden von Landwirten sollen die Durchlässe größer werden als zunächst geplant. Die Bauern befürchteten, dass der Wasserspiegel auf ihrem Grünland im Zweifel zu stark ansteigen würde. Auch sollen jetzt mehr Überfahrten als zunächst gedacht für die Gewässerunterhaltung gebaut werden. Das alles macht die Angelegenheit um etwa 70 000 Euro teurer als ursprünglich geplant. Alles in allem sollen sich die Baukosten dann auf 220 000 Euro belaufen.

Der Kreistag gab jüngst sein Okay dafür, die Mehrkosten als überplanmäßige Kosten zu tragen. 90 Prozent davon will die Kreisbehörde wieder hereinholen, indem sie eine Förderung durchs Land beantragt. Der Rest von etwa 7000 Euro soll durch kleinere Umschichtungen bei den Ausgaben und Einnahmen im Haushaltsplan für das Naturschutzgroßvorhaben gedeckt werden.

"Wir sind guter Dinge, dass wir die Finanzierung hinbekommen und bald anfangen können", sagt Naturschutzbehördenleiter Johannes Kleine-Büning. Voraussetzung ist auch, dass die wasserrechtliche Genehmigung für die Verlegung des Grabens erteilt wird. Die Osterholzer Behörde rechnet in Kürze damit.

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