Wachen im Kreis nähern sich der 15 Minuten-Frist an Verwaltung stellt Gutachten vor

Landkreis Rotenburg. Die Gutachter der Firma Forplan sind wieder aktiv geworden. Nach dem umstrittenen Gutachten von 2008, das die Schließung und Verlegung von drei der insgesamt neun Rettungswachen im Landkreis vorgesehen hat, liegt nun ein neues Gutachten vor. Hier wurde untersucht, inwieweit im Kreisgebiet Rotenburg die gesetzliche Vorgabe, Notfälle innerhalb von 15 Minuten zu versorgen, eingehalten wird.
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Von Ulrike Prange

Landkreis Rotenburg. Die Gutachter der Firma Forplan sind wieder aktiv geworden. Nach dem umstrittenen Gutachten von 2008, das die Schließung und Verlegung von drei der insgesamt neun Rettungswachen im Landkreis vorgesehen hat, liegt nun ein neues Gutachten vor. Hier wurde untersucht, inwieweit im Kreisgebiet Rotenburg die gesetzliche Vorgabe, Notfälle innerhalb von 15 Minuten zu versorgen, eingehalten wird.

"Wir sind nicht ganz im gesetzlichen Soll", kommentierte Silke Hinze, bei der Kreisverwaltung verantwortlich für den Rettungsdienst, das Ergebnis, zu dem die Gutachter kommen. Jetzt stellte Hinze im Feuerschutzausschuss die Analyse vor. Als Basis, erklärte sie den Ausschussmitgliedern, wurden die Einsätze aus dem Jahr 2009 genommen, aufgesplittet nach den Rettungsfahrzeugen, die im Landkreis unterwegs sind. Immerhin: Im Jahr 2009 wurde bei 91,2 Prozent der Notfälle die gesetzliche Frist eingehalten. Sachstand des Gutachtens aus dem Sommer 2008 war, dass dies vor zwei Jahren nur bei 86 Prozent der Einsätze der Fall war.

Oder anders gerechnet: Im Schnitt brauchten die Rettungswagen bei allen Einsätzen im Jahr 2007 noch 19,1 Minuten, 2008 waren es 18 Minuten, ein Jahr später 16,9 Minuten. "Wir nähern uns den 15 Minuten an", stellte Silke Hinze klar. Das bedeutet aber auch, dass einige Wachenstandorte im Schnitt weniger als 15 Minuten brauchen, um Notfälle zu versorgen, manche mehr. In Gnarrenburg liegt der Mittelwert beispielsweise bei 18,5 Minuten. Die Tarmstedter waren 2009 im Schnitt schneller bei den Notfällen (17,5 Minuten) als noch im Jahr zuvor (19 Minuten).

Vergleicht man die Orte der Einsätze - 2009 waren es insgesamt etwa 14000 - so wird eines deutlich: Wo die Wachenstandorte sind, kommt es eher zu Zeitüberschreitungen als in den Randgebieten. Das hat einen Grund, wie Henri Blanken (CDU) anhand eines Beispiels verdeutlichte: Ist zum Beispiel das in Tarmstedt stationierte Fahrzeug unterwegs mit einem Krankentransport, muss im Notfall ein Fahrzeug von einer anderen Wache aus nach Tarmstedt fahren. Hinze bestätigte, dass es genau in solchen Fällen zu den Zeitüberschreitungen komme. Allerdings gebe es laut Gutachten noch weitere Gründe dafür, dass die 15-Minuten-Frist nicht eingehalten werden kann.

Da sei beispielsweise die Dispositionszeit. Die Mitarbeiter der Leitstellen seien zwar angehalten, innerhalb von einer Minute Notrufe weiterzuleiten. Allerdings hätten die Mitarbeiter oft mit aufgeregten Menschen zu tun. "Es ist klar, dass bei einer aufgeregten Mutter, die den Notruf absetzt, die Informationsabfrage länger dauern kann", machte Hinze deutlich. Auch für die Ausrückzeit ist im Schnitt eine Minute vorgesehen. "Hier tut sich viel", kommentierte Hinze den Stand der Dinge. "Wir sind auf einem guten Weg. Die Zeiten wurden bereits deutlich abgesenkt."

Das bedeutet, dass die Einsatzwagen immer weniger Zeit benötigen, um auszurücken. Weitere Gründe sind die Erreichbarkeit, zum Beispiel in Randgebieten der jeweiligen Abschnitte, die die einzelnen Wachenstandorte betreuen, sowie die so genannten Duplizitätsfälle, bei denen das zuständige Fahrzeug unterwegs ist und ein anderes einspringen muss. "Das dauert und verlängert die Anfahrtszeit", stellte Hinze klar.

Beeindruckt zeigte sich der Sittenser Allgemeinmediziner Heiko William von den Zahlen des Gutachtens. "Eine Verbesserung um so viele Prozentpunkte ist ja fast eine Punktlandung", warf er ein.

Bestandteil der Neuordnung des Rettungsdienstes im Kreis ist auch, dass die Rettungswachen in Lauenbrück, Sittensen, Visselhövede und Zeven ihre Standorte innerhalb der Ortschaft wechseln, um schneller unterwegs zu sein.

Hierzu gab Silke Hinze ebenfalls dem Feuerschutzausschuss einen Sachstandsbericht, die notwendigen Immobilien seien bereits erworben oder vermietet und müssten nun noch für die Bedürfnisse der Einsatzkräfte umgebaut werden. Unterstützt werde der Landkreis dabei von einer Planungsfirma. Bei der nächsten Feuerschutzausschusssitzung im Mai sollen die Ergebnisse präsentiert werden.

Um die Kommunikation der Rettungsdienstfahrzeuge zu gewährleisten, soll zudem ein neues Funkdatenmodul getestet werden, das über mehrere Funktionen, zum Beispiel Navigation oder Routing verfügt. So habe die Leitstelle einen Überblick, wo sich das Fahrzeug befindet. Der Ausschuss sprach sich bei einer Enthaltung dafür aus, ein Gerät zu testen.

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