Minishetlandponys wurden einst in englischen Kohlegruben eingesetzt / Familie Recker züchtet die Kleinpferde auf ihrem Hof in Huxfeld Viel mehr als dumme Rasenmäher

Die Huxfelder Janet und Günter Recker haben sich der Zucht von Minishetlandponys verschrieben. Die genügsamen und robusten Pferde wurden einst in englischen Kohlegruben eingesetzt.
17.05.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Von Der Decken

Die Huxfelder Janet und Günter Recker haben sich der Zucht von Minishetlandponys verschrieben. Die genügsamen und robusten Pferde wurden einst in englischen Kohlegruben eingesetzt.

Grasberg. Wenn sie mit ihnen auf Augenhöhe sein will, dann muss die Huxfelder Züchterin Janet Recker in die Knie gehen, denn ihre Minishetlandponys haben nur ein Stockmaß von maximal 87 Zentimetern. Und so sind Pferdestall wie auch Zubehör der acht Minishetties von Günter und Janet Recker in Liliputgröße. Als Frohnaturen, die alles mitmachen, charakterisiert die Huxfelderin ihre Pferdezwerge. "Der Mensch verbindet mit Pferden automatisch das Reiten. Minishetties bieten aber soviel, dass man das Reiten darüber vergisst", erklärt Janet Recker ihre Begeisterung für die kleinen Pferde, von der auch Ehemann Günter infiziert wurde.

Als Beistellpferd kam Winnie Puuh 2005 auf den Huxfelder Hof, damit das deutsche Reitpony nicht so einsam war. Janet Reckers Befürchtungen, dass der Wallach die Minishetlandstute mit einem Hund verwechseln könnte, bewahrheitete sich nicht, denn er entwickelte gegenüber der kleinen Stute Muttergefühle. War die Anwesenheit von Winnie Puuh ursprünglich zeitlich begrenzt, sprang der Funke bei Janet Recker schnell über. "Die kleine Stute machte soviel Spaß, davon brauchen wir mehr", hieß es nach kürzester Zeit. Und so wurden daraus acht Minishetties, mit denen die Huxfelder mittlerweile erfolgreich züchten.

"Eines sind sie sicher nicht und zwar dumme Rasenmäher", sagt Günter Recker. Denn von zu viel Gras bekommen die Pferdezwerge Hufrehe. Aus diesem Grund stecken Reckers viel Zeit und Überlegung in das Weidemanagement ihrer Ponys. Die während der industriellen Revolution in England im Untertageabbau eingesetzten Kleinpferde seien sehr unterschätzt, so die Huxfelder Züchter. "Das verdienen sie nicht." Mit ihrer liebevollen Art und Ausstrahlung, so Janet Recker, sorgen sie jeden Tag aufs Neue dafür, dass ihr das Herz aufgeht. Sie beschreibt sie als lebendige Wesen, die bezaubern.

Zum ersten Mal in der Region stellen die Huxfelder Züchter ihre Ponys disen Sommer auf der Tarmstedter Ausstellung im Rahmen der Stutenschau der Interessengemeinschaft der Shetlandponyzüchter und Liebhaber (IGS) aus. Denn bislang nahmen die Huxfelder weite Wege auf sich, um ihre Kleinpferde bei Hengstkörungen und Stutenschauen vorzuführen. Mit ihrer Staatsprämienstute und Siegerstute der Bezirksstutenschau Zillia und der daraus gezogenen einjährigen Zantia vom Dannbarg besuchen sie die Stutenschau in Tarmstedt.

Züchten ist für Janet und Günter Recker mit Verantwortung verbunden. Und so werden ihre Stuten zur Vermeidung von Inzucht nicht nur von ihrem gekörten Ponyhengst Stewart gedeckt. Der erhielt bei der Körung und Hengstschau die Wertnote 8,5 und steht als Deckhengst auch anderen Stuten zur Verfügung. Die in Huxfeld gezogenen Minishetties tragen als eine Hommage an ihre Heimat das im englischen "Central Prefix Register" eingetragene Suffix "vom Dannbarg" wie die einjährige Stute Zantia vom Dannbarg.

Die Intelligenz ihrer kleinen Pferde beeindruckt die Huxfelder Züchter immer wieder aufs Neue. So hilft der dreijährige Ponyhengst Tamino vom Dannbarg beim Aufräumen seiner Weide kräftig mit, indem er Birkenzweige aufsammelt und dafür eine Belohnung erwartet. Den leeren Eimer, in dem sich sonst Leckereien befinden, bringt er in der Hoffnung auf mehr. Als geeignet für angstfreien Erstkontakt mit gutartigem Temperament, Familiensinn und Verantwortungsgefühl beschreibt die Huxfelder Züchterin liebevoll ihre Shetties. Nur wenn Shetlandponys unterfordert sind, werden sie störrisch und bockig und erfüllen alle gängigen Klischees, so Familie Recker. Wer glaubt, weil Minishetties so klein sind, seien auch die Kosten besonders gering, der irrt gewaltig. Ob Tierarzt oder Hufschmied, die Kosten sind denen eines Großpferdes vergleichbar.

Mit dem Reiten haben Günter und Janet Recker mittlerweile komplett aufgehört, vermissen es aber überhaupt nicht. Denn ihre Ponys wollen beschäftigt werden. Reckers gehen mit ihren kleinen Pferden spazieren, spannen sie vor einen leichten Sulky oder im Winter vor den Schlitten.

Das Tierschaugelände der Tarmstedter Ausstellung steht in diesem Juli einen ganzen Tag lang ganz im Zeichen der Shetlandponys. Aus dem gesamten norddeutschen Raum von Mecklenburg-Vorpommern bis Nordrhein-Westfalen kommen Züchter mit 80 Stuten und Fohlen zur zehnten bundesoffenen Interessengemeinschaft Shetlandponystutenschau Nord, die gemeinsam mit dem Bezirksverband Stade der Pony- und Kleinpferdezüchter Hannover veranstaltet wird. Mit der ersten Teilnahme der IGS an der Tarmstedter Ausstellung verbindet Werner Bredehöft, erster Vorsitzender der Regionalgruppe Hannover, gleichzeitig die Hoffnung, den Besuchern und Pferdeexperten die Vielseitigkeit der Shetlandponys zu vermitteln. Eine Station der traditionellen IGS-Tour, einer Turnierveranstaltung mit Shetlandponys, liegt in diesem Jahr auf dem Tarmstedter Ausstellungsgelände. Hier zeigen sich die kleinen Pferde unter dem Reiter, vor dem Sulky und an der Hand im Hindernisparcours, auf der Trabstrecke und bei Geschicklichkeitsaufgaben im Trailparcours.

Viel mehr als dumme Rasenmäher

Minishetlandponys wurden einst in englischen Kohlegruben eingesetzt / Familie Recker züchtet die Kleinpferde auf ihrem Hof in Huxfeld

Zitat:

"Die kleine Stute

macht uns

viel Spaß."

Janet Recker, Züchterin

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