Seniorenbeirat hat vier Lebensmittelgeschäfte getestet: Alle werden als "Generationenfreundlich" ausgezeichnet Viel Platz für Kinderwagen und Rollstühle

Worpswede·Grasberg. Die Seniorentester kamen unangemeldet wie normale Kunden. Sie sahen sich im Laden um und stießen auf freundliche, hilfsbereite Verkäuferinnen und Verkäufer. Später klappten die Senioren Zollstöcke auseinander, um die Breite der Gänge und Türen zu messen. 58 Fragen enthielt der Prüfbogen für "Generationenfreundliches Einkaufen". Der Aufwand hat sich gelohnt - auch für die Geschäfte. Heute bekommen die Aktivmärkte in Worpswede und Grasberg, der "Hol ab"-Getränkemarkt im Künstlerdorf und die Bäckerei Behrens die begehrten Plaketten.
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Von Michael Wilke

Worpswede·Grasberg. Die Seniorentester kamen unangemeldet wie normale Kunden. Sie sahen sich im Laden um und stießen auf freundliche, hilfsbereite Verkäuferinnen und Verkäufer. Später klappten die Senioren Zollstöcke auseinander, um die Breite der Gänge und Türen zu messen. 58 Fragen enthielt der Prüfbogen für "Generationenfreundliches Einkaufen". Der Aufwand hat sich gelohnt - auch für die Geschäfte. Heute bekommen die Aktivmärkte in Worpswede und Grasberg, der "Hol ab"-Getränkemarkt im Künstlerdorf und die Bäckerei Behrens die begehrten Plaketten.

"Ausgezeichnet Generationenfreundlich" steht auf dem Aufkleber, der für die Eingangstüren bestimmt ist. Dazu gibt es eine Urkunde der Landesinitiative Niedersachsen Generationenfreundlicher Alltag (LINGA). Zwei Jahre gilt die Zertifizierung. Danach müssen sich die Geschäfte erneut testen lassen. Der Worpsweder Seniorenbeirat hat die Tester in die Läden gschickt. Zu zweit oder dritt sind Günther Wrieden und Hermann Tietjen, Helga Eibers, Irma Stelljes und Erika Steffens losgezogen. Im Sommer waren sie geschult worden, bei einem Tagesseminar der LINGA in Gnarrenburg.

"Dann haben wir 13 Lebensmittelgeschäfte in der Gemeinde Worpswede angeschrieben", berichtet Günther Wrieden, der Schriftführer des Seniorenbeirats. "Vier haben sich bereit erklärt für den Test." Alle haben die Kriterien erfüllt. Dazu gehören stolperfreie Fußwege vom Parkplatz zum Laden und breite Eingänge ohne Treppenstufen oder andere Barrieren, offene oder leicht zu öffnende Türen und ein rutschfester, spiegelfreier Boden im Laden. Im Geschäft muss es eine Anlaufstelle für Fragen und Beschwerden geben. In den Hauptgängen, an Kassen und Verkaufstresen ist eine Mindestbreite von 90 Zentimetern vorgegeben.

Das kommt nicht nur Rollstuhlfahrern und Menschen mit Rollatoren entgegen. "Auch für eine junge Mutter mit Kinderwagen muss genug Platz da sein", sagt Günther Wrieden. Die Preisschilder an Regalen müssen gut lesbar sein. Das sind sogenannte A-Kriterien, die von den Firmen allesamt erfüllt werden müssen. Um die Plakette zu bekommen, brauchen die Läden darüber hinaus Zusatzpunkte. Freundliches, hilfsbereites Personal hilft ihnen beim Punktesammeln ebenso wie gut gekennzeichnete Waren- und Produktbereiche, ein Hol- und Bringservice, Kinderspielecken und Sitzgelegenheiten. Für Läden mit mehr als 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist eine Kundentoilette als A-Kriterium Pflicht, kleineren Läden bringt es Zusatzpunkte. Unterm Strich müssen 70 Prozent aller für das Geschäft erreichbaren Punkte stehen.

Bei Uwe Bischoff, Geschäftsführer der Aktivmärkte in Worpswede, Grasberg und Lilienthal, rannten die Senioren offene Türen ein. "Er war sehr interessiert und hat uns gebeten, auch den Aktivmarkt in Grasberg zu testen". Das haben die Worpsweder Seniorentester nach Absprache mit Grasbergs Seniorenbeirat getan. "Der Geschäftsführer der Aktivmärkte ist sofort auf den Zug aufgesprungen", bestätigt der Seniorenbeiratsvorsitzende Hans-Erdmann Holm. Schon beim Bau des neuen Markts im Künstlerdorf seien viele Vorschläge der Seniorenvertreter berücksichtigt worden.

"Das war ein erstes Highlight"

Holm zieht eine positive Bilanz der gesamten Aktion: "Das war ein erstes Highlight. Wir nehmen unsere ehrenamtliche Aufgabe mit Herzblut wahr." Jetzt setzt der Vorsitzende des Seniorenbeirats auf den Werbeeffekt und die Mund-zu-Mund-Propaganda. "Wenn die ersten Geschäfte das Siegel an der Haustür haben und wenn es dann in den Köpfen der Menschen ist, werden sie in diesen Geschäften bevorzugt einkaufen." Nach ersten Erfahrungen der Landesinitiative sei die Plakette umsatzfördernd. Holm hofft, dass sich weitere Firmen für die Auszeichnung "Generationenfreundlich" interessieren. Die Unternehmen können sich bei Holm (Telefon 04792/4749, Fax 04792/951657, Mail hans-erdmann.holm@worpswede.de) oder im Worpsweder Rathaus bei Uwe Buck (Telefon 04792/31230, Fax 04792/31239, Mail u.buck@gemeinde-worpswede.de) melden. "Man könnte auch mit anderen Bereichen weitermachen, zum Beispiel mit

Schuhläden", sagt der Schriftführer und Seniorentester Günther Wrieden. Noch sei der Test für die Firmen kostenlos, betont Hans-Erdmann Holm. Das gelte im nächsten Jahr nur noch für kleinere Einzelhandelsgeschäfte.

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