Volksbank-Bilanz

Stabiler Aufwärtstrend

Die Volksbank Osterholz Bremervörde ist gut durchs erste Corona-Jahr gekommen. Der Vorstand präsentierte Zahlen einer robusten Geschäftsentwicklung. Der Reingewinn ist mit 1,9 Millionen Euro so hoch wie 2019.
26.03.2021, 05:55
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Stabiler Aufwärtstrend
Von Bernhard Komesker

Landkreis Osterholz. „Durchaus zufrieden“ - so lautete die Formulierung im Manuskript von Vorstandssprecher Jan Mackenberg, der am Mittwoch die Jahresbilanz der Volksbank Osterholz Bremervörde präsentierte. Doch in der Pressekonferenz wählte Mackenberg spontan die Worte, sein Haus sei mit dem Wirtschaftsjahr 2020 „sehr zufrieden“. Der Volksbank-Chef weiß: Ein Überschuss auf dem Niveau des Vorjahres und stattliche Wachstumsraten im Anlagen- und Kreditgeschäft sind nach einem Jahr Corona - zumindest als Momentaufnahme - allemal bemerkenswert.

„Es gibt Indizien, dass wir bisher ganz gut durch die Krise kommen, bei aller Vielschichtigkeit im Umfeld“, sagte Mackenberg und bezog die Firmen- und Privatkunden der Bank in dieses Wir mit ein. Für die insgesamt 65.580 Kunden habe es zum Jahreswechsel etwa 100 Tilgungsaussetzungen für private und gewerbliche Darlehen gegeben. Die Beratung zu Förder- und Stundungsmöglichkeiten wirke ebenso segensreich wie der recht robuste Arbeitsmarkt samt Kurzarbeitergeld. Derweil wurden für 37 Geschäftskunden Hilfskredite über insgesamt gut zehn Millionen Euro zugesagt.

Zwar spreche jeder vierte Betrieb im Elbe-Weser-Raum von einer schlechten oder bedrohlichen Geschäftslage. Doch einen akuten Corona-Crash sieht Mackenbergs Vorstandskollege Mathias Knoll im Nahbereich nicht heraufziehen. „Im Moment tut sich insgesamt nicht viel, aber es ist auch nicht viel Risiko im Markt unterwegs.“ Bürger und Betriebe fahren angesichts ungewisser Prognosen und Pandemie-Beschränkungen auf Sicht. Knoll nannte als weitere Unwägbarkeiten die Stabilität von Lieferketten und die offene Frage der Rückzahlungen. „Was es an staatlichen Hilfen gab, das wird irgendwann zu begleichen sein“, unterstrich Jan Mackenberg im Hinblick auf die Volkswirtschaft.

Reingewinn kaum verändert

Für die Volksbank rechne er im laufenden Jahr abermals mit einem Jahresüberschuss wie 2020: Rund 1,9 Millionen Euro seien es nach Steuern gewesen. Ein rückläufiges Zinsergebnis von nun noch 24,1 Millionen Euro bleibt dabei der Schönheitsfehler in einer ansonsten stolzen Bilanz. Knoll zufolge betrug der Rückgang beinahe 0,5 Prozent, wobei 325.000 Euro an Negativzinsen schon eingepreist seien, die man als Volksbank zu entrichten hatte.

Mehr als nur wettgemacht wird der Makel freilich durch ein weiter brummendes Provisionsgeschäft, das nach Volksbank-Prognosen auch 2021 stabil wachsen dürfte. Im Berichtsjahr trugen Vermittlung, Karten, Zahlungsverkehr nicht unwesentlich zum Anschwellen der Bilanzsumme auf nun rund 1,53 Milliarden Euro bei - ein Plus von fast 7,5 Prozent.

Zulauf von Anlegern

Auf der einen Seite floss der Volksbank dabei wieder allerhand Kapital zu. Obwohl sie per Saldo 323 Kunden verlor, kletterten die Kundeneinlagen um 7,8 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Wegen des allgemein niedrigen Zinsniveaus legten Wertpapiere trotz temporärer Verluste ordentlich zu: 969 Neukunden im Fondsgeschäft machten ihn „extrem stolz“, gestand der Volksbank-Vorstand. Inzwischen biete man Privatanlegern, die eine Alternative zum Sparbuch suchen, verschiedene Modelle und Hilfen bei der Depotverwaltung an - online und analog.

Hinzu kommt: Auch die Mitgliederzahl klettert weiter. Inzwischen haben 29.105 Kunden auch Geschäftsanteile gezeichnet. Sie genießen Vorzugsprogramme und können neuerdings - je nach Dauer und und Breite ihres Engagements - zusätzliche Beteiligungsscheine kaufen. In der Vergangenheit war das eine lohnende Anlage; nur im Vorjahr wurde - auf Empfehlung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht - wegen Corona ausnahmsweise keine Dividende ausgeschüttet. Wie es diesmal läuft, entscheidet die digitale Vertreterversammlung am 22. Juni.

Kredite wachsen langsamer

Auf der anderen Seite legten auch die bilanzwirksamen Kundenkredite zu, und zwar um gut 2,4 Prozent auf fast 1,1 Milliarden Euro. Im Firmenkundenbereich, so Mackenberg, deuten 104,3 Millionen Euro Neukredite und Prolongationen jedenfalls auf unternehmerische Perspektiven hin. Die Baufinanzierung glänzte einmal mehr mit einem starken Neugeschäft. Außerdem zeigten 1144 vermittelte Bausparverträge, dass auch dieses Segment wegen der öffentlichen Förderung und der Zinssicherung weiter interessant sei. „Sehr erfreulich“ seien ferner 982 neu abgeschlossene Sachversicherungsverträge. Nachdem die Modernisierungsmessen 2020 und 2021 abgesagt werden mussten, soll es nun im Mai eine Finanzierungswoche mit Sonderkrediten für Neu- und Umbauten geben.

Nimmt man die vermittelten Verträge, Kredit- und Anlagegeschäfte der Verbundpartner (R + V Versicherungen, Union Investment, Schwäbisch Hall) hinzu, dann betreuen die 260 Beschäftigten der Volksbank Osterholz Bremervörde inzwischen ein Kundenwertvolumen von 3,25 Milliarden Euro. Das weitgehend brachliegende Veranstaltungsgeschehen hat nach den Worten von Mathias Knoll die Ausgabenseite entlastet: an Marketing- und Verwaltungsausgaben sparte die Volksbank im ersten Pandemiejahr rund 300.000 Euro gegenüber 2019 ein.

Neue Handlungsfelder

Zugleich schafft sich das Haus neue Standbeine und Geschäftsfelder: Ein Beitrag zu Imagepflege und Nachhaltigkeit sind seit gut einem Jahr die neuen Ladesäulen für Elektroautos, die den Kunden von Volksbank und Stadtwerken finanzielle Vorteile bieten. Zu den Ladepunkten auf den Bank-Parkplätzen in Osterholz-Scharmbeck, Lilienthal, Hambergen, Grasberg, Wallhöfen, Pennigbüttel und Neuenkirchen sollen in Kürze weitere in Gnarrenburg, Bremervörde und Oerel hinzu kommen.

Nicht zuletzt ist da der Immobilien-Sektor: Seit einiger Zeit schon betätigen sich die Volksbank-Tochter VBI und ihr Partner Pro-SB als Vermittler und Händler von Häusern und Wohnungen. Seit Jahresbeginn kommt nun die Liegenschaftsverwaltung hinzu: Für Eigentümer und Eigentümergemeinschaften biete man Komplettpakete rund ums Haus an, von Reparatur und Instandhaltung bis hin zur Mietshaus-Abrechnung.

Info

Zur Sache

Digitalisierung - Wettbewerb - Bürokratie

Das Digitalgeschäft brummt, erst recht seit Corona. Immer mehr Kunden entscheiden sich für digitale Bankgeschäfte, zahlen kontaktlos, kommunizieren per Mail und Telefon. Im Pandemiejahr gab es ein Drittel mehr Online-Freischaltungen, sodass inzwischen jeder zweite Kontoinhaber digitale Wege beschreitet. „Der Kunde entscheidet, Bargeld ist nun mal auf dem Rückmarsch“, sagt Volksbank-Vorstand Jan Mackenberg dazu. Er betont: Die Volksbank betreibe den Prozess nicht aktiv, etwa über ihre Gebühren, sondern sie reagiere darauf. Das sei durchaus ein Spagat, denn die persönliche Nähe sei ja auch von großem Wert. Liefe alles nur digital, dann verlöre man die Kontaktpunkte zum Kunden. „Wir möchten da einen gesunden Mix.“

Vier zentrale Einflussfaktoren bestimmen laut Mackenberg die künftige Geschäftsentwicklung ganz maßgeblich: Niedrigzins und Wettbewerbsdruck sorgen dafür, dass alte Geschäftsmodelle kaum noch funktionieren und auch Negativzinsen nicht kategorisch auszuschließen seien. Da komme es auf Mitbewerber und die Zentralbanken an. Hinzu kommen die Regulatorik der Aufsichtsbehörden und ausufernde Vorgaben durch den Verbraucherschutz.

Auf Nachfrage erläutert Mackenberg, das Kleingedruckte in den Geschäftsbedingungen und Aufklärungsdokumentationen trage nicht etwa zu mehr Mündigkeit für Otto Normalverbraucher bei; es sei im Gegenteil kaum noch nachzuvollziehen und darum zunehmend ein Hemmnis. „Wir haben schon immer auf eine langfristige und vertrauensvolle Kundenbeziehung gesetzt.“ Zu einem ehrlichen Bankgeschäft gehöre seit eh und je, dem Kunden nichts zu verkaufen, was er nicht will.

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