Die Plattsnackers ut Grasberg heilen sogar ein Iokaste-Syndrom Vom Muttersöhnchen zum Mann

Lilienthal-Worphausen. Mutter Lisbeth hatte es ja gleich gesagt: 'Froonslüe bringen bloots Unfreden in?t Huus.' Das kann Muttersöhnchen Ludger nur bestätigen. Aber merkwürdig - irgendwann, ganz plötzlich, beginnt er die Unruhe, die Heidi ins Haus bringt, zu lieben. Vielleicht, weil sie nicht nur ins Haus, sondern auch in sein Herz Unruhe bringt? Die Antwort wird derzeit auf der Bühne des Niels-Stensen-Hauses gegeben.
19.10.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von johannes kessels

Lilienthal-Worphausen. Mutter Lisbeth hatte es ja gleich gesagt: 'Froonslüe bringen bloots Unfreden in?t Huus.' Das kann Muttersöhnchen Ludger nur bestätigen. Aber merkwürdig - irgendwann, ganz plötzlich, beginnt er die Unruhe, die Heidi ins Haus bringt, zu lieben. Vielleicht, weil sie nicht nur ins Haus, sondern auch in sein Herz Unruhe bringt? Die Antwort wird derzeit auf der Bühne des Niels-Stensen-Hauses gegeben.

Dort feierten die Plattsnackers ut Grasberg in der gut besetzten ehemaligen Kapelle die Premiere ihres Stückes 'Een Kur för twee' von Helmut Schmidt. Mutter Lisbeth (Marion Peper), verwitwet und mit strengem Dutt, hat nur noch ein Ein und Alles: ihren Sohn Ludger (von Jens Bullwinkel wunderbar trottelig gespielt).

Dass der bereits 30 Jahre alt ist, mag man kaum glauben. Nun aber muss Mutter zur Kur, noch einmal essen sie gemeinsam zu Mittag ('man spricht nicht mit vollem Mund!'), und von nun an wird Tante Thekla, Lisbeths Schwester, für den Jungen sorgen.

Das erledigt Waltraud Peters sehr resolut und temperamentvoll. Vorbereitet ist bereits alles, auf Ludgers Unnerbüxen hat Lisbeth sogar Schilder genäht, an welchem Tag sie getragen werden müssen. Sie kann also, wenn auch immer noch in Sorge um ihren geliebten Sohn, das Taxi bestellen (an einem Telefon mit Wählscheibe), die letzten Anweisungen geben ('un dat du di morr?ns orntlich kämmen deist - un laat de Finger weg vun de Froonslüe!'), und schon kommt Tante Thekla angebraust. Da kommt aber noch jemand - zum Glück räumt Thekla gerade Ludgers Zimmer auf. Heidi, von Melanie Kück anfangs ein wenig zurückhaltend, dann aber mit immer mehr Schwung gespielt, muss mal dringend telefonieren. Dabei hört Ludger, dass ihr einiges schiefgegangen ist, und nach einiger wechselseitiger Verlegenheit rückt sie damit heraus, dass sie in Bremen ein Psychologiestudium beginnen will. Aber die Familie, bei der sie vorerst unterkommen wollte, ist verreist. Das passt ja prächtig, bei Ludger zu Hause ist doch

gerade ein Zimmer frei! Aber was wohl seine Mutter dazu sagen wird, dass eine fremde und dann auch noch junge und hübsche Frau in ihrem Bett schläft?

BH gibt Rätsel auf

Schon bald fragt Ludger gar nicht mehr danach, vor allem nicht am Sonntagmorgen nach einer langen Disconacht mit Heidi, wo er feststellte, dass nicht nur seine geliebten Kastelreuter Spatzen gute Musik machen. Aber dass er erst um halb zehn aus dem Bett kriecht, kann Tante Thekla ja gar nicht glauben. Nachbarin Janette (Erika Schnaars) ist da toleranter, aber der BH mitsamt String-Tanga, den die Tante im Wäschebeutel gefunden hat, gibt ihr dann doch zu denken. Trägt Ludger etwa die Wäsche seiner Mutter?

Dass mit Ludger etwas nicht stimmt, hat Heidi auch schnell gemerkt, und als angehende Psychologin weiß sie auch, was es ist: Lisbeth leidet am Iokaste-Syndrom - das Verhältnis zwischen Ödipus und seiner Mutter Iokaste war allerdings doch etwas anders als das zwischen Ludger und Lisbeth. Dagegen gibt es ein Mittel: Ludger die Augen verbinden und ihn sich vorstellen lassen, was er macht, wenn er von einem großen, starken Mann bedroht wird.

Zur Steigerung seiner Imagination gibt?s ?n Backs, da lernt Ludger endlich, sich selbst zu wehren. Und da können die beiden auch gleich eine Party zu zweit feiern; als Luftschlagen eignen sich Klopapierrollen ganz vorzüglich, aber dass man auf einer Party nicht nur Orangensaft trinkt, muss Ludger erst lernen. Dann aber klappt es mit dem Tanzen auf dem Tisch schon ganz gut, auch wenn Heidi natürlich viel beweglicher ist. Nur schade, dass Lisbeth unangekündigt und eine Woche zu früh in die Party hineinplatzt.

Nachdem sie sich von ihrem Nervenzusammenbruch erholt hat, ist sie wie umgewandelt. Ludger soll Sekt kaufen, er soll ins Kino gehen, statt immer zu Hause bei ihr zu hocken. 'Was haben die in der Kur denn mit meiner Mutter gemacht?', wundert er sich. Die Antwort erscheint plötzlich von hinten aus dem Zuschauerraum: Dieter (Andreas Rippert), geschniegelt und gebügelt und im Laufe der weiteren Handlung durchaus mit ernsten Absichten.

Weitere Spieltermine von 'Een Kur för twee' sind am 24. (9 Uhr), und 31. Oktober (15 und 20 Uhr) sowie am 7. (20 Uhr), 14. und 21. November (jeweils 9 Uhr) im Niels-Stensen-Haus, Worphauser Landstraße 55. Kartenbestellungen sind unter www.plattsnackers.de oder bei Waltraut und Wolfgang Peters, Telefon 04298/3465 (ab 16 Uhr) möglich.

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