Neue Entgeltsatzung für Ritterhuder Gemeindebücherei trägt dem Wandel Rechnung / Ausschuss stimmt dafür Vom reinen Bildungsort zum Treffpunkt

Vor zwölf Jahren haben sich Politik und Verwaltung zuletzt mit der Satzung der Ritterhuder Gemeindebücherei befasst. Seitdem hat sich vieles im Bereich Medien getan. Zeit, sich des Themas erneut anzunehmen, befanden sie.
28.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Vom reinen Bildungsort zum Treffpunkt
Von Brigitte Lange

Vor zwölf Jahren haben sich Politik und Verwaltung zuletzt mit der Satzung der Ritterhuder Gemeindebücherei befasst. Seitdem hat sich vieles im Bereich Medien getan. Zeit, sich des Themas erneut anzunehmen, befanden sie.

Die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur haben bereits ihr Okay gegeben. Sie befürworten die Änderungen der Benutzungs- und Entgeltsatzung für die Ritterhuder Gemeindebücherei, die ihnen von der Verwaltung jetzt präsentiert wurde. Mehr Einnahmen werden dadurch wohl nicht generiert. Denn der Deckungsgrad – also der Kostenanteil, der über Einnahmen abgedeckt werden kann – wird sich durch die neue Entgeltsatzung nicht wesentlich verändern. Er bleibt bei unter zehn Prozent. „Die ganze Änderung hat also nur einen pädagogischen Sinn?“, hakte daher Dorothea von Rex-Gröning (CDU) nach.

Die Antwort der Verwaltung darauf lautete im Großen und Ganzen: Ja. Zwar hatte der Landkreis Osterholz die Gemeinde Ritterhude darauf hingewiesen, dass das kommunale Abgabengesetz verlange, die Gebühren in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Und das hat sich die Gemeinde nun auch alle drei Jahre vorgenommen. „Aber da es sich um ein kulturelles Angebot handelt, ist dies ein hochdefizitärer Bereich“, erklärte Ute Schmidt, Leiterin des Sachgebiets Bildung, Kultur und Freizeit.

Die Kosten für die Bücherei durch deren Einnahmen zu decken, sei somit auch nicht vorrangiges Ziel der Entgeltänderung. Die Verwaltung hat dabei mehr das Angebot der Bücherei im Blick – und damit auch die Frage, ob das Angebot den Wünschen der Nutzer entspricht, die in der neuen Satzung übrigens Kunden genannt werden. Denn: „Die Rolle der Bücherei hat sich sehr verändert“, bemerkte Bettina Albertsen, Leiterin der Bücherei Ritterhude. Sie sei nicht mehr länger nur der Ort, an dem Medien ausgeliehen werden. Sie sei ein sozialer Treffpunkt.

Dieser Entwicklung trägt beispielsweise Paragraf vier der neuen Satzung Rechnung: Während die bisherige Satzung von 2002 darauf besteht, dass für die Benutzung der Bücherei ein Medienausweis (der Nachweis der Mitgliedschaft) vorgelegt werden muss, wird dieser Ausweis künftig nur für das Ausleihen von Medien benötigt. Die Bücherei selbst kann auch ohne Medienausweis aufgesucht werden.

Wie wichtig die Interessen der Kunden sind, dokumentiert wiederum Paragraf eins der neuen Satzung. Darin wird betont, dass es zu den Aufgaben einer Bücherei gehöre, ein aktuelles Medienangebot vorzuhalten und dabei insbesondere auch auf die Wünsche und Anregungen der Kunden einzugehen. 2002 klang das noch etwas anders. Da diente die Bücherei allein kulturellen Zwecken und dem allgemeinen Bildungsinteresse, der Information und der Fortbildung.

Nicht ganz dazu passen wollen die Änderungen bei den Leihfristen. Zumindest auf den ersten Blick. Bisher konnten Medien für drei Wochen ausgeliehen werden. Diese Leihfrist konnte – wenn keine Vormerkung vorlag – bis zu zwei Mal um je drei Wochen verlängert werden. Damit waren die Medien allerdings auch lange blockiert, andere Kunden mussten warten. Das ändert sich nun. Künftig können Bücher, Medienpakete und Hörbücher zwar für vier Wochen mit nach Hause genommen werden. Eine Verlängerung der Ausleihfrist ist aber nur noch ein Mal möglich.

Ändern wird sich auch die Frist für Zeitschriften und Spiele. Sie müssen nach zwei Wochen zurückgebracht werden (wenn sie nicht einmalig für weitere zwei Wochen entliehen werden). DVDs, die es künftig auch in der Bücherei geben soll, müssen nach einer Woche zurückgebracht werden – und das ohne Verlängerungsmöglichkeit.

Die Verwaltung erklärte: Die Kunden sollen dafür sensibilisiert werden, was sie ausleihen – und nicht einfach aufs Geratewohl einen großen Berg an Medien mitnehmen, den sie innerhalb der Frist gar nicht bewältigen können. Auch über Vor- und Fernbestellungen sollen sich die Kunden mehr Gedanken machen. Beides bereite dem Büchereiteam viel Arbeit. Um so ärgerlicher sei es, wenn die so bestellten Medien dann nicht abgeholt würden. In dieser Sensibilisierung sieht die Verwaltung durchaus auch die von Dorothea von Rex-Gröning angesprochene „pädagogische Aufgabe“.

Was die Gebühren beziehungsweise Entgelte betrifft, so bleibt für die Kunden vieles beim Alten. So sollen Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs vom Jahresbeitrag befreit sein. Für Erwachsene bleibt der Betrag bei 16 Euro (ermäßigt acht Euro). Allerdings müssen alle Kunden künftig für DVDs und Gesellschaftsspiele extra zahlen.

Bis auf eine Formulierung, die den Politikern missverständlich erschien und die nun noch überarbeitet werden soll, waren die Ausschussmitglieder mit der Satzung zufrieden. Stimmt der Rat am 11. Dezember zu, dann tritt die neue Entgeltsatzung zum 1. Januar 2015 in Kraft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+