Dietmar Blome bricht Bummel mit Freunden aus Bremen ab / Schwenke: Über zusätzliche Parkplätze nachdenken Von Autos bedrängt auf der Flaniermeile

Der Besuch aus Bremen war da, am Sonntag schien die Sonne. Was lag näher als den Gästen die Flaniermeile in der Bergstraße zu zeigen? Dietmar Blome führte sie von der Hembergstraße zum Philine-Vogeler-Haus und traute seinen Augen nicht: Autos, Autos, Autos! Sie prägten das Bild, nicht bummelnde Menschen. Die Blechlawine staute sich hinter Besuchergruppen, die auf der Hut sein mussten. Pkw parkten unerlaubt, aber reihenweise vor Cafés und Kunsthäusern. Bürgermeister Stefan Schwenke denkt über Gegenmaßnahmen nach. Von einem Autoverbot in der Bergstraße hält er nichts.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Michael Wilke

Der Besuch aus Bremen war da, am Sonntag schien die Sonne. Was lag näher als den Gästen die Flaniermeile in der Bergstraße zu zeigen? Dietmar Blome führte sie von der Hembergstraße zum Philine-Vogeler-Haus und traute seinen Augen nicht: Autos, Autos, Autos! Sie prägten das Bild, nicht bummelnde Menschen. Die Blechlawine staute sich hinter Besuchergruppen, die auf der Hut sein mussten. Pkw parkten unerlaubt, aber reihenweise vor Cafés und Kunsthäusern. Bürgermeister Stefan Schwenke denkt über Gegenmaßnahmen nach. Von einem Autoverbot in der Bergstraße hält er nichts.

Worpswede. "Das ist einfach unerträglich", findet Dietmar Blome. Als er den Besuch aus Bremen in die Bergstraße führte, fragten die Freunde: "Gibt es heute eine Autoschau bei euch?" Das sei der Parkplatz, erklärte der Worpsweder seinen Gästen. Das Gelände mit Hunderten von Pkw aller Marken habe den Vorteil, "dass der Rest der Bergstraße, die Flaniermeile, ohne Autos ist."

Doch die Verhältnisse waren nicht so, wie sie sein sollten. Die Kunsthalle Netzel bot große Kunst von Josephine Meckseper, die heute in New York lebt. "Wir kamen aber nicht recht an die Fenster der Kunsthalle heran, in denen schon Installationen zu sehen waren, denn uns kamen Autos entgegen", schildert Blome. "Hinter uns brummte eines im Meterabstand. Es wurde enger und enger, denn der merkwürdigerweise optisch abgetrennte Seitenbereich war bis zur Kirche vollgeparkt." Das sehe ja auch aus wie ein Parkstreifen, meinten die Gäste aus Bremen.

Zwischen den Autos wuselte Dieter Grohs umher. Im Auftrag der Gemeinde war der Verkehrswacht-Vorsitzende mit der Überwachung des ruhenden Verkehrs beschäftigt und hatte alle Hände voll zu tun, um Knöllchen zu schreiben. In der Bergstraße traf Blome weitere Bekannte. Sie waren sich einig: "Das geht gar nicht. Das kann nicht so bleiben."

Entnervt brachen Blome, seine Frau und die Gäste aus Bremen den Bergstraßen-Bummel ab. Später hätten die Besucher gesagt: "Am nächsten Wochenende zeigen wir Euch, wie ruhig die Bremer Innenstadt am Sonntag ist."

Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke kennt das Problem. "Die Unwissenheit der Verkehrsteilnehmer über Verkehrsregeln ist scheinbar grenzenlos, die Bequemlichkeit auch", klagt der Verwaltungschef. "Wenn ein dreister Mensch sein Auto da hinstellt, tun es die anderen auch." Parkverbotsschilder würden nicht wahrgenommen, Durchfahrtverbote auch nicht.

Die Gemeinde versuche, das Problem in den Griff zu bekommen, sagt Schwenke. Wie? "Wir werden uns Gedanken über zusätzliche Parkplätze machen müssen", betont der Bürgermeister. Er denkt dabei vor allem an das Areal am ehemaligen Worpsweder Landhaus nahe der Einmündung der Bergstraße in die Findorffstraße.

Noch mehr Schilder möchte der Bürgermeister in der Bergstraße nicht aufstellen lassen. Vielleicht wären große Tafeln mit dem Hinweis, dass das Parken im gesamten Straßenraum der Bergstraße verboten ist, hilfreich. Die Flaniermeile sei eine verkehrsberuhigte Zone mit Schrittgeschwindigkeit und durchgängigem Parkverbot im öffentlichen Straßenraum. "Parken darf man nur auf dem großen Parkplatz und auf privaten Flächen." Die schwarzen Basaltlinien im rotbraunen Klinkerpflaster seien nur gestalterische Elemente, betont der Verwaltungschef. Doch genau das ist auswärtigen Besuchern offenbar nicht klar; sie interpretieren die dunkle Linie als Parkstreifen-Abgrenzung.

Schwenke ist "fest davon überzeugt, dass es besser wird, wenn die Bergstraße erst komplett fertig ist". Noch ist die eine Hälfte Baustelle. Von der Hembergstraße kommt man mit dem Pkw nur bis zum Parkplatz. "Das macht es schwierig", sagt Schwenke. Vor allem zu Stoßzeiten am Wochenende, wenn das Wetter gut sei und Worpswede besondere Ausstellungen und Attraktionen zu bieten habe.

Von einer Sperrung der Bergstraße für den Autoverkehr hält der Bürgermeister nichts. Das sei für den Gemeinderat und für die Bewohner der Bergstraße von Beginn an keine Option gewesen. Geschäfte mit eigenen Parkplätzen und die Kreissparkasse seien darauf angewiesen, für Kunden mit dem Auto erreichbar zu sein, argumentiert Schwenke.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+