Festtagsbräuche aus aller Welt sind so vielfältig wie die Länder selbst / Der Weihnachtsmann hat viele "Unterstützer" beim Geschenketransport Von der Krippe bis zum Geschenke-Lotto

Landkreis Osterholz. Was machen eigentlich andere Nationen am Weihnachtsabend? Wir haben ein paar Quellen durchstöbert und so, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wichtige Weihnachtsbräuche in vielen Ländern gefunden und hier zusammengestellt.
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Von Harry Laube

Landkreis Osterholz. Was machen eigentlich andere Nationen am Weihnachtsabend? Wir haben ein paar Quellen durchstöbert und so, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wichtige Weihnachtsbräuche in vielen Ländern gefunden und hier zusammengestellt.

Dabei ist zu erkennen, dass "Unser Weihnachtsmann" überall in der Welt "Unterstützer" beim Geschenketransport hat. Neben den vertrauten Boten, wie dem Christkind, den Heiligen Drei Königen, Väterchen Frost und seiner Enkelin oder einer Schar Engel können es auch ganz irdische Helfer oder auch Tiere sein.

Die meisten Geschenke landen dabei unter einem Weihnachtsbaum - auch wenn das nicht immer so war. Manchmal füllen sie auch aufgehängte Socken oder vor die Tür gestellte Schuhe.

Viele dieser Bräuche sind national, religiös oder auch regional geprägt. Gemein ist ihnen, dass sie seit den 1980er-Jahren zunehmend von mitteleuropäischen und angelsächsischen Traditionen wie Weihnachtsbaum, Weihnachtsmann und das Schenken am Heiligen Abend ergänzt oder auch verdrängt werden. Auch dort, wo zuvor Weihnachten ganz anders oder auch gar nicht gefeiert wurde.

Ein gutes Beispiel dafür ist Weihnachten feiern auf dem fünften Kontinent. Da in Australien und Neuseeland am Weihnachtstag Hochsommer herrscht, sind die Feiern meist weniger besinnlich als in Europa. Sie haben eher den Charakter sommerlicher Grillpartys. Und weil es Rentieren zu heiß ist, wird der Schlitten des Weihnachtsmann von sechs weißen Kängurus gezogen. Schön ist es auch am Bondi Beach bei Sydney: Dort surft der Weihnachtsmann regelmäßig auf den Wellen.

In vielen Ländern Asiens wird an Weihnachten gearbeitet. Eine Sonderrolle nimmt Japan ein. Hier wird zwar ebenfalls Weihnachten gearbeitet, der Tag wird aber als Anlass für Partys mit Geschenken verwendet.

Was es sonst noch gibt:

Spanien

Weihnachtsbäume in Spanien? Von wegen! Die Spanier schmücken ihre Wohnungen traditionell lieber mit Weihnachtskrippen statt mit ganzen Bäumen. Und auch die Lichterketten mit Sternendekorationen in den Straßen und zwischen den Häuserzügen verbreiten bereits ab November spanische Weihnachtsstimmung. In Spanien sind es traditionell die Heiligen Drei Könige, die den Kindern am 6. Januar anstelle des Weihnachtsmanns die Geschenke bringen, wobei unartige Kinder statt Geschenke Kohlestücke erhalten.

Niederlande und Flandern

In den Niederlanden und Flandern dreht sich alles um Sinterklaas (Nikolaus) und seinen Diener, den "zwarte Piet". Der 5. Dezember in den Niederlanden und der 6. Dezember in Flandern sind die eigentlichen Geschenktage, während der 25. Dezember mehr ein religiöses Ereignis ist. Die Kinder stellen einen Schuh vor den Kamin und eine Mohrrübe oder Heu für das Pferd des Sinterklaas. Er füllt die Schuhe mit Pfefferkuchen, Spekulatius und Schokoladen-Buchstaben.

Frankreich

"Le Reveillon", der Weihnachtsschmaus, ist der Höhepunkt des französischen Festes. Parade-Dessert: "Buche de Noel", eine Schokoladen-Biskuitrolle. An der Mitternachtsmesse nimmt die gesamte Familie teil. Während dann niemand im Haus ist, kommt der Weihnachtsmann. "Père Noel", wie er hier heißt, sucht das Wohnzimmer mit der Krippe. Dort haben die Kinder ihre geputzten Schuhe aufgestellt. In jedes Paar schiebt Père Noel seine Geschenke.

Österreich

An Heiligabend leitet traditionell das österreichische Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" die Bescherung ein. Diese ist auch ansonsten sehr ähnlich mit den deutschen Bräuchen. Der 6. Januar beendet die Weihnachtszeit mit den Sternsingern, die von Haus zu Haus ziehen und Geld für wohltätige Zwecke sammeln.

Italien

Nicht der Weihnachtsbaum, sondern prächtig geschmückte Krippen stehen im Mittelpunkt der italienischen Weihnacht. Alle Nachbarn wetteifern um die schönste "Presepio". Heiligabend findet eine Art Familien-Lotterie statt. Jeder zieht aus einem Säckchen die Nummer seines Geschenks. Am 6. Januar kommt "Befana", eine alte, hässliche Hexe mit Besen, und bringt braven Kindern Geschenke, bösen ein Stückchen Kohle.

Griechenland

In Griechenland ziehen am 24. Dezember Kinder mit Trommeln und Glocken durch die Straßen, singen die Kalanda (Lobgesänge, die Glück bringen sollen) und bekommen dafür kleine Geschenke. Zwölf Nächte lang werden dann Weihnachtsfeuer zum Schutz vor den Kalikanzari (Kobolden) entzündet. In der Nacht zum 1. Januar legt der heilige Vassilius die Geschenke für die Kinder vor ihr Bett. Für die Familie gibt es an diesem Tag einen Kuchen, in den eine Goldmünze eingebacken wird. Dem Glücklichen, der sie in seinem Stück findet, dem soll ein glückliches Jahr beschert sein. Höhepunkt des Weihnachtsfestes ist Epiphanias (Heilige Drei Könige) am 6. Januar.

Russland

Wegen des julianischen Kalenders bringt Väterchen Frost den Kindern in Russland erst am 31. Dezember die Geschenke. Er wird von einem Mädchen, der Schneeflocke, und einem Jungen, Neujahr, begleitet. Weihnachten selbst wird in Russland am 7. Januar (entspricht im Julianischen Kalender dem 25. Dezember) gefeiert. Am 11. Januar, in Russland Neujahr, endet die Weihnachtszeit.

Polen

Die Weihnachtszeit beginnt in Polen mit dem ersten Advent. Die Adventszeit ist eine Zeit des Fastens, die erst mit Heiligabend endet. In Polen wird Weihnachten im Kreis der Großfamilie begangen und ist das Sternenfest. Die Sternenmutter und die drei Weisen bringen die Geschenke. Das Festessen, das erst beginnt, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist, besteht aus zwölf Gerichten, die an die zwölf Apostel erinnern. Es wird immer ein Gedeck mehr als benötigt aufgelegt. Es ist für unerwarteten Besuch gedacht und ein Zeichen der Gastfreundschaft. Unter das Tischtuch wird Stroh gelegt, das an das Stroh in der Krippe erinnern soll. Wer unter dem Tuch einen langen Strohhalm hervorzieht, dem ist ein langes Leben prophezeit. Erst nach dem Essen werden die Geschenke ausgepackt. Danach geht die ganze Familie zur Mitternachtsmesse in die Kirche.

Tschechien

Am 24. Dezember bringt das Jesuskind abends die Geschenke. Vor dem Weihnachtsmahl und dem anschließenden Geschenkeauspacken soll man nichts essen. Andere tschechische Weihnachtstraditionen beinhalten Zukunftsdeutungen. Äpfel werden kreuzweise geschnitten: Wenn ein Stern im Kern erscheint, steht ein gutes Jahr bevor, erscheint ein Kreuz, wird es ein schlechtes Jahr geben. Mädchen werfen Schuhe über ihre Schultern, um zu schauen, ob eine baldige Heirat bevorsteht. Dies soll eintreten, wenn der Spitz zur Türe zeigt. Auch Zinngießen gehört zu dieser Art von Tradition.

England

Alle Räume werden mit Misteln, Stechpalmen, Lorbeer und bunten Girlanden geschmückt. Das Festmahl, natürlich kommt Plumpudding und "Gregor", der typische britische Turkey auf den Tisch, erstreckt sich über Stunden. Auf die Geschenke müssen die Kinder allerdings bis zum nächsten Morgen warten. Am Heiligabend hängen sie ihre Strümpfe auf. Wenn alles schläft, steigt Santa Claus durch den Schornstein ins Haus und füllt die Strümpfe der Kinder mit Geschenken. Am 6. Januar klingelt "Mari Lwyd" an den Haustüren und stellt Rätsel. Wer die Antwort nicht weiß, wird von ihr gebissen(!) und muss die weißvermummte Gestalt verköstigen.

Nordamerika

Xmas (Christmas), wie die Amerikaner Weihnachten salopp abkürzen, findet am 25. Dezember statt. Es ist das Familienfest schlechthin. Santa Claus, der amerikanische Weihnachtsmann, kommt in den frühen Morgenstunden durch den Kamin und bringt die Geschenke. Ein Highlight zur Weihnachtszeit ist der imposante Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York. 1931 erstmals aufgestellt bietet er Jahr für Jahr mit den 30000 Lichtern und den ausgefallenen Dekorationen einen beeindruckenden Anblick. Einmalig sind die gigantischen Xmas-Paraden, die allerorts stattfinden. Im Süden der USA feiert man mit extra lautem Feuerwerk um durch den Lärm die bösen Geister zu vertreiben.

Australien und Neuseeland

In den beiden Ländern auf der Südhalbkugel fällt Weihnachten mitten in den Sommer. Die australischen und neuseeländischen Weihnachtsbräuche sind ähnlich wie jene in Großbritannien und Nordamerika. 1938 wurde in Melbourne damit begonnen, gemeinsam an Heiligabend Weihnachtslieder bei Kerzenschein zu singen. Diese Tradition, das Carols by Candlelight, hat auch in anderen Städten Anklang gefunden. Am 25. Dezember wird nach dem üppigen typisch britischen Truthahnessen und Plumpudding ein Barbecue/Picknick am Strand veranstaltet.

Mexiko

Feliz navidad! So wünscht man Frohe Weihnachten in Mexiko. Bunte und laute Umzüge mit viel Trubel und Feuerwerk, die so genannten "posadas", die die Herbergssuche nachstellen, bestimmen das weihnachtliche Straßenbild. Ein für Kinder besonders wichtiger Teil des Festes ist die "Pinata", ein mit Sternen und Figuren dekoriertes Tongefäß, gefüllt mit Früchten und Süßigkeiten. Die Pinata wird aufgehängt, damit die Kinder mit verbundenen Augen versuchen können, den Topf zu zerschlagen und damit an die Leckereien zu kommen.

Südamerika

Das religiöse Element dominiert auch die Weihnachtsfeiern im streng katholischen Südamerika. Weihnachtskrippen sind in Südamerika sehr wichtig, sowohl in der Wohnung als auch auf öffentlichen Plätzen. In Gegenden mit einem hohen Anteil an indigener Bevölkerung wie etwa Peru werden die Krippenfiguren nach einem jahrhundertealten Muster in Handarbeit geschnitzt. Wie in Mexiko sind auch hier Straßenprozessionen, die die Ereignisse rund um die Geburt Christi nachstellen, häufig. Das Schenken wird in Kolumbien mit El Niño Jesus (Christkind), in Chile mit einem Viejo Pasquero (alter Hirte) und in Brasilien mit dem Papai Noël (Weihnachtsmann) in Verbindung gebracht, wobei die letzteren beiden Santa Claus in vielem gleichen.

Philippinen

Die Philippinen kennen die weltweit längste Weihnachtszeit. Traditionell wird das Fest durch Abendmessen während neun Tagen, beginnend mit dem 16. Dezember, eingeläutet. Der Abend des 24. Dezembers ist die lange erwartete noche buena, an dem nach dem Besuch der Mitternachtsmesse im Kreis der Familie das Weihnachtsessen aufgetischt wird. Es besteht aus Käseballen und Schinken.

Skandinavien

Weihnachten heißt in Skandinavien Julfest und hat eine lange Tradition. Es entstammt alten Ernte- und Mittwinter-Bräuchen, bei denen Julbrot gebacken, Julbier gebraut und Julstroh in der Julstube verstreut wurde. Das Julfest endet am 13. Januar mit einem zünftigen Gelage.

Finnland

Typisch finnisch: das gemeinschaftliche Saunabad am 24. und "gebackener Schwede", das Festtagsgericht aus Schweinefleisch. Der finnische Weihnachtsmann heißt übrigens Joulupukki, was wörtlich "Weihnachtsbock" bedeutet. Er hat in Finnland sogar sein eigenes Postamt.

Schweden

Einer der wichtigsten Weihnachtstage in Schweden ist der 13. Dezember - der Tag der Heiligen Lucia. Mit der Feier des Lichts wird der längsten Nacht des Jahres gedacht. Am Morgen des Lucia-Tages geht die älteste Tochter des Hauses als Heilige verkleidet durchs Haus und weckt die Familie. Dazu verteilt sie Lucia-Gebäck. Der Höhepunkt der Festivitäten ist der Heilige Abend. Hier werden die traditionellen Speisen aufgetischt. Nach dem Essen versammelt sich die Familie um den Weihnachtsbaum und öffnet die Geschenke, die von Jultomten, dem schwedischen Weihnachtsmann, gebracht wurden.

Dänemark

In Dänemark verspeist man am Heiligen Abend einen Reisbrei, in dem eine Mandel versteckt ist. Wer die Mandel findet, hat im folgenden Jahr Glück.

Norwegen

Zur Weihnachtsvorbereitung gehört in Norwegen das Großreinemachen des Hauses und das Holzhacken, denn das Feuer darf während der Weihnachtstage nicht ausgehen. Am Weihnachtsabend werden die Kinder von den Julenissen beschenkt, einer Mischung aus Wichteln, und dem Sankt Nikolaus.

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