VON GARLSTEDT IN DIE WELT: ZU BESUCH IM EHEMALIGEN STUDIO VON MIKE LECKEBUSCH

1965 Im ersten Programm der ARD läuft am 25. September die erste Sendung des „Beat Clubs“, die Mike Leckebusch in Bremen produziert.
12.09.2015, 00:00
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Von Peter von Döllen

Zahlen, Daten, Produktionen

1965 Im ersten Programm der ARD läuft am 25. September die erste Sendung des „Beat Clubs“, die Mike Leckebusch in Bremen produziert. Die Jugend ist begeistert von dem frischen Wind. Ältere Zuschauer sind entsetzt. Fernsehsprecher Wilhelm Wieben entschuldigt sich vorab bei ihnen: „Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Verständnis.“ Bis 1972 werden 83 Folgen Beat-Club gesendet. Ab 13. Dezember 1972 löst der Musikladen mit dem Moderatoren-Team Uschi Nerke und Manfred Sexauer den Beat-Club ab. Nerke war schon beim Beat-Club dabei. Der Musikladen bringt es auf 90 Folgen.

1966 Der damals 22-jährige Mark Wirtz, ein Musiker und Kunststudent aus Straßburg, spielt in London unter dem Pseudonym Mood Mosaic zusammen mit einer Band namens The Ladybirds das Instrumentalstück „A Touch Of Velvet (A Sting Of Brass)“ ein. Leckebusch hört den Titel bei Radio London und macht ihn ab Mitte 1968 zur Erkennungsmelodie des Beat-Club; später tanzen auch im Musikladen die Go-Go-Girls dazu. Für Wirtz bleibt es ein One-Hit-Wonder.

1983 Michael Leckebusch gründet die Video- und TV-Produktionsfirma LAV (Leckebusch Audio Video). Er macht sich selbstständig und arbeitet fortan in seinem neuen Haus in Garlstedt. Im Keller hat er ein komplettes Studio eingerichtet, das großteils bis heute erhalten ist. Produziert werden Musikvideos und Werbe-Spots. Die letzten Musikladen-Folgen werden ebenfalls in Garlstedt vorbereitet. Nach Leckebuschs Tod produziert LAV dort mit einem jungen Team bis 2008 weiter.

33 Meter hoch war einst der Funkturm im Garten der Villa in Garlstedt. Er war mit etlichen Antennen bestückt, die es Leckebusch ermöglichen, die Musiksendungen ausländischer Sender zu empfangen. Der Trendsetter will keine Trends der Branche verpassen.

59 Folgen „Musikladen extra“ werden von Leckebusch produziert. Sie werden ab 1974 mit einzelnen Bands oder Musikern hauptsächlich im Studio in Garlstedt gedreht. Die letzte Extra- Folge läuft am 29. November 1979.

37 Länder übertragen den Beat-Club im Fernsehen.

1985 läuft die erste Folge von „Musikladen Eurotops“ mit Videoclips. Die Moderation übernimmt Carlo von Tiedemann, Stefan Hempel stellt Computerspiele vor. Ab 1989 produziert Leckebusch zudem 19 Folgen „Extratour“ mit Margarethe Schreinemakers und Stefan Viering.

6 Stromanschlüsse, die direkt mit einer Trafo-Station verbunden waren, versorgten das Haus und das Studio im Erdgeschoss in Garlstedt mit der nötigen Energie für die vielen elektronischen Geräte. Leckebusch schaltete die Anlage noch vor seinem Frühstück ein, damit sie Zeit zum Hochfahren hatte.

230 000 Zuschriften erhält Radio Bremen bis zur 50. Beat-Club-Sendung Silvester 1969. Etwa 20 Prozent davon sind kritisch.

Preisgekrönter Pionier und Überzeugungstäter

Michael Leckebusch, den die meisten als „Mike“ kannten, war fernsehverrückt. So sehen es zumindest viele Weggefährten des Regisseurs. Und diese positive Besessenheit ermöglichte es Leckebusch erst, die deutsche Fernsehwelt nachhaltig zu verändern. Er öffnete die TV-Landschaft für Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei ließ er sich auch nicht von massiver Kritik und Verständnislosigkeit des meist älteren Publikums der öffentlichen Sender beirren.

Leckebusch wurde am 8. April 1937 in Leipzig geboren. Nach einem Studium Studium der Theater- und Zeitungswissenschaften arbeitete Leckebusch zunächst als Regieassistent beim Norddeutschen Rundfunk. 1962 wechselte er zu Radio Bremen. Dort war Leckebusch als Redakteur für erste Shows des beliebten Entertainer Rudi Carrell tätig.

1965 begann Leckebusch – zusammen mit dem bekannten Bremer DJ Gerhard „Gerd“ Augustin – mit dem Konzept für eine Sendung, die dem Fernsehsender eine Zuschauergeneration retten sollte. Heraus kam der „Beat Club“. Vor 50 Jahren flimmerte am 25. September 1965 die erste Ausgabe des Musikformats im ersten Programm. Es folgten von 1965 bis 1972 weitere 83 Sendungen. Leckebusch spielte dabei immer mehr mit technischen Effekten.

Am 13. Dezember 1972 strahlte die ARD die erste Folge der Nachfolgesendung, Musikladen, aus. Auch dafür war Leckebusch als Redakteur und Regisseur verantwortlich. 1976 bekam Leckebusch mit Alfred Mensack den Adolf-Grimme-Preis in Bronze für die Talkshow „3 nach 9“. In den frühen 80er-Jahren machte sich Leckebusch selbsständig und arbeitete in seinem neuen Haus in Garlstedt. 2000 verstarb der 62-jährige im Krankenhaus in Osterholz-Scharmbeck an einer Herzkrankheit.

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