Fachleute sprechen von ernster Lage

„Die Lage ist ernst“

Der Klimawandel setzt den Wäldern in Bremen-Nord und im Landkreis Osterholz zu. Sie leiden unter der Trockenheit, auch Schädlinge machen Probleme.
26.01.2021, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Landkreis Osterholz. Trockenheit und Stürme, aber auch Insekten- und Pilzbefall setzen den Wäldern in Niedersachsen extrem zu. Nach dem jüngsten Waldzustandsbericht des Jahres 2020 sind besonders die Mittelgebirge wie der Harz von dramatischen Baumschäden betroffen: Danach sind viele Bäume abgestorben, es gibt immer mehr Kahlflächen.

Bei den Wäldern und Forsten in Bremen-Nord und im Landkreis Osterholz sieht es nach Angaben von Fachleuten allerdings nicht ganz so dramatisch aus, wie im Harz. Gut geht es den Nadel- und Laubbäumen aber auch hier nicht. „Im Landkreis Osterholz ist der Wald zwar nicht gesund, aber wir können noch gut mit dem Zustand leben“, sagt der Osterholzer Kreisjägermeister Heiko Ehing. „Die Situation im Harz und im Solling ist allerdings so dramatisch, dass Forstleute aus unserer Region dort aushelfen müssen. Im Elbe-Weser-Dreieck haben wir Glück gehabt: Dort fiel in diesem Jahr zum richtigen Zeitpunkt Regen.“ Die Situation der Wälder und Forsten im Landkreis Osterholz sei auch deswegen weniger dramatisch, weil dort Fichten keine große Rolle spielen – was bedeutet, dass sich auch der Borkenkäfer weniger stark verbreiten konnte als in den Mittelgebirgen Niedersachsens.

Laut Waldzustandsbericht Niedersachsen hat sich die Vitalität aller Baumarten, außer Eichen, in den vergangenen drei Jahren verschlechtert. Vor allem aber die der Fichten. Die niedersächsische Forstministerin Barbara Otte-Kinast setzt deshalb besonders in Südniedersachsen auf Mischbestände aus Bäumen, die gegenüber den Klimaveränderungen mehr Widerstandskraft zeigen. Mit diesen Arten sollen auch die Kahlflächen wiederbewaldet werden. Dazu stehen laut Otte-Kinast Fördergelder von Bund und Land bereit. Eine solche Förderung von Waldmischbeständen betreibe der Landkreis Osterholz seit Jahren, sagt Ehing. Dabei sollen möglichst die heimischen Baumarten gehalten werden. Derzeit laufen nach seinen Worten aber auch Versuche mit Gehölzen aus anderen Kontinenten wie Douglasie oder Roteiche aus Nordamerika, die den Klimaveränderungen wahrscheinlich besser gewachsen seien.

Ähnlich wie im Landkreis Osterholz ist der Zustand der Wälder und Forsten auch in Bremen-Nord „zwar nicht dramatisch, aber ernst“, sagt Kerstin Doty, Pressesprecherin beim Umweltbetrieb Bremen (UBB). „In Bremen-Nord haben wir das Glück, dass dort Mischwälder das Bild bestimmen. In ihnen ist der Schädlingsbefall weniger stark als in Monokulturen, die zum Beispiel aus Fichten bestehen." Auch die Grundwasserstände seien im Bremer Raum noch vergleichsweise hoch, so Doty. Dennoch würden viele Bäume auch in Bremen-Nord unter den insgesamt gestiegenen Temperaturen und der Trockenheit leiden, obwohl es Schäden in dem Ausmaß wie in Südniedersachsen bisher nicht gebe. Unter Hitze und Trockenheit würden vor allem Flachwurzler wie zum Beispiel die Birke leiden.

Klimawandel und Ausbreitung von Schädlingen hängen eng miteinander zusammen. Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner werden in Wärmeperioden und Phasen anhaltender Trockenheit besonders aktiv und verstärken zusätzlich den Stress für die Bäume, erklärt Heiko Ehing. Der Klimawandel fördere generell den Schädlingsbefall: „Viele Insekten schaffen drei statt zwei Generationen im Jahr und üben damit auf die Bäume einen höheren Befallsdruck aus“, sagt der Osterholzer Kreisjägermeister. Vor einem Monat habe er noch Fichten gesehen, die von Borkenkäfern befallen waren. „Solche Bäume werden geschlagen und das Holz abtransportiert, manchmal reicht es auch, die Rinde zu schälen“, sagt Ehing, der in der kalten Jahreszeit Baum für Baum abgehen muss, um eventuelle Schäden festzustellen.

Laut Heiko Ehing ist das Elbe-Weser-Dreieck bisher jedoch von Schädlingen weitgehend verschont geblieben, die sich weiter im Süden Niedersachsens bereits ausgebreitet haben. Dort mache zum Beispiel der Eichenkernkäfer, der sich in Eichen bis ins Kernholz frisst, bereits Probleme. Auch der Eichenprozessionsspinner, dessen Raupen-Brennhaare für Menschen gefährlich sein können, breitet sich aufgrund der Klimaänderungen immer stärker aus, schreibt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Im Landkreis Osterholz sei dieser Schmetterling bisher noch nicht aufgetreten, sagt Ehing. Große Schäden könnten in Wäldern auch Mäuse anrichten, die Wurzeln, Samen, Triebe und Keimlinge fressen. Derzeit gibt es damit laut Ehing aber kein Problem.

Auch wenn die Lage der Wälder im Nordwesten Deutschlands bisher weniger dramatisch ist - entspannt sei sie dennoch nicht. „Die Bäume hatten aufgrund von drei zu trockenen Jahren Stress, und sie haben ihn noch. Die Grundwasserstände haben längst noch nicht wieder das normale Niveau erreicht, wir haben immer noch Wasserdefizite", sagt Heiko Ehing.

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