Kreis ordnet ein Jahr nach Kahlschlag an der Klosterweide Aufforstung an / Widerspruchs-Frist endet im Januar Wald bleibt auch nach der Rodung Wald

Lilienthal. Nach dem Kahlschlag an der Klosterweide ist ein Jahr ins Land gegangen. Auf der 9000 Quadratmeter großen Fläche, die bis zur Entlastungsstraße reicht, ließen die Eigentümer im Dezember 2015 haufenweise Fichten roden (wir berichteten).
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Von Michael Wilke

Lilienthal. Nach dem Kahlschlag an der Klosterweide ist ein Jahr ins Land gegangen. Auf der 9000 Quadratmeter großen Fläche, die bis zur Entlastungsstraße reicht, ließen die Eigentümer im Dezember 2015 haufenweise Fichten roden (wir berichteten). Das Gros der Hölzer ist verkauft, doch heute liegen immer noch ein paar Dutzend Stämme auf dem Boden. Ein Jahr nach dem Kahlschlag hat der Landkreis die Aufforstung des Areals angeordnet. Bis jetzt haben die Eigentümer zwar keinen Widerspruch dagegen eingelegt, doch die Monatsfrist ist noch nicht verstrichen. Bisher haben die Besitzer stets bestritten, dass die dem Erdboden gleich gemachte Fichtenschonung ein Wald gewesen ist.

„Die Eigentümer haben die Auffassung vorgebracht, dass es sich um eine Weihnachtsbaum- und Schmuckreisigkultur mit fremdländischen Gehölzen handelte, die nicht als Wald einzustufen sei“, erklärt der Landkreis-Sprecher Marco Prietz der Redaktion. Weihnachtsbaumkulturen sind darauf ausgelegt, dass junge Bäume Jahr für Jahr gekappt und verkauft werden, während neue Bäumchen gepflanzt werden. Sind die Nadelbäume zu hoch, taugen sie nicht mehr als Weihnachtsbäume. Schließlich müssen sie in den Ständer passen und ins Wohnzimmer, wo die Decke selten höher ist als 2,50 Meter. Wird eine Weihnachtsbaumkultur sich selbst überlassen, wachsen die Bäume in die Höhe und in die Breite. So werden sie zum Lebensraum für Vögel und Waldtiere.

„Wir würden uns freuen, wenn da wieder aufgeforstet wird“, sagt Timo Husmann, der mit seiner Frau seit knapp 20 Jahren in der Straße Klosterweide wohnt, der Redaktion. „Aus zwei Gründen: Wir wünschen uns, dass die Brachfläche wieder schön grün wird und zweitens, dass man den Herren zeigt, dass sie nicht einfach so Tatsachen schaffen können.“

Der Landkreis stuft die gerodete Fläche als Wald ein. Die Experten des für die Privatwälder der Region zuständigen Harsefelder Forstamts tun das auch. Nur die Eigentümer beharren darauf, dass die frühere Weihnachtsbaumkultur zu keiner Zeit ein Wäldchen gewesen ist. Sie haben ein Gutachten vorgelegt, um das zu beweisen. Darum dauerten die Prüfungen und Abwägungen im Osterholzer Kreishaus so lange.

Weihnachtsbaumkultur? Schmuckreisig? Fremdländische Gehölze? Timo Husmann hat nichts davon gesehen. „In den 20 Jahren, seitdem wir da wohnen, ist kein Baum verkauft worden. Die haben da nichts gemacht, um die Bäume hat sich keiner gekümmert.“ Mehr als zehn Meter hoch seien die Fichten gewesen: „Richtig große Dinger waren das. Das war unser Wald vor der Haustür. In einer Weihnachtsbaum-Plantage stehen die Bäume doch wie an der Schnur gezogen.“

Schon im Frühjahr hatte der Kreis nach Rücksprache mit dem Harsefelder Forstamt die Wiederaufforstung angeordnet und den Eigentümern eine Frist gesetzt (wir berichteten). Doch die legten Widerspruch ein. Das ist ihr gutes Recht. Jeder, der sich durch einen Verwaltungsbescheid ungerecht behandelt und in seinen Rechten verletzt fühlt, kann Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen. Dafür hat er einen Monat lang Zeit.

Die Behörde muss dann die Rechtmäßigkeit und Zweckmäßigkeit ihres Handelns prüfen. Werden neue Einwände und Tatbestände vorgebracht, ist die Verwaltung verpflichtet, die ganze Sache neu aufzurollen und wiederum gründlich abzuwägen. Das hat in diesem Fall länger als ein halbes Jahr gedauert. Jetzt hat der Landkreis zum zweiten Mal eine „waldrechtliche Anordnung zur Wiederaufforstung der gerodeten Fläche“ erlassen.

„Die Anordnung erfolgte, weil die Kreisverwaltung auch nach umfassender Würdigung aller seitens der Eigentümer vorgebrachten Argumente weiterhin an der Einstufung der Fläche als Wald festhält“, betont der Landkreissprecher Marco Prietz. Die Eigentümer müssten die Fläche bis zum 30. April mit standortgerechten Gehölzen aufforsten. Sie können aber wieder Widerspruch einlegen. Dazu haben sie bis Ende Januar Zeit. Wird der Widerspruch vom Kreis abgewiesen, können die Eigentümer das Verwaltungsgericht einschalten.

Wie berichtet, hatten die Grundeigentümer zuerst Bauland im Sinn. Das angrenzende Baugebiet am Goosort ist das größte in Lilienthal. Doch Bauland kam nicht in Frage. Zum Einen lag die Waldfläche außerhalb des Plangebiets, zum Anderen durften die Fichten nicht ohne Waldumwandlungs-Genehmigung gefällt werden. Nach Angaben des Landkreises erklärten die Eigentümer nach der Rodung, dass das Gelände landwirtschaftlich genutzt werden sollte.

„Wir wünschen uns, dass man den Herren zeigt, dass sie nicht einfach so Tatsachen schaffen können.“ Klosterweide-Anwohner Timo Husmann
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