Kreis kritisiert Busfahrer

Kein Verständnis für Warnstreiks

Bei den Tarifauseinandersetzungen im Nahverkehr sieht sich der Kreis Osterholz nur als kleines Rädchen auf der Arbeitgeberseite. Das sagt Verkehrsdezernent Dominik Vinbruck und kritisiert den Streik-Zeitpunkt.
27.03.2021, 05:06
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Kein Verständnis für Warnstreiks
Von Bernhard Komesker
Kein Verständnis für Warnstreiks

Der Warnstreik bei den Regionalbuslinien im Ostkreis habe zu Wochenbeginn die Falschen getroffen, sagt Kreisdezernent Dominik Vinbruck.

Robert Michael

Landkreis Osterholz. Seit sechs Jahren hält der Landkreis Osterholz fünf Prozent der Geschäftsanteile an der Omnibusbetrieb von Ahrentschildt GmbH (OvA). Mehrheitsgesellschafterin ist die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVB), die sich ihrerseits zu gut 80 Prozent in der Hand des Landes Niedersachsen befindet. Zuhörer Lars Hirsch aus Lilienthal erkundigte sich in der Einwohnerfragestunde zur jüngsten Kreistagssitzung, welche Optionen Politik und Verwaltung sähen, den OvA-Beschäftigten unter die Arme zu greifen. Wie berichtet, befanden sich diese nach dem ersten Warnstreik vom 13. März nun am Montag und Dienstag erneut im Ausstand; sämtliche Schul- und Regionalbuslinien im Ostkreis standen still.

Die Busfahrer streiken für eine Gleichstellung mit den Beschäftigten von rein kommunalen Nahverkehrsbetrieben, wo nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ein bis fünf Euro höherer Stundenlohn gezahlt werde. Von den Warnstreiks zu Wochenbeginn waren auch Linienbetreiber in Lüneburg, Hameln, Stade, Verden, Walsrode, Wolfenbüttel, Salzgitter, Buxtehude, Hameln und Helmstedt betroffen. Die Tarifverhandlungen für die rund 2500 Beschäftigten im Arbeitgeberverband Nahverkehr (AVN), dem die EVB-Tochter angehört, gestalten sich schwierig. Die Arbeitgeberseite verweist auf pandemiebedingte Einnahmerückgänge; die Übernahme des Tarifvertrags Nahverkehr liefe auf ein Lohn-Plus von mehr als 20 Prozent hinaus. Mehr als ein Urlaubstag plus 80 Cent die Stunde bis 2024 seien nicht drin, hatte es vor den Warnstreiks geheißen.

Verkehrsdezernent Dominik Vinbruck erklärte, die Einflussmöglichkeiten des Landkreises seien angesichts der Kräfteverhältnisse bei der EVB-Tochter sehr begrenzt. „Es ist nachvollziehbar, dass Arbeitnehmer für ihre Rechte und einen gerechten Lohn kämpfen“, betonte Vinbruck. Der Zeitpunkt des neuerlichen Warnstreiks aber sei überraschend gewesen und habe die Falschen getroffen. Leidtragende seien vor allem Schülerinnen und Schüler gewesen, die teils nach neun und mehr Wochen erstmals wieder hätten zur Schule fahren können. „Dafür habe ich wenig Verständnis“, sagte Vinbruck, wohl wissend, dass Streiks, die niemand spürt, ihren Zweck verfehlen. Der Landkreis-Auftritt in den sozialen Medien, wo über den Ausstand informiert wurde, wurde am Wochenende von einem Shitstorm gegen die Beschäftigten überzogen.

Als der Landkreis 2015 bei OvA einstieg, hatte die Verwaltung den Abgeordneten erklärt, dies werde für das Tagesgeschäft und den Linienverkehr keine großen Folgen haben. „Im Hinblick auf die Verantwortung, die dem Landkreis für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zukommt, sind jedoch weitergehende Möglichkeiten der Einflussnahme und Gestaltung wünschenswert.“

Hermann Hane vom Verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen sagte am Freitag gegenüber unserer Zeitung, Arbeitnehmer und Arbeitgeber hätten sich inzwischen auf das Scheitern der Verhandlungen und die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens verständigt. Solange nicht klar sei, ob es zustande kommt und wenn ja mit welchem Ergebnis, werde es vorerst keine neuen Warnstreiks geben, so Hane.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+