Psychologin referiert im Rathaus über die Fähigkeit, sich nicht verformen zu lassen Was Menschen stark macht

Der Begriff Resilienz stammt aus der Werkstoffkunde – er spielt aber auch in der Psychologie eine wichtige Rolle. Das erfuhren die Gäste eines Vortrages in der Reihe "Verlass mich nicht – Sterben, Tod und Trauer im Leben begegnen" in Ritterhude.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Angelika Meurer-schaffenberg

Der Begriff Resilienz stammt aus der Werkstoffkunde – er spielt aber auch in der Psychologie eine wichtige Rolle. Das erfuhren die Gäste eines Vortrages in der Reihe "Verlass mich nicht – Sterben, Tod und Trauer im Leben begegnen" in Ritterhude.

Ritterhude. Was bedeutet Resilienz? "Das Wort kommt aus der Werkstoffkunde und bedeutet, dass Gegenstände sich durch Einflüsse von Außen verformen lassen und trotzdem wieder in ihre eigene Form zurückkehren", erklärte Marion Romes-Ohlrogge während eines Vortrages im Ritterhuder Rathaus. Sie sprach zum Thema "Resilienz – was Kinder stark macht" und erklärte, wie der Begriff aus der Materiallehre in die Psychologie geraten ist.

Eingeladen hatten die Organisatoren der Ritterhuder Veranstaltungsreihe "Verlass mich nicht – Sterben, Tod und Trauer im Leben begegnen", der Hospizdienst der Diakonie, das Anderland-Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche, die Sozialstation und die Gemeinde Ritterhude.

"Es ist schön zu sehen, wie Kinder Lebendigkeit und fantasievolle Ideen mitbringen, um ihre Trauer zu verarbeiten, wenn man sie nur lässt", berichtete Katja Mareike Jenrich aus dem Anderland-Zentrum, als sie die Zuhörer im Rathaus begrüßte. Die Resilienzforschung richte das Augenmerk nicht auf das, was Menschen krank mache, sondern auf das, was sie gesund erhalte.

Ganz ohne Drachenblut

"Es gibt Menschen, die sind nach einem schwierigen Lebensereignis auf irgendeine seltsame Weise gebeugt, aber nicht gebrochen, während andere sich von Erlittenem nie wieder zu erholen scheinen oder später mit psychosomatischen Folgen zu kämpfen haben", führte Diplom-Psychologin Romes-Ohlrogge weiter aus. Diese hätten nicht etwa wie Siegfried aus der Nibelungensage in Drachenblut gebadet, seien weder gefühlskälter oder unverwundbarer als andere – aber sie hätten eine eigene Fähigkeit, Situationen zu meistern, ohne den Mut und Glauben zu verlieren. Diese Fähigkeit sei nicht angeboren, sondern jederzeit erlernbar. Neben der Persönlichkeit spielten auch äußere Einflüsse eine Rolle. "Resiliente Menschen haben die Fähigkeit, auf andere zuzugehen und können sich so selbst Quellen der Unterstützung erschließen. Sie rechnen mit dem Erfolg ihrer Handlung, gehen Probleme aktiv an und nutzen ihre Fähigkeiten effektiv. Sie glauben an ihre Möglichkeiten und sehen realistisch ihre Grenzen", fasste die Referentin Forschungsergebnisse zusammen. Als Beispiel für einen jungen Menschen, der trotz widriger Lebensumstände ein selbstbewusstes Leben führte und eine solide Persönlichkeit entwickelte, nannte sie den Kinderbuchhelden Huckelberry Finn. "Diese Menschen sind nicht immer bequem, aber sie wissen intuitiv, was gut für sie ist", so Romes-Ohlrogge. Schutzfaktoren gegen schwierige äußere Lebensumstände seien stabile Beziehungen auch außerhalb des engen persönlichen Umfeldes. "Dort erfahren sie, dass sie etwas Wert sind und sehen Modelle konstruktiver Problemlösung", führte sie aus. Resiliente Menschen seien in der Regel eher vom Geist der Neugier statt dem des Gehorsams getragen, sie sprächen über ihre Gefühle und seien nicht unbedingt hart im Nehmen. Allerdings reagierten sie positiv auf Hilfe und gäben ihre Schwächen zu. "Sie sehen Stress weniger als Belastung, sondern als Herausforderung. Sie fühlen sich nicht hilflos ausgeliefert", erklärte die Psychologin.

Während ihres Vortrages erläuterte sie, was Menschen tun können, um Kindern einen guten Boden zu schaffen, damit bei diesen die Fähigkeit zur Resilienz weiter wachse. Fünf Dinge seien dabei wichtig: Lebensfreude, Kreativität, Anregung der Sinne, Wecken von Neugier und Staunen sowie "das Leben von Leichtigkeit".

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+