Bau des Rückhaltebeckens am Buchenbuschweg in Hambergen steht vor der Vollendung Wasser-Bremse kommt mit Verzögerung

Hambergen. Hambergen kämpft gegen die hohe potenzielle Gefährdung durch Starkregen. Es ist auch ein Kampf gegen die Uhr.
26.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Schön

Hambergen kämpft gegen die hohe potenzielle Gefährdung durch Starkregen. Es ist auch ein Kampf gegen die Uhr. „Wann das nächste Hochwasser kommt, wissen wir nicht“, gibt Gerd Brauns zu. Und welche Schäden es anrichtet, auch nicht. Der Bürgermeister kann aber darauf verweisen, dass nichts unversucht gelassen wurde und wird, um die Auswirkungen von sintflutartigen Niederschlägen zu begrenzen. Er steht an der Baustelle am Buchenbuschweg, wo der Bagger bereits ganze Arbeit geleistet und ein gähnendes Loch ins Erdreich gegraben hat. Es ist das sogenannte Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 650 000 Litern. „Spätestens Anfang Mai sind wir fertig“, denkt Brauns. Die Wasser-Bremse kommt also wohl noch rechtzeitig vor Beginn der Starkregensaison.

Der Deutsche Wetterdienst hat mitgeteilt, dass die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ für die extremen Niederschläge verantwortlich ist, die bevorzugt in den Sommermonaten auftreten. Dieses früher eher seltene Phänomen sucht das Abendland seit 1950 um 20 Prozent häufiger heim. 2014 war das Jahr, in dem tiefer liegende Bereiche von Hambergen gleich dreimal, im Mai und zweimal im Juli, überflutet worden sind. Brauns: „Teilweise stand das Wasser einen halben Meter hoch!“ Nach den Vorstellungen Brauns und des Planers Jürgen Schlichting hätte das Rückhaltebecken, für das ein an einen Kinderspielplatz angrenzendes und der Gemeinde gehörendes Grundstück beansprucht wurde, längst fertig sein sollen. Doch der Bau der genehmigungspflichtigen Entwässerungsanlage verzögerte sich aufgrund von Auflagen, die die zuständige Kreisbehörde erteilte. So musste ein landschaftspflegerisches Gutachten erstellt werden, was bereits 2014 geschah. Bodenproben auf dem von Sträuchern überwucherten, aber inzwischen gerodeten Areal ergaben, dass dort irgendwann einmal Müll und Abfälle deponiert wurden. Um die unerwünschten Hinterlassenschaften in einem eingeführten Verfahren sicher einzudämmen, hätte die Gemeinde rund 80 000 Euro aufbringen müssen. Brauns: „Das wäre nicht zu machen gewesen.“ Weitere Untersuchungen hätten dann aber ergeben, dass es der Grad der Verunreinigung erlauben würde, das Erdreich einfach nur grob durchzusieben, um „Gut und Böse“ voneinander zu trennen. Das übernimmt jetzt ein kettengetriebenes Baumaschinen-Ungetüm. So konnten die für das Rückhaltebecken insgesamt zu veranschlagenden Kosten auf 35 000 Euro begrenzt werden.

Der Schutz der großen Buchen am Rand der geplanten Baustelle war eine weitere Notwendigkeit, die das Verfahren verlängerte und verteuerte. Das Wurzelwerk der für den Buchenbuschweg namensgebenden Bäume sollte schließlich nicht beschädigt werden. Dafür wurden die Äste gekürzt und noch einmal viele Kubikmeter Erdreich bewegt. Der Bau des Rückhaltebeckens ist nur ein Puzzleteil in dem Maßnahmenkatalog, den die Gemeinde aufgelegt hat, um ihre Starkregenresistenz zu erhöhen. Der Ortskern gleicht einem Kessel, in den das Wasser aus Norden, Osten und Süden rinnt oder auch strömt. Es kann ausschließlich in westlicher Richtung über den Streekgraben abfließen. „Bei ungewöhnlichem Starkregen kann der Kanal das Wasser nicht schnell genug abführen. Es staut sich über die Rückstauebene, und dann steht es in den Senken auf der Straße“, skizziert Brauns die problematische Gemengelage. So mussten die Wehren allein 2014 zu 32 entsprechenden Einsätzen ausrücken.

Bereits 2012 war die Verrohrung am Einlass zum Streekgraben um 30 Meter verlängert und befestigt worden, um den Abfluss zu optimieren. Im Februar 2015 kam es am Streekgraben zu Uferabbrüchen. Daraufhin wurde ein Aushub vorgenommen, um das ursprüngliche Profil des Wasserlaufs wieder herzustellen. Die Böschung wurde befestigt. Bei den vergangenen Starkregenereignissen hatte sich das Wasser am Streekgraben derartig gestaut, dass der Auslass unter Wasser stand.

Ein wesentlicher Baustein für den Katastrophenschutz: das Überlaufbecken auf einem Grundstück an der Hauptstraße, das die Kirchengemeinde vorläufig quasi kostenneutral zur Verfügung gestellt hat. Es liegt an einem besonders neuralgischen Punkt und fasst 940 000 Liter. Ferner hat die Gemeinde viel Geld für die Hochwasserprävention in die Hand genommen. Zum Beispiel, um die Straßenabläufe von einem Fachbetrieb dreimal jährlich reinigen zu lassen. Der Kanal in der Alten Schulstraße wurde bereits 2011 saniert.

2014 wurde der Rohrdurchlass Am Wasserwerk erneuert. 2015 wurden noch einmal 300 000 Euro für die Schaffung eines Entlastungskanals bereitgestellt, der über den Dornweg oder die Wiesenstraße geführt werden könnte. Was dieses Projekt angeht, so führt die Gemeinde Gespräche mit in Frage kommenden Auftragsnehmern.

Dazu gesellt sich noch ein Ratgeber für die Bürger, die selbst einiges dafür tun können, dass das Wasser nicht sein zerstörerisches Werk treiben kann. Ob das gesamte Maßnahmenpaket reicht, um die Schäden zu verhindern oder zu minimieren, die große Niederschlagsmengen anrichten können, wenn sie mit hoher zeitlicher und räumlicher Konzentration niedergehen? Die Hamberger werden jedenfalls hoffen, dass ihr Ort von Belastungsprüfungen dieser Art erst einmal verschont bleibt.

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