Schutz vor Schweinepest „Weglaufen kann man sowieso nicht“

3500 Schweine stehen derzeit in den Ställen der Familie Brüggemann in Hepstedt. Würden die Tiere mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert, müsste der gesamte Bestand getötet werden.
30.01.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Göckeritz

Hepstedt. Die niedersächsischen Landwirte sind alarmiert. Nach übereinstimmenden Berichten könnte der Erreger der Afrikanischen Schweinepest über Transitwege aus den Seuchengebieten in Osteuropa eingeschleppt werden. An Rastplätzen weggeworfene Essensreste mit infiziertem Fleisch könnten Wildschweine anlocken, die das Virus dann auf heimische Schweinebestände übertragen. Die Folgen wären für die Halter fatal. Die Hepstedter Jürgen und Anette Brüggemann sowie Tochter Iris Bammann verfolgen die aktuellen Nachrichten sehr aufmerksam.

Die Familie aus der Samtgemeinde Tarmstedt verdient ihr Geld mit der Schweinemast. Rund 3500 Tiere stehen derzeit in den Ställen. Etwa vier bis 4,5 Monate werden die Schweine gefüttert und gemästet, bevor sie den Betrieb wieder verlassen und neue Ferkel angeliefert werden. Sollte der Erreger der Schweinepest in die heimischen Betriebe gelangen, wäre das ein fundamentaler wirtschaftlicher Schaden, wissen die Brüggemanns. Sie setzen deshalb auf noch mehr Sorgfalt und Sicherheit. Die Türen sind grundsätzlich verschlossen, und wenn die Betriebsinhaber die Ställe betreten, führt der Weg grundsätzlich durch einen Waschraum. „Hygiene ist das A und O, nicht erst seit der Diskussion um die Afrikanische Schweinepest“, sagt der 57-jährige Landwirt.

Sorgfalt und Sicherheit sind unerlässlich, um die Bestände zu schützen. Es sei so gut wie unmöglich, dass Wildschweine in den Stall gelangen, aber immerhin möglich sei, dass Menschen die Exkremente der Wildtiere unbeabsichtigt in die Bestände an Mastschweinen tragen, beschreibt der Landwirt ein Szenario. Würden seine Tiere infiziert, müsste der gesamte Bestand getötet werden, der wirtschaftliche Schaden wäre immens. Zwar würde Geld aus einer Seuchenkasse fließen, dazu habe die Familie eine Versicherung gegen Betriebsausfälle abgeschlossen, aber der Ausgleich würde den Schaden bei weitem nicht abdecken. Dazu käme ein erheblicher bürokratischer Aufwand, bevor das Geschäft nach mehrmonatiger Unterbrechung und zahlreichen aufwendigen Untersuchungen wieder anlaufen könnte, stellt Iris Bammann fest.

Die Familie setzt deshalb darauf, dass die Vorkehrungen greifen und hofft, dass die heimischen Betriebe vom für Mastschweine tödlichen Virus verschont bleiben. Noch gebe es keine Zahlen oder Fernsehbilder von gekeulten Beständen in Osteuropa, und noch setzt Anette Brüggemann auf die Entwicklung von entsprechenden Impfstoffen. Derzeit gebe es kein wirksames Mittel auf dem Markt, aber die Pharmaunternehmen müssten aus Sicht der Hepstedterin großes wirtschaftliches Interesse haben, ihre Bemühungen forcieren. Jürgen Brüggemann weist zudem auf den Faktor Zeit hin. Über das Thema „Afrikanische Schweinepest“ sei in der Branche und den Betrieben schon im vergangenen Frühjahr und dann noch einmal verstärkt im Herbst gesprochen worden. Angekommen sei die Seuche aber noch nicht. Dass die Landesregierung verstärkt auf den Abschuss von Wildschweinen setzt, findet der Hepstedter im Prinzip richtig, aber die Bestände in und um Hepstedt sind aus seiner Sicht eher überschaubar.

Die niedersächsische Landesregierung hat auf die drohende Seuche reagiert. Wie ausführlich berichtet, wurden auf Initiative von Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in einem Nachtragshaushalt 3,5 Millionen Euro zur Prävention bereitgestellt. Aus dem Topf sollen nicht nur die Abschussprämien von 50 Euro pro erlegtem Wildschwein finanziert werden. Der Betrag wird auch für zusätzliche Untersuchungen von Wild- und Hausschweinen zur Früherkennung verwendet. Außerdem sollen mit den Mitteln spezielle Container zur sicheren Entsorgung verendeter Wildschweine angeschafft werden. Auch der Landvolkverband sensibilisiert seine Mitglieder. Vorsorge in den Betrieben habe einen hohen Stellenwert, hatte Gabi von der Brelie gegenüber unserer Zeitung betont. Dazu zählte die Sprecherin insbesondere eine konsequente Stallhygiene und die Desinfektion von Arbeitskleidung und -geräten. Elementar sei die Abschottung der Ställe von Wildschweinen, sinnvoll sei aber auch eine entsprechende Vorsorge: Sollte die Afrikanische Schweinepest den Weg in die heimischen Bestände finden und Tiere getötet werden müssen, könnten die Betriebsinhaber zusätzlich zur Entschädigung aus der Tierseuchenkasse eine Versicherungsleistung beanspruchen.

Der Hepstedter Familienbetrieb hat vorgesorgt. Jetzt warten die Hofbesitzer ab. Man werde nicht in Hektik verfallen, kündigt Jürgen Brüggemann an. „Weglaufen und die Ställe mitnehmen kann man sowie nicht“, sagt die 57-jährige Anette Brüggemann. Und auch die Hofnachfolgerin warnt vor falscher Aufregung. Noch sei die Seuche nicht angekommen. „Und es ist nicht so, dass die Landwirte hier im Dorf jeden Tag nur noch über dieses Thema reden.“ so Iris Bammann. Das Programm der Landesregierung findet sie verbesserungswürdig. Bei einem Bestand von niedersachsenweit 8,5 Millionen Schweinen komme in den Betrieben kaum etwas von dem Geld an.

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