Pläne des Landes für zwei neue Vorranggebiete im Günnemoor kommen im Landkreis nicht gut an Widerstand gegen weiteren Torfabbau

Landkreis Osterholz. Geht es nach den Vorstellungen des Landes, sollen im Günnemoor zwei neue Vorranggebiete für den Torfabbau ausgewiesen werden. Gegen diesen Plan im Entwurf für das Landes-Raumordnungsprogramm regt sich im Kreis Osterholz Protest. Ein weiterer industrieller Torfabbau kommt für die Politiker und die Verwaltung in Osterholz-Scharmbeck nicht in Frage. Auch Landrat Jörg Mielke will verhindern, dass die 90 Hektar große Fläche für die Torfgewinnung freigegeben wird. In Hambergen ist die Fortführung des Torfabbaus ebenfalls nicht gewollt.
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Von Lutz Rode

Landkreis Osterholz. Geht es nach den Vorstellungen des Landes, sollen im Günnemoor zwei neue Vorranggebiete für den Torfabbau ausgewiesen werden. Gegen diesen Plan im Entwurf für das Landes-Raumordnungsprogramm regt sich im Kreis Osterholz Protest. Ein weiterer industrieller Torfabbau kommt für die Politiker und die Verwaltung in Osterholz-Scharmbeck nicht in Frage. Auch Landrat Jörg Mielke will verhindern, dass die 90 Hektar große Fläche für die Torfgewinnung freigegeben wird. In Hambergen ist die Fortführung des Torfabbaus ebenfalls nicht gewollt.

Die beiden Flächen, die die Fachleute im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung ausgeguckt haben, liegen auf dem Gebiet der Samtgemeinde Hambergen sowie in der Ortschaft Teufelsmoor in Osterholz-Scharmbeck. 20 Hektar des Landes auf der Teufelsmoorer Seite gehören zu einer Heidelbeerplantage, ansonsten wird auf den Flächen Mais angebaut oder sie werden als Weideland genutzt. Die Ländereien grenzen unmittelbar an das 240 Hektar große Areal an, auf dem bereits Torf im großen Stil abgebaut worden ist. Damit dort wieder ein Hochmoor entsteht, wird das abgetorfte Gelände aktuell für die Regeneration hergerichtet.

Im Rathaus der Kreisstadt hat man etliche Argumente zusammengetragen, die dagegen sprechen, dass im Günnemoor weiter Torf abgebaut wird: So betonen die Fachleute in der Verwaltung die Bedeutung der Flächen für die Tier- und Pflanzenarten, die unter dem Torfabbau leiden würden. Negative Auswirkungen befürchtet man zum Beispiel für die Kraniche, die in dem Gebiet ihre Rast einlegen und jährlich für ein eindrucksvolles Naturschauspiel im Günnemoor sorgen. Sie sind bei der Futtersuche auf weite Flächen angewiesen.

Das Moor erlebbar machen

Doch auch unter dem Aspekt des Tourismus passt den Osterholz-Scharmbeckern der Entwurf des Landes-Raumordnungsprogramms nicht ins Konzept. Das Ziel, das Moor für Besucher erlebbar zu machen und ihnen die Eigenarten der Landschaft näher zu bringen, wäre gefährdet, sollte der Torfabbau weiter möglich sein. Wer als Tourist eine intakte Natur erwarte und dann auf Torfabbaumaschinen blicke, könnte enttäuscht zurückkehren - keine Werbung für die Region als Ausflugsziel. Außerdem steht die Fortführung des Torfabbaus den Zielen des Klimaschutzes entgegen, argumentieren die Gegner der Planung: Nach Berechnungen der Biologischen Station Osterholz werden bei der Zersetzung von Torf erhebliche Mengen CO2 freigesetzt. Sollte auf den beiden angedachten Vorrangebieten eines Tages Torf abgebaut werden, würden dort 1,6 Millionen Tonnen des Stoffes in die Atmosphäre gelangen. "Der weitere Torfabbau im Günnemoor ist

anachronistisch. Wir können nicht einerseits von den ärmsten Ländern der Welt fordern, aus Gründen des Klimaschutzes keine Regenwälder mehr abzuholzen, um dann vor der eigenen Haustür andere Maßstäbe anzulegen", sagt Stadtplaner Ulrich Schmidt.

Schließlich würden auch die Menschen in der unmittelbaren Umgebung unter dem Torfabbau in direkter Nachbarschaft leiden - durch Lärm und Staub. Aber auch die Bausubstanz könnte durch das Sinken des Wasserstandes leiden. Ins Feld wird auch ein alter Hof an der Günnemoorer Straße geführt, der unter Denkmalschutz steht und ebenfalls genau an das Gebiet grenzt, in dem der Torfabbau nach dem Willen des Landes möglich sein soll.

Sind die Vorranggebiete erst einmal im Landes-Raumordnungsprogramm eingezeichnet, gelten sie als feste Vorgaben für die kommunale Ebene: Nicht nur das Raumordnungsprogramm des Landkreises, sondern auch der Flächennutzungsplan der Kreisstadt müssten entsprechend angepasst werden. Der Torfabbau sei damit genehmigungsfähig, erläutert Stadtplaner Schmidt. In der Kreisstadt ist die Stellungnahme zum Entwurf des Landes-Raumordnungsprogramms bereits beschlossene Sache, am 24. November wird sich auch der Ausschuss für Umweltplanung und Bauwesen auf Kreisebene mit dem Thema befassen. Eine Ausweitung des Torfabbaus kommt aus Sicht der Kreisverwaltung nicht in Frage - eher will man das Gegenteil erreichen: Die bisherige Regenerationsfläche für das Hochmoor mit seinen 240 Hektar wird als zu klein angesehen und sollte aus Verwaltungssicht sogar noch auf die angrenzenden Weiden ausgeweitet werden, damit sich dort ebenfalls wieder ein Hochmoor entwickeln kann.

In Vollersode steht der Punkt demnächst ebenfalls im Verwaltungsausschuss auf der Tagesordnung. Im Hamberger Rathaus verweist Friedhelm Lütjen darauf, dass man sich schon 2007 mit der Frage des weiteren Torfabbaus befasst habe, als ein Antrag der Firma Turba Erden- und Humuswerk GmbH auf dem Tisch lag, auf 250 Hektar weiter Torf abbauen zu dürfen. Schon damals habe man sich eindeutig dagegen ausgesprochen, sagt Lütjen.

Laut Stadtplaner Ulrich Schmidt ruht das Antragsverfahren des Unternehmens, weil vom Landkreis angeforderte Unterlagen fehlen.

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