Änderung des Flächennutzungsplans Windpark: Neue Hürden durch Vogelschutz

Bereits 2012 hat die Firma Reon ihre Pläne zum Bau eines Windparks bei Oldendorf angeschoben. Dann funkte die Deutsche Flugsicherung dazwischen; das Verfahren wurde auf Eis gelegt. Am heutigen Dienstag geht es weiter.
18.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Windpark: Neue Hürden durch Vogelschutz
Von Brigitte Lange

Bereits 2012 hat die Firma Reon ihre Pläne zum Bau eines Windparks bei Oldendorf angeschoben. Dann funkte die Deutsche Flugsicherung dazwischen; das Verfahren wurde auf Eis gelegt. Nun geht es weiter: Heute wird sich die Samtgemeinde Hambergen einmal mehr mit einer Anpassung des zugrunde liegenden Flächennutzungsplans befassen.

. Der Schwarzstorch steht in Niedersachsen auf der Roten Liste. Er gilt als stark gefährdet, teilt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auf Nachfrage der Redaktion mit. Zwar datiert diese Liste aus dem Jahr 2007, doch an der Einschätzung habe sich bis heute nichts geändert, so der Pressesprecher. Ähnliches gelte für den Bestand von Kiebitz und Feldlerche. Mit dem Unterschied, dass sie „nur“ gefährdet sind – und nicht stark gefährdet. Nordwestlich von Oldendorf wird der Lebensraum der Vögel nun angeknabbert. Ein Windpark soll dort errichtet werden. Die Planung ist nach einem zweijährigen Stopp wieder angelaufen.

Erster Impuls 2012

Bereits 2012 hatte die Firma Reon das Vorhaben angeschoben. Dann wurde sie von der Flugsicherung ausgebremst. Nun befasst sich die Samtgemeinde Hambergen erstmals wieder mit der für den Bau der Anlagen nötigen Änderung ihres Flächennutzungsplans. Das Thema steht auf der Tagesordnung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Planung der Samtgemeinde, der am heutigen Dienstags ab 18 Uhr öffentlich im Rathaus Hambergen tagt.

Bereits im April 2012 hatten Hambergens Politiker empfohlen, den Flächennutzungsplan an das neue Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Osterholz anzupassen. Es weist im Bereich nordwestlich von Oldendorf ein Vorranggebiet für Windkraft aus. Es soll 800 Meter Abstand zur Wohnbebauung und 90 Meter Abstand zur östlich des Plangebietes verlaufenden Hochspannungsfreileitung einhalten. Damit die Windkraftbetreiber dort bauen dürfen, muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Parallel laufe beim Landkreis das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, teilt die Samtgemeinde Hambergen mit.

Planentwurf wird vorgestellt

Bevor die Flugsicherung mit ihren Bedenken alle Pläne der Windmüller auf Eis gelegt hatte, hatte es in Hambergen bereits eine Bürgerversammlung zum Windpark Oldendorf gegeben. Auch Behörden und Träger öffentlicher Belange waren frühzeitig am Verfahren beteiligt worden. Nun stellt das Planungsbüro Instara die Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen und den darauf basierenden Entwurf des neuen Flächennutzungsplanes vor.

Die Liste der Anmerkungen und Anregungen zum neuen Windpark ist lang. Zahlreiche Hinweise beziehen sich auf die Tier- und Pflanzenwelt. Das NLWKN etwa verweist darauf, dass im Norden des Planbereichs „wertvolle Bereiche“ für Brutvögel berührt werden. Dem Bericht der Planer ist zu entnehmen, dass es sich um ein Nahrungshabitat des Schwarzstorchs in der nördlichen Hälfte des zu überplanenden Bereichs handelt. Allerdings ist es nicht der einzige Futterplatz des Schwarzstorchs und aufgrund von abgesenkten Wasserständen und Ackernutzung auch keiner, den er noch regelmäßig aufsucht; rund um das betroffene Gebiet gebe es zudem weitere Nahrungshabitate.

"Keine seltenen Vögel mehr"

Die Untersuchung ergab außerdem, dass der seltene Vogel in einem Radius von einem Kilometer um das Plangebiet herum nicht mehr brütet. „Ehemalige Bruthabitate und Waldbereiche im näheren Umfeld des Plangebietes sind zurzeit auf Grund von Störungen, vor allem durch forstliche Nutzung, in ihren Funktionen für den Schwarzstorch stark eingeschränkt und dies wahrscheinlich bereits seit mehreren Jahren“, führt Instara aus.

Im Unterschied zum Schwarzstorch brüten jedoch Kiebitz und Feldlerche im Plangebiet. Das haben die Untersuchungen auch ergeben. Diese Vogelarten würden jedoch in ganz vielen Vorranggebieten für Windkraft brüten, teilte der zuständige Kreis-Dezernent, Richard Eckermann, auf Nachfrage der Redaktion mit. Ein Ausschlusskriterium für Windkraft seien sie im Bereich Oldendorf nicht. Aber es müsse ein Ausgleich für ihre Brutreviere geschaffen werden. Die Bodenbrüter müssten alternative Flächen zum Großziehen ihres Nachwuchses bekommen. Eckermann: „Kiebitz und Feldlerche nehmen solche neuen Flächen an, das hat sich bereits gezeigt.“

Deutliche Eingriffe in die Natur

Unterm Strich, so fasst Instara den Umweltbericht zusammen, würden die Planungen deutlich in die Natur beziehungsweise in die Schutzgüter Boden, Pflanzen, Tiere und Landschaftsbild eingreifen. Mit Verweis auf den Verlust der drei Brutreviere des Kiebitz’ und eines Brutreviers der Feldlerche sowie das Nahrungshabitat des Schwarzstorchs wird im Papier von „erheblichen Beeinträchtigungen“ gesprochen, deren Umfang noch nicht abzusehen ist.

Deshalb stehe nicht fest, wie groß die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen, sein werden. Dafür müsse erst die Anzahl, Lage und Erschließung der Windkraftanlagen „abschließend quantifiziert“ werden. Genau wie Eckermann betrachtet auch das Planungsbüro diese Ergebnisse nicht als K.o.-Kriterien für die Pläne, bei Oldendorf Windkraftanlagen zu errichten.

Details wie Zahl und Standort der Anlagen werden im Bebauungsplan und im Genehmigungsverfahren behandelt, teilte der Erste Samtgemeinderat von Hambergen, Friedhelm Lütjen, mit. Sie seien nicht Bestandteil des F-Plans. Und nur über den wird heute im Fachausschuss gesprochen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+