Der FDP-Bundestagsabgeordnete Lutz Knopek zur Osterholzer Energiewende 2030 und zur Ritterhuder Solaridee

"Wir brauchen keine Energieplanwirtschaft"

Energiewende Osterholz 2030 - das Konzept des Landkreises erregt auch über die Kreisgrenzen hinaus Aufmerksamkeit. Auf Einladung des Kreisverbandes informierte sich der FDP-Bundestagsabgeordnete Lutz Knopek über die regionale Energieentwicklung. Er informierte sich zunächst bei der Firma Laudeley in Ritterhude über den neuesten Stand der Solartechnik, anschließend hielt er in der Kreisstadt einen Vortrag mit dem Thema "Energiepolitik - aber welche?" Brigitte Lange und Michael Thurm nutzten den Besuch, um dem Umweltexperten einige Fragen zu stellen.
18.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Energiewende Osterholz 2030 - das Konzept des Landkreises erregt auch über die Kreisgrenzen hinaus Aufmerksamkeit. Auf Einladung des Kreisverbandes informierte sich der FDP-Bundestagsabgeordnete Lutz Knopek über die regionale Energieentwicklung. Er informierte sich zunächst bei der Firma Laudeley in Ritterhude über den neuesten Stand der Solartechnik, anschließend hielt er in der Kreisstadt einen Vortrag mit dem Thema "Energiepolitik - aber welche?" Brigitte Lange und Michael Thurm nutzten den Besuch, um dem Umweltexperten einige Fragen zu stellen.

Es ist ja bekannt, dass Sie sich vehement für längere Laufzeiten der Kernkraftwerke einsetzen. Gleichzeitig heben sie den Wert erneuerbarer Energien hervor. Informieren sich hier über die neueste Solartechnik. Wie sollen die Bürger das verstehen?

Lutz Knopek: Nur weil wir die Laufzeiten verlängern wollen, setzen wir doch nicht nur auf die Kernkraft. Im Gegenteil, wenn wir die Laufzeiten verlängern, haben wir genügend Zeit, die erneuerbaren Energien soweit zu entwickeln, dass alles genau passt. Es geht doch darum, dass die Wirtschaft versorgt wird. Allein der Ausbau des Stromleitungssystems braucht seine Zeit.

Die Gemeinde Ritterhude setzt verstärkt auf Solartechnik und möchte alle Dächer der öffentlichen Gebäude mit Fotovoltaik ausrüsten. Was halten sie von dieser Idee?

Ich finde diese Idee ausgezeichnet. Berechnungen wie die von Holger Laudeley beweisen ja, dass es sich für die Gemeinden lohnen wird.

Laudeley spricht von einer Investition von rund 2,4 Millionen Euro, die Ritterhude aufbringen müsste. Auch wenn in 20 Jahren daraus ein geschätzter Überschuss von 5,6 Millionen Euro resultieren würde, bleibt doch die Frage, woher soll dieses Geld kommen?.

Wir müssen als Gesellschaft bereit sein, neue Wege zu gehen. Auch die Gemeinden müssen erkennen, dass dies sinnvolle und notwendige Investitionen sind. Keine konsumptiven Investitionen, sondern Investitionen mit erkennbaren Werten.

Aber benötigen die Gemeinden dafür nicht eine Anschubfinanzierung?

Nein, dafür bin ich überhaupt nicht. Das müssen und können die Gemeinden stemmen. Die ganze Energiewende muss von unten kommen. Eine Energieplanwirtschaft brauchen wir nicht.

Der Landkreis Osterholz will bereits im Jahr 2030 energetisch autark, also unabhängig sein. Halten Sie dies für realistisch?

Die technischen Voraussetzungen sind gegeben. Und wenn Autarkie nicht als ein Ziel verstanden wird, das um jeden Preis in einer bestimmten Zeit realisiert werden muss, sondern eine Zielrichtung vorgibt, dann ist das eine tolle Sache, die klappen könnte. Das Problem sind die energieintensiven Industrien. Wenn Sie im Landkreis Stahlwerke oder Aluminium produzierende Betriebe hätten, würde ich sagen, ist das Vorhaben unrealistisch.

Der Landkreis Osterholz wird im Regionalen Raumordnungsprogramm vorgeben, wo künftig Windkraftanlagen errichtet werden dürfen. Ist diese Lenkung wirklich nötig?

Gerade bei Windkraftanlagen ist klar, dass nicht einfach jeder Betreiber seine Anlagen irgendwo hinstellen kann. Die Standorte müssen Sinn machen, was die Windhäufigkeit der konkreten Lage betrifft. Aber sie müssen auch die Akzeptanz der benachbarten Bevölkerung finden. Alle drei Energieformen - Sonne, Wind und Biomasse - bringen spezifische Probleme mit sich. Wie man das Ziel der Autarkie umsetzt, muss zum Landkreis passen und von der Bevölkerung mitgetragen werden. Autarkie heißt 100-prozentige nicht 99-prozentige Unabhängigkeit. Wenn nur an einer Plan-Stelle ein Windrad nicht errichtet wird, wird die Autarkie nicht erreicht. Sollte der Landkreis bis 2030 zu 90 Prozent energetisch autark sein, wäre das unheimlich viel.

Geht es dem Landkreis um die Nutzung von erneuerbaren Energien, bestünde für ihn die Möglichkeit auch von den Offshore-Parks zu profitieren. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn schon jetzt gesagt wird, so etwas dürfe es nicht geben. Die Sinnhaftigkeit einer Autarkie erschließt sich mir so nicht.

Ein Thema, das die Osterholzer auf die Barrikaden gebracht hat, sind Windräder und ihr Abstand zur Wohnbebauung. Müssten die Bürger mehr Mitsprache bei der Planung haben?

Ich denke, das, was wir bisher an Mitsprache- und Einspruchmöglichkeiten sowie an Rechtsmitteln haben, reicht aus. Und dann sind da noch die Einflussmöglichkeiten auf die Politik.

Im Landkreis Osterholz werden Biogasanlagen gebaut. Sie stehen im Ruf, eine Monokultur aus Maisfeldern zu fördern. Sind hier strengere Vorgaben nötig?

Die Biomasse hat in Niedersachsen einen solchen Stellenwert erreicht, dass eine kritische Zwischenbilanz gezogen werden müsste. Ich bin immer skeptisch, ob Politik tatsächlich das erreicht, was sie möchte, indem sie mehr Vorgaben macht. Im Fall Biomasse stellt sich mir die Frage, ob durch eine Überförderung Fehlanreize gegeben wurden, die es zu korrigieren gilt. Ich mache mir aus Naturschutz-Sicht Sorgen, weil eine ungehemmte Ausweitung des Maisanbaus zu einer nachhaltigen, ökologischen Veränderung der Landschaft führt.

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