Landrat Hermann Luttmann zieht Halbzeitbilanz 'Wir sind gut durch die Krise gekommen'

Landkreis Rotenburg. Der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann (CDU) hat eine Halbzeitbilanz seiner Amtszeit gezogen. 'Wir sind gut durch die Krise gekommen', stellte Luttmann auch mit Blick auf die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent im September fest.
28.10.2010, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Ulrike Prange

Landkreis Rotenburg. Während sich Kommunalpolitiker so langsam für die Kommunalwahl im September 2011 in Stellung bringen, ist für den Rotenburger Landrat Hermann Luttmann (CDU) erst die Hälfte seiner achtjährigen Amtszeit vorbei. Jetzt nahm er seinen Flyer aus dem Wahlkampf vor vier Jahren zur Hand, um anhand seiner Pläne und Ziele von damals eine Halbzeitbilanz zu ziehen.

An oberster Stelle seiner Schwerpunkte, die er sich für die Wahl 2006 gesetzt hatte, stand die Attraktivität des Landkreises für Familien mit Kindern, vor allem ging es um die Betreuungsangebote. Hier habe man aufholen können, bemerkte der 53-Jährige. Um dem Gesetz genüge zu tun, müsste für 35 Prozent der Eins- bis Dreijährigen bis 2013 ein Betreuungsplatz angeboten werden. Das könne der Kreis womöglich schon kommendes Jahr erreichen, der Plan sehe sogar statt der erforderlichen 640 Plätze bis 2013 in der Tagespflege und in Krippen 714 Plätze vor. Um Familien besser zu unterstützen, hat die Verwaltung zudem Familienservicebüros eingerichtet. Zwar läuft das Landesprogramm, das die Büros finanziell fördert, Ende des Jahres aus, am Angebot wolle man aber dennoch festhalten und, wenn die Mittel da sind, es fortführen, stellte Luttmann in Aussicht.

Keine Bilanz kommt aus, ohne die Wirtschaftskrise des vergangenen Jahres zu berücksichtigen. 'Wir sind gut durch die Krise gekommen', stellte Luttmann auch mit Blick auf die vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent im September fest. Der Landesschnitt liegt derzeit bei sieben Prozent. 'Das ist ein Indiz dafür, dass wir wirtschaftlich nicht so schlecht dastehen.' Grund dafür sei aber auch die Tatsache, dass die Betriebe im Kreis eher kleine und mittelständische seien und daher nicht exportabhängig. Defizite gebe es allerdings bei der Infrastruktur, räumte Luttmann ein und nannte als Beispiel die Breitbandversorgung im ländlichen Raum. 'Hier hätte ich gern den ganz großen Wurf gelandet, aber das war leider nicht möglich', räumte er ein. Geplant sei nun, in den kommenden vier Jahren 90 Prozent der Bevölkerung mit einem 'vernünftigen DSL-Anschluss' zu versehen.

Dagegen sei die Entwicklung der Bioenergie im Landkreis eine Erfolgsgeschichte. 'Das wird an Bedeutung gewinnen', ist sich Luttmann sicher. Schon jetzt sei der Landkreis landesweit führend, was die Energiegewinnung angeht. Ziel sei es, den Energiebedarf im Kreis zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken - derzeit sind es 40 Prozent.

Einen besonderen Stellenwert im Kreis und somit auch für den Landrat nimmt das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung ein. 'Das ist vor allem auf kommunaler Ebene wichtig, Vieles könnten wir uns sonst gar nicht leisten.' Aus diesem Grund sei die Einführung der Ehrenamtskarte sowie die neu eingerichtete Koordinierungsstelle, bei der eine hauptamtliche Kraft die Ehrenamtlichen unterstützt, der richtige Weg, das Engagement entsprechend zu fördern.

Ein Ziel: Weniger Schulden

Weniger euphorisch sieht Luttmann den Kreishaushalt. Die ohnehin sparsame Haushaltsführung werde man weiter verfolgen. Ob dabei die Obergrenze der Schulden von 50 Millionen Euro eingehalten werden kann, sei allerdings fraglich. Ein Lichtblick bleibt Hermann Luttmann: 'Wenigstens ist die Verschuldung nicht ganz so hoch wie vorher angenommen.' Für die zweite Hälfte seiner Amtszeit bleibt ein ehrgeiziges Ziel: 2014 sollen es weniger Schulden sein als noch 2006 - da lag die Verschuldung bei fast 100 Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund bereitet dem Landrat besonders eines Sorge: die Ausgaben im Bereich Jugend und Soziales - gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. 'Das Leben in den Dörfern wird schwieriger', ist sich Luttmann sicher, daher müssten sich alle Gedanken machen, wo es hingehen soll. Angebote wie die Bürgerbusse in Sottrum und Visselhövede und das Seniorenberatungsangebot RoSe sollen die Situation von älteren Menschen verbessern. Allerdings blickt Luttmann auch auf die Finanzierung solcher Angebote. 'Es ist kaum vorstellbar, wie unsere Enkel diese Standards bezahlen sollen.'

Dieses Argument hatte Luttmann schon einmal im vergangenen Jahr bemüht, als es um die Neuordnung des Rettungsdienstes im Kreisgebiet ging - gefolgt von allerlei Protesten in den Kommunen. Der Kompromiss, den er mit den Krankenkassen ausgehandelt hatte, wurde von den Gemeinden abgelehnt. Die Folge war der erste Bürgerentscheid im Kreis, mit dem die stärkere Einbindung der Krankenkassen in die Finanzierung des Rettungswesens vom Tisch war. Als Niederlage will Luttmann das nicht werten. 'Eine Niederlage wäre es gewesen, wenn der Kreis die Kosten hätte tragen müssen.' Die zusätzlichen finanziellen Mittel werden nun nicht durch weitere Schulden aufgebracht, sondern durch die Erhöhung der Kreisumlage. Letztlich tragen also die Gemeinden und deren Bewohner die Mehrkosten für den Rettungsdienst.

'Kreisreform wird an uns vorübergehen'

Angesichts dessen über das Bestehen des Landkreises in seiner jetzigen Form zu diskutieren, hält der Landrat allerdings für müßig. 'Die landesweit diskutierte Kreisreform wird an uns vorübergehen', ist er sich sicher. 'Wir werden in 25 Jahren noch das 150-jährige Bestehen des Landkreises feiern.'

Allerdings schweift Luttmanns Blick zuerst zur Kommunalwahl, für die er sich eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit der Kreistagsmehrheit wünscht. Und auch was die nächste Landratswahl angeht hat Luttmann genaue Vorstellungen, zumal er bei der Halbzeitbilanz durchaus zufrieden mit dem Erreichten scheint. 'Ich bin fest entschlossen, 2014 wieder zur Wahl anzutreten.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+