Beim Gartenfestival des Kultur-Sommers in der Samtgemeinde Tarmstedt öffnen sich viele Pforten Wo Fisch und Unke sich vertragen

Tarmstedt. Herzen, Liebesschlösser und Schmetterlinge aus Draht hier, Karpfen und Frösche dort – in der Samtgemeinde Tarmstedt gab es am Wochenende reichlich Gelegenheit, ganz unterschiedliche Gärten zu besichtigen. Das Kulturforum lud im Rahmen seines Kultur-Sommers zu einem Gartenfestival ein.
15.06.2015, 00:00
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Von Johannes Kessels

Herzen, Liebesschlösser und Schmetterlinge aus Draht hier, Karpfen und Frösche dort – in der Samtgemeinde Tarmstedt gab es am Wochenende reichlich Gelegenheit, ganz unterschiedliche Gärten zu besichtigen. Das Kulturforum lud im Rahmen seines Kultur-Sommers zu einem Gartenfestival ein. Elf Gartenbesitzer beteiligten sich, einige empfanden den Besuch aber zumindest am Sonnabend wegen des unbeständigen Wetters als ein wenig enttäuschend.

Zu denen gehörten Gerhard und Marion Rippe an der Bremer Landstraße nicht. „Es hätten mehr sein können, aber es waren doch einige da“, berichtet Marion Rippe, als sie sich mal wieder vor einem Wolkenbruch unter eines der Zelte geflüchtet hatte, in dem sie die von ihr und ihrem Mann selbst hergestellten Gartenaccessoires zeigt: Alles, was man nicht braucht, was aber den Garten schöner macht. „Frauen lieben Deko“, sagt Marion Rippe auf die erstaunte Frage, was man mit einem alten Fenster anfangen soll, bei dem das Glas durch Drahtgeflecht ersetzt ist. Dieses kann man damit anfangen: Man kann es an eine Wand stellen und sich über den altertümlichen, stilvollen Griff freuen, oder einen Heukranz am Rahmen aufhängen. Auch ein alter Herdring von einem Kohleherd kann dekorativ wirken, wenn er richtig behandelt wurde. Marion Rippe und ihr Mann durchstreifen gern Flohmärkte oder alte Häuser, wenn sie von Haushaltsauflösungen erfahren.

Frühkartoffeln reichen lange

Der Garten ist ein „Bauerngarten“. So heißt er, weil in ihm viele Buchsbaumhecken stehen, wie sie Bauern früher gepflanzt haben, um ihren Zier- vom Nutzgarten abzugrenzen. „Meine Oma hatte noch Spargel im Garten“, erzählt Marion Rippe – in Gyhum war das. Aber auch bei Rippes wachsen heute in einer Ecke Beeren, Erbsen und Kartoffeln. Ihren Jahresbedarf an Kartoffeln können sie zwar nicht aus eigener Ernte decken, aber die Frühkartoffeln reichen so lange, bis die Kartoffeln im Supermarkt wieder billiger werden. „Und die schmecken auch viel besser“, sagt Marion Rippes Schwester Ursel Raschke.

Hinter dem Elternhaus von Jürgen Jagels befand sich früher sogar ein Hühnerhof. Sein Elternhaus, das ist die ehemalige Schmiede an der Hauptstraße mit dem Wohnhaus nebenan. Mitte der 1980er Jahre habe er begonnen, den Ziergarten immer weiter nach hinten zu vergrößern, erzählt Jagels. „Irgendwann hat mein Mann Holger Lenke auch angefangen, mitzumachen.“ Die Beete wurden immer größer, weil es so viele Blumen gebe, die er haben wolle, und als gelernter Büromaschinenmechaniker hat er sich schon in seiner Jugend Gärtnereikenntnisse angeeignet, anfangs noch im Blumenkasten auf der Fensterbank. „Rosen mochte ich schon immer gern, irgendwann kamen andere Pflanzen hinzu.“ Was den Garten aber besonders idyllisch macht, ist der Teich, der aus dem Überlauf einer alten Badewanne, die als Regentonne dient, gespeist wird. Die Umlaufpumpe am anderen Ende, durch die das Wasser mit Sauerstoff versorgt und in Bewegung gehalten wird, plätschert vor sich hin, im Wasser schwimmen viele kleine Goldfische und einer, der etwa Karpfengröße hat. „Den habe ich von meiner Schwester bekommen, bei ihr sprang der ständig aus dem Aquarium“, sagt Jürgen Jagels. Hier ist er friedlich wie ein Lamm mit Flossen, vielleicht angeregt durch die Buddha-Statue, die am Teichufer steht. Irgendwo unten im Wasser müsse sich noch ein ähnlich großer Goldfisch befinden, und wahrscheinlich gebe es auch eine Unke in dem Teich, sagt Jagels; manchmal höre man ein Gequake.

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