Michael Ruhnau aus Bülstedt weiß nicht, wie er seine Tiere schützen soll Wolf macht Schafzüchtern Sorgen

Etwa 50 Wölfe leben mittlerweile in Niedersachsen. Michael Ruhnau, der in Bülstedt Rauwollige Pommersche Landschafe züchtet, bereitet dies zunehmend Sorgen. Mit 30 Tieren besitzt er eine eher kleine Herde, trotzdem ist die Zucht mehr als nur ein Hobby für den Biologen und Gärtner aus Leidenschaft.
06.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine von der Decken

Etwa 50 Wölfe leben mittlerweile in Niedersachsen. Michael Ruhnau, der in Bülstedt Rauwollige Pommersche Landschafe züchtet, bereitet dies zunehmend Sorgen. Mit 30 Tieren besitzt er eine eher kleine Herde, trotzdem ist die Zucht mehr als nur ein Hobby für den Biologen und Gärtner aus Leidenschaft.

„Er rückt eindeutig näher“, unterstreicht der Bülstedter Schafzüchter Michael Ruhnau. Ein vor kurzem in der Nähe eines Goldenstedter Waldkindergartens gesichteter Wolf sorgte im Landkreis Vechta für Schlagzeilen. Und auch im Landkreis Rotenburg wurden in den letzten Jahren immer mal wieder einzelne Wölfe gesehen, im Landkreis Cuxhaven konnte der Riss mehrerer Schafe eindeutig dem Wolf nachgewiesen werden, so Ruhnau. Mittlerweile lebten wieder etwa 50 Wölfe in Niedersachsen. Die Rückkehr des Raubtieres bringe auch Probleme mit sich.

„Ich weiß nicht, wie ich meine Tiere schützen soll“, sagt der Biologe. Zwar habe das Umweltministerium angekündigt, die Anschaffung von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden zu unterstützen. Doch dies stößt bei Ruhnau nicht auf uneingeschränkte Begeisterung. „Mich beruhigt das nicht. Das klingt alles ganz gut, aber die Umsetzung ist nicht einfach“, betont er.

Zäune und Hunde zu teuer

Denn die Einzäunung seiner großflächigen Weiden mit Elektrozäunen wäre sehr teuer und aufwendig. Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden sei eine teure Angelegenheit, die sich kleine Schafzüchter nicht leisten könnten. Zumal es für den adäquaten Schutz vor dem Wolf nicht mit einem Herdenschutzhund pro Herde getan sei. „Mindestens zwei müssten es schon sein“, sagt Michael Ruhnau. Und in seinem speziellen Fall womöglich noch mehr, denn er verteilt seine Schafe während der Sommerzeit auf drei bis vier Herden. Dazu kommt, so Ruhnau, dass Herdenschutzhunde keine freundlichen Hunde sind. Es liegt in ihrem Naturell, Schafe gegen alles und jeden, so auch gegen Spaziergänger, zu schützen. Damit die Hunde auch dem Schafzüchter Zutritt zur Herde lassen, ist ein steter enger Kontakt zum Herdenschutzhund unabdingbar. Für eine große Herde funktionieren diese Hunde zum Schutz gegen Wölfe ganz gut, für eine kleine Herde ist der Aufwand aber zu groß, so seine Erkenntnis.

Der Bülstedter Schafzüchter glaubt nicht daran, dass der sich mittlerweile schnell vermehrende Wolf ein scheues Wildtier sei, geht aber davon aus, dass für den Menschen so schnell keine Gefahr besteht. Als intelligentes Tier wird der Wolf allerdings, so Ruhnaus Vermutung, auf der Suche nach Nahrung neue Lebensräume erobern und nicht mehr nur ausschließlich in großen Waldgebieten zu finden sein.

In seiner Brust schlagen zwei Herzen, denn er blickt bei der alten Haustierrasse des Rauwolligen Pommerschen Landschafs auf 20 Jahre Zuchterfahrung zurück. Der Faszination für den Wolf aber kann er sich auch nicht entziehen.

Obwohl das Land Niedersachsen Schafzüchtern eine Entschädigung für den Verlust durch Wölfe zahlt, ist die Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen für Nutztierhalter keine einfache Situation. Erst nach einem eindeutig durch eine DNA-Untersuchung nachgewiesenen Wolfsriss zahle das Land eine Entschädigung. Diese DNA-Untersuchungen und damit der Nachweis brauchten manchmal mehrere Monate – eine Praxis, die für Schafzüchter wie Michael Ruhnau nur schwer nachzuvollziehen ist. Es könnten schon mal mehr mehr als drei Monate ins Land gehen, bis eine DNA-Untersuchung vorliege.

Für Michael Ruhnau, in dessen Herde 20 Jahre Zuchtwert stecken, ist die gezahlte Entschädigungssumme eher unbefriedigend. Denn für den Bülstedter ist es mehr als nur der Fleischwert, der durch einen Wolfsriss verloren geht. Als Folgeschäden nennt er „Verlammen“ und Nervosität in der Herde. Wie er seine Tiere schützen soll, ist ihm unklar. Sie nachts in den Stall zu sperren sieht er nicht als praktikable Lösung des Problems an.

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