Worpswede im Teufelskreis

Schulden über Schulden, und kein Ende in Sicht. Worpswede gibt seit 1994 mehr Geld aus als es einnimmt. In diesem Jahr summieren sich die Kassenkredite aus Vergangenheit und Gegenwart auf 6,8 Millionen Euro – so sehr hat die Gemeinde ihr Konto überzogen. Die Einnahmen reichen nicht, um die laufenden Ausgaben zu bezahlen. Investitionen werden mit Krediten finanziert – hier steigt die Schuldenlast auf 14,8 Millionen Euro.
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Von Michael Wilke

Schulden über Schulden, und kein Ende in Sicht. Worpswede gibt seit 1994 mehr Geld aus als es einnimmt. In diesem Jahr summieren sich die Kassenkredite aus Vergangenheit und Gegenwart auf 6,8 Millionen Euro – so sehr hat die Gemeinde ihr Konto überzogen. Die Einnahmen reichen nicht, um die laufenden Ausgaben zu bezahlen. Investitionen werden mit Krediten finanziert – hier steigt die Schuldenlast auf 14,8 Millionen Euro.

Dass es so nicht weitergeht, ist jedem klar. Wer rote Zahlen schreibt, muss Kosten senken und Einnahmen erhöhen. Das tun die Politiker. Der Rat wird die Grundsteuern anheben und die Gewerbesteuer, dazu die Kindergartengebühren. Unterm Strich bringt das mit kleineren Ausgabenkürzungen zirka 320000 Euro pro Jahr. Das wird nicht reichen. Einschnitte soll es beim Hallenbad und bei den Feuerwehren geben. Reichen wird auch das nicht.

Eigentlich müsste Worpswede sein Hallenbad schließen und die Tourist-Information gleich mit. Beide gehören nicht zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde, sie gelten als freiwillige Leistungen. Doch Worpswede lebt vom Tourismus, davon, dass pro Jahr 300000 bis 500000 Besucher kommen. Fürs Künstlerdorf ist die Tourist-Info Pflicht. Sie kann sie nur nicht bezahlen und bekommt kein Geld dafür.

Zu Recht klagt der Bürgermeister darüber, dass das Künstlerdorf sein Kulturerbe erhalten und vermarkten muss, bei den Landeszuweisungen aber wie jede andere kleinere Landgemeinde behandelt wird. Da liegt das Problem. Worpswede ist chronisch unterfinanziert. Dagegen anzusparen, kann tödlich sein. Die Kindergärten, einige mit Mittagessen und Ganztagsbetrieb, kosten die Gemeinde pro Jahr fast eine Million Euro. Sie könnte alle Tagesstätten nur noch vier Stunden öffnen. Dann wäre die Gemeinde nicht mehr attraktiv für junge Familien. Die würden wegziehen; prompt würden Steuern und Zuweisungen fehlen – ein Teufelskreis.

Vielen Gemeinden abseits von Autobahnen fehlen Gewerbebetriebe, die Geld bringen. Einen Ausgleich dafür gibt es auch nicht. Helfen kann ihnen nur eine bessere Finanzausstattung durch Bund und Land.

michael.wilke@wuemme-zeitung.de

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