Naturdenkmal im Landkreis Osterholz Worpsweder Kugeleiche ist 350 Jahre alt

Worpswede. Könnte die 350 Jahre alte Kugeleiche sprechen, sie hätte sicher so manches zu erzählen. Geschichten, die sich im Laufe ihres langen Lebens am Weyerbergs ereignet haben. Doch die Tage des Baums sind gezählt.
28.07.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Maren Arndt

Worpswede. Könnte der alte Baum sprechen, er hätte sicher so manches zu erzählen. Geschichten, die sich im Laufe seines langen Lebens dort am Westhang des Weyerbergs ereignet haben. Statt seiner übernimmt Professor Dr. Hans Ganten von der Stiftung Worpswede die Aufgabe, unserer Zeitung von dem Naturdenkmal zu berichten; von den Geschichten, die über die Kugeleiche existieren.

Bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges geht Ganten zurückgehen. Damals, so berichtet er, mussten die Worpsweder Bauern große Mengen Holz an die Heerführer liefern. Es heißt, dass bis zu 4000 Eichen gefällt wurden. Der Weyerberg sei kahl gewesen. Nach Kriegsende fiel das Land in den Besitz des Landgrafen Friedrich von Hessen-Eschwege. Die schwedische Königin Christine schenkte es ihm.

Ganten erzählt, dass der Graf für seine Frau Eleonore-Katharina am Westhang des Weyerbergs ein Schloss bauen wollte. Der heute noch vorhandene "Thiergarten" Weg erinnert daran, dass auch ein Tiergarten zu dem Schloss gehören sollte. So ließ der Landgraf zunächst den Berg wieder aufforsten. Zu diesen Anpflanzungen soll die Kugeleiche gehören. Doch das Schloss wurde nicht gebaut. Der Landgraf starb schon 1655. Nur Wege, Flurnamen und die alte Kugeleiche zeugen noch von dem ehemaligen Fürstensitz in Worpswede und den Plänen des Landgrafen.

Fantastischer Wuchs

Trotz der gescheiterten Schloss-Pläne hat der Landgraf den Worpswedern mit der Kugeleiche etwas Besonderes vermacht: Zu welcher Jahreszeit auch immer der Besucher am Fritz-Mackensen-Weg vor dieser Eiche steht, er wird vom fantastischen Wuchs, und der wunderbar gewachsenen Krone des Baums verzaubert. Der Künstler Fritz Mackensen höchstpersönlich setzte sich einst für diesen Eichenbaum ein. So ist die Worpsweder Eiche im Volksmund als Fritz-Mackensen-Eiche bekannt geworden.

Fast 20 Meter hoch und gut 30 Meter breit wölbt sich die Baumkrone. Der Stammesumfang beträgt gigantische 5,60 Meter. Im Frühling frisch hellgrün, dunkelgrün im Sommer, im Herbst goldgelb leuchtet das Laub. Zu jeder Jahreszeit ist der Baum ein Blickfang. Mit einem Kleid aus Raureif zaubert der Winter manchmal einen ganz besonderen Anblick über die filigranen Äste.

Ein Spazierweg führt direkt an dem Naturdenkmal vorbei, eine Bank lädt ein zu einer Rast. Vor einigen Jahren musste dieser Weg verlegt werden, da die Eiche durch Pilzbefall morsch geworden war und die Wanderer gefährdete. Der Weg führt nun in einem Sicherheitsabstand um den Baum herum. Zusätzlich hat man einen Zaun gezogen. Die Kugeleiche selbst steht auf einem Privatgrundstück. Hinweisschilder weisen mit ein paar Informationen darauf hin, dass der Spaziergänger vor einem Naturdenkmal steht, dem ältesten Baum in Worpswede und zugleich einem der schönsten Bäume im Teufelsmoor.

Ein vom Landkreis in Auftrag gegebenes Schalltomogramm hat zweifelsfrei erwiesen, der mächtige Stamm ist von innen hohl. Die Außenhülle der Eiche ist aber noch intakt und versorgt die mächtige Krone mit Nährstoffen. Gut zu erkennen ist der Eichenfeuerschwammpilz mit seinen Fruchtkörpern am Stamm. Eichen sind aus hartem Holz und sterben nicht von heute auf morgen. Doch der Tod ist in ihr, unaufhaltsam wird er eines Tages kommen. Ein Ast brach bereits ab, wird aber noch vom Baum versorgt und trägt in jedem Jahr frisches Grün. Erfreuen wir uns an dem wunderschönen Baum, solange er noch lebt. Der Landkreis Osterholz kümmert sich um den Baum, doch auf Dauer wird die Kugel-Eiche nicht mehr zu retten sein.

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