Linkspartei fordert offene Debatte über Standorte Worpswedes Funkmast steht in Bergedorf

Worpswede·Lilienthal. Der TETRA-Funkturm neben dem Feuerwehrhaus an der Edisonstraße sorgt für Aufruhr in Lilienthal. Bürger in nahen Wohngebieten fürchten die Strahlung, eine Initiative fordert die Versetzung des Turms. In Worpswede steht der Sendemast längst.
19.08.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede·Lilienthal. Der TETRA-Funkturm neben dem Feuerwehrhaus an der Edisonstraße sorgt für Aufruhr in Lilienthal. Bürger in nahen Wohngebieten fürchten die Strahlung, eine Initiative fordert die Versetzung des Turms. In Worpswede steht der Sendemast längst. Den Standort kennen wenige. Politiker, Verwaltungschefs und andere Amtsträger sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Im Künstlerdorf dürfte der Digitalfunk wenig Empörung auslösen. Der Mast steht in Bergedorf auf dem Areal einer Baumschule.

Die neuen Sendeanlagen für den Digitalfunk von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten werden am Mobilfunkmast angebracht, der seit Jahren in Bergedorf steht. Die nächste Wohnsiedlung am Bergedorfer Schiffsgraben ist einen halben Kilometer oder noch weiter entfernt. Es hätte nur zwei Alternativen gegeben, wie die Redaktion von Insidern erfuhr: den Schlauchturm des Feuerwehrhauses und die Alte Molkerei. Hier stehen die anderen beiden Mobilfunkmasten im Gemeindegebiet. Beide hätten wegen der Nähe zur Wohnbebauung mit Sicherheit Bürgerproteste ausgelöst.

In Niedersachsen wird zurzeit ein flächendeckendes Digitalfunknetz für die Einsatzkräfte aufgebaut. Es soll das alte analoge Funksystem ablösen. Das geschieht unter dem Mantel strikter Verschwiegenheit, zu der alle Amtsträger verpflichtet wurden. Begründung: Wenn Standorte und Ziele öffentlich diskutiert würden, könnten Terroristen das Netz durch Anschläge lahm legen.

Rugen: So was von lächerlich

'Schluss mit der Geheimniskrämerei!', fordert Herbert Behrens, Stadtrat in Osterholz-Scharmbeck und Bundestagsabgeordneter der Linken. In den Kommunen müsse offen über Standorte und Gefahren diskutiert werden, zumal die mittel- und langfristigen Folgen des vermehrten Einsatzes von Technologien wie TETRA-BOS, W-LAN, UMTS und anderen noch gar nicht erforscht seien. Behrens? Parteifreund in Worpswede, Bernd Rugen, will das in der nächsten Planungsausschusssitzung am 30. August fordern. Die Verschwiegenheitspflicht sei 'so was von lächerlich', findet der Ratsherr. 'Man hat ja in Lilienthal gesehen, was dabei rauskommt. Hinterher weiß jeder, wo der Mast steht.'

Auch für Jochen Semken, Worpsweder Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), ist die Geheimniskrämerei 'dummes Zeug, überhaupt nicht nachvollziehbar'. Zum einen seien die Anlagen optisch sichtbar. Zum anderen könnten ihre Frequenzen mit einfachen Geräten gemessen werden. Doch gilt das Geheimhaltungsgebot auch für Semken. 'Ich muss mich daran halten', bedauert er. Das Land hat alle Amtsträger zur Verschwiegenheit verpflichtet. Informiert sind neben Feuerwehr, Polizei und Verwaltung die Politiker im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschuss, zu denen Semken gehört.

Bürgermeister Schwenke hat den Niedersächsischen Städte- und Gemeindeverband gebeten, bei der Landesregierung auf eine Freigabe der Information zu dringen. Noch muss er den Standort als vertrauliche Mitteilung unter Verschluss halten. An die Geheimhaltung habe er sich ebenso zu halten wie alle anderen Bürgermeister, sagt er. Immerhin habe er in öffentlichen Sitzungen gesagt, wo die TETRA-Anlagen nicht montiert würden: am Feuerwehrhaus und an der Alten Molkerei.

Wie Schwenke kann Worpswedes Ortsbrandmeister Axel Elster die Ängste der Bürger verstehen. Doch sieht er für die Feuerwehren keine Alternative zum Digitalfunk. 'Ich hab? bald kein anderes Funksystem mehr zur Verfügung.' Bestimmte analoge Geräte stelle die Industrie schon nicht mehr her: 'Man merkt: Es ist die letzte Zeit vor der Umstellung'. Elster vertraut darauf, dass die Grenzwerte eingehalten werden und dass die Funkgeräte gesundheitlich unbedenklich sind.

Noch funkten alle 52 Ortsfeuerwehren im Kreis auf einem Kanal; das könne bei parallelen Großereignissen wie Bränden und Orkanen schwierig werden. Beim Digitalfunk sei das Problem gelöst; jedes Fahrzeug sei per Funk schneller zu erreichen. 'Ich stehe hier gerade in Bremen, wo ich arbeite', sagt Elster. 'Da steht das Netz schon. Von Bürgerprotesten habe ich nichts gehört.'

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